Twitter-Rant (I)

Ich hab gerade immer noch eine Blockade, „wirklich“ zu bloggen (was auch immer das eigentlich bedeuten mag). Da ich aber gerade gelernt habe, wie leicht sich Tweets bei WordPress einbinden lassen, stattdessen hier also ein kleiner Twitter-Rant von letztens zum Thema Primark. Auslöser war der Artikel über »kreativen Protest gegen Primark« (z.B. Kleidertauschbörse) im Tagesspiegel.

Als Antworten darauf kam, dass zudem Sachen wie Socken, Unterwäsche/BHs, Schuhe etc. dort kaum erhältlich sind und 1 das auch nicht unbedingt gebraucht kaufen möchte sowie die Tatsache, dass das Besuchen von Flohmärkten & Co. und/oder das Tragen bereits benutzter Wäsche oft mit Ängsten einhergehen kann und daher nicht für jede_n  umsetzbar ist. (Nachtrag, weil auch passend zum Thema: Teurer kaufen heißt nicht unbedingt »besser« kaufen.)

Es ist immer einfach, Leute für etwas zu kritisieren – eine Problemlösung für irgendwas ist es allerdings nicht, wie auch Nadia in einem anderen Artikel zu Primark treffend schlusswortet:

Tatsächliche Systemkritik funktioniert nicht, wenn die nächste Lösung die sein soll, Menschen zu verurteilen, die aus welchen Gründen auch immer in günstigen Geschäften (wie beispielsweise Primark) einkaufen (müssen). Kapitalismus ist ein komplexes Problemfeld und kann nicht auf individuelle Verantwortungen herunter gebrochen werden. Deswegen ist auch der Hinweis, man “dürfe eigentlich nicht bei Primark und Co.” kaufen, nicht hilfreich. Just sayin’.

— PRIMARK UND DIE EINGENÄHTEN ETIKETTEN: GUERILLA-PR?

14 Antworten zu “Twitter-Rant (I)

  1. Ninette 22.07.2014 um 18:11

    Danke für den Text bzw. deinen Rant. Mir kam gerade zum Aspekt Unterwäsche/Socken usw. noch ein Gedanke: soweit ich weiß, gibt es nirgendwo ein wirkliches Angebot für diese Dinge als Fairtrade-Produkte. Es gibt jede Menge fair produzierte „Standardkleidung“ (Shirts, Hosen etc.), man kann diese Sachen auch bei Kleiderkreisel oder so finden, aber ich muss zugeben, dass ich meine „persönliche“ Wäsche auch bei Primark und Konsorten kaufe, aus Mangel an Wissen über Alternativen (und aus finanziellen Gründen, was ja auch generell eine große Rolle spielt).

  2. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Konsumkritik-Kritik und Kinder kriegen – die Blogschau

  3. Sarah Kim 28.07.2014 um 0:09

    Vielen Dank für diesen Rant!

    Es ist leider auch in der Berichterstattung zu dem Unglück im Rana Plaza sehr untergegangen, dass nicht nur Billigmarken wie Kik dort unter unmöglichen Bedingungen produziert haben, sondern auch mittelpreisige Marken wie Adler Mode und Esprit.
    Es sind also nicht nur die viel gescholtenen Billigheimer und ihre Käufer, sondern auch wesentlich teurere Marken, wie der Link zur ZEIT zeigt:
    http://www.zeit.de/lebensart/mode/2013-09/fair-trade-oder-ausbeutung-modemarken-check-h-m

  4. spatzentisch 28.07.2014 um 6:10

    Erst einmal danke für deinen Text, ich bin jedoch anderer Meinung.

    Ich denke schon, dass Kleidertauschbörsen, Second-Hand-Läden und auch einfach Kartons mit alter Kleidung am Bürgersteig Alternativen darstellen. Ich kann dich verstehen insofern es um die arrogante Attitüde geht mit der so etwas angepriesen wird; und ja, diese hat wohl oft klassistische Tendenzen.

    Ich argumentiere jetzt auch klassistisch (und weiß noch nicht genau wo das hinführt): Ich finde alle die verstehen und akzeptieren dass Primark höchstproblematisch ist, haben kein Recht sich auf deine Argumente zu berufen. Sondern müssen erkennen, dass diese allesamt Luxusargumente sind. Das heißt nicht, dass sie ihre Gewohnheiten komplett umkrempeln sollen, aber ich glaube fest daran, dass Einsicht zur Besserung führt. (Als ich eingesehen habe, dass Tierprodukte generell falsch sind, habe ich nach und nach angefangen von vegetarisch auf vegan umzustellen, trinke aber immer noch etwas Milch in meinem Kaffee. Mit schlechtem Gewissen!).

    Ich stimme dir zu, dass man nicht die Menschen verurteilen darf die zu Primark gehen. Sehrwohl aber die Handlung des Kaufens. Du verteidigst aber die Handlung des Kaufens mit geradezu bizarren Modeargumenten, anstatt zu sagen (Klassismus jetzt!): „sie wissen es nicht besser“.

    Ich bewege mich als Hilfskraft in der Altenpflege ( 9€ die Stunde ) in von Klassismus betroffenen Millieus. Ich kaufe Second-Hand (nicht -Mode, nein, nein) oder fair und trage meine Sachen vor allem länger; möglichst, nicht absolut. Dafür muss ich viel einstecken; mal versteckt, mal bissig, mal spaßig. Und durch Argumente wie deine sehe ich meinen tägliche anstrengende Haltung wirklich geschmälert.

    Na klar ist Kapitalismuskritik komplex, aber mein Kaufverhalten ist mit ziemlicher Sicherheit besser als wenn ich zu Primark gehen würde. Ich will ja gar kein Lob, aber du affirmierst pro-kapitalistische Haltungen, die mich diskriminieren.

    • Puzzle 28.07.2014 um 9:43

      Ich habe nirgendwo gesagt, dass 1 auf Second-Hand und co. verzichten sollte. Allerdings widerlegst du gerade keines meiner Argumente, warum manche Menschen nicht darauf zurückgreifen können – also verstehe ich nicht, was du mir sagen willst, außer, dich selbst von einem Schuldgefühl reinzuwaschen (lies: gut für dich, dass du es schaffst, diese Alternativen zu leben, aber nicht jede_r hat die Möglichkeit dazu).

      • spatzentisch 29.07.2014 um 6:40

        Schuldgefühle? (Weiß wirklich nicht was du meinst)

        „warum manche Menschen nicht darauf zurückgreifen können“
        Ich hinterfrage einfach das „können“, welches, da Luxusproblem, eigentlich ein „wollen“ ist (was ich bei Näherinnen in Bangladesh bestreite). Auch Luxusprobleme sind Probleme, die ich nicht schmälern will, aber da muss es (ohne arrogante Attitüde) möglich sein Alternativen aufzuzeigen und den relativen Luxus des Problems zu entlarven.

        Gut vielleicht liegt es auch einfach an meinem Arbeitsumfeld, aber ich, der ich sehr bewusst du konsumieren versuche und mich dafür gegen Spott und mehr wehren muss (wegen verblichener T-Shirts, geringer Anzahl an Pullovern und löchrigen Hosen; nichts davon trage ich aus Style-Gründen), fühle mich in den Rücken gefallen durch deine Luxusargumente, wo ich sowieso schon an der Ignoranz für die wirklichen Probleme auf der Welt kranke.

        Nichts für ungut.

        • Puzzle 30.07.2014 um 18:25

          Erneut bitte ich dich, meinen Blogeintrag zu lesen. Einige Beispiele.

          a) Es gibt nicht überall 2nd-Hand-Läden. Ohne Laden keine Kleidung.
          b) Wenn deine Kleidungsgröße nicht vorhanden ist, kannst du auch nix anziehen. Ganz einfach.
          c) In vielen Bereichen gibt es sehr bestimmte Kleidungsvorschriften, da wird 1 mit nicht entsprechender Kleidung einfach mal entlassen. Als Kind vielleicht verkloppt.
          d) Wenn getragene Kleidung Ekel hervorruft, kann 1 diese nicht anziehen ohne körperliche Reaktionen. Da hilft leider auch kein Wollen.

          Weitere „Aber!“-Beiträge schalte ich dazu nicht mehr frei.

  5. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Ganz bewusst und aktivistisch shoppen gehen?

  6. haiwen 31.07.2014 um 22:35

    Was mir neulich auffiel: Die Kritik an Primark richtet sich, anders als noch bei kik, inzwischen deutlich an die Käufer_innen und da schwingt noch ein anderer historischer und klassenspezifischer Unterton mit.

    „Nur einmal tragen und wieder wegwerfen“ so oder so ähnlich soll der Slogan heißen, zumindest ist das häufig ein Aufhänger für die Kritik. „Nur einmal tragen“ ist auch bis heute das Motto für alle weiblichen Promis. Welche es wagt, ein Kleid mehrfach öffentlich zu tragen, wird zur Titelstory.

    Nun wagt es eine Firma, Kleidung so günstig zu verkaufen, dass dieser Marker von Luxus und Bekanntheit auch den 08/15-Leuten zugänglich wird. Wobei sich das tatsächlich wiederrum nicht alle leisten können.

    Eine Prognose für die Zukunft: Irgendwann wird Primark ok sein. Wenn eins das tatsächlich nur für den Einmalgebrauch kauft. So werden diejenigen beschämt werden, die diese „Einwegkleidung“ doch häufiger tragen. Das System erhält sich selbst.

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  9. Qheerko 04.08.2014 um 16:09

    Zuerst einmal Danke für die wichtigen Hinweise, dass die Kosten für potentiell emazipatorischere Praktiken ungleich verteilt sind und Menschen auschließt. Ich selbst gehe seit Jahren schon nicht mehr zu Umsonstläden, weil ich außer Röcke (die sind so schön denbar :)) einfach nichts finde, was mir passt. Gleichzitig finde ich den von dir (puzzle) zitierten Satz von nadia problematisch: „die aus welchen Gründen auch immer in günstigen Geschäften (wie beispielsweise Primark) einkaufen (müssen)“ Hier wäre es schön, wenn auf die Klammer verzichtet wird, weil dies sonst ein Freibrief für jede_n darstellt.
    Ein letzter Gedanken möchte ich hier noch äußern, der sich aber nicht auf deinen Blogeintrag bezieht, den ich aber trotzdem relevant finde. Es gibt für sehr viele Menschen, gute Gründe günstig (oder teuer mit gleichen Ausbeutungsbedingungen) einzukaufen. Als Frau, wird mehr wert auf mein Aussehen gelegt; als Dicke_r, habe ich weniger Auswahl; als ärmere Person, kann ich es mir schwieriger leisten; als ethnisierte oder nicht-heterosexuelle Person, will ich möglichst nicht noch weiter auffallen; etc.. Zusammengerechnet, stellen wir damit mehr als deutlich die absolute Mehrheit dar, wenn auch unter Berücksichtigung einer interdependeten Perspektive, untereinander sehr unterschiedlich privilegiert. Was ich zum Teil erlebe ist, und damit meine ich weder dich, puzzle, noch viele andere, die hier kommentieren, dass es bei der gewohnten Praxis des unkritischen Konsums bleibt und weniger nach Alternativen gesucht wird, auch weil dies für einen persönlich höhere Kosten bedeutet. Ich will dies an beispielhaft verdeutlichen: Die meisten Studierenden haben keinen reichen Eltern, die sie finanzieren und mit Bafög ist es deutlich schwerer sich vegane, „fairtrade“-Bekleidung zu kaufen, die von systemkritischen Menschen hergestellt wird. Dennoch habe ich noch nie eine Demo gesehen, die für höhere Bafög-Leistungen auf die Straße geht, damit weniger ausbeuterische Produkte gekauft werden kann. Genauso wenig sehe ich dies bei bei den meisten Hartz-4-Empfänger_innen (Ich bin eine_r). Diese Beispiele sollen aber nicht negieren, dass es z.B. Menschen gibt, für die bestimmte Produkte überlebenswichtig sind oder Menschen, die aufgrund ihrer sychischen Situation, nicht die Kraft haben sich um Alternative zu kümmern. Hier möchte ich zuletzt Kritik an der mangelnden Solidarität von insgesamt privilegierteren Menschen üben, die ich auch in ansonsten emanzipatorischen Kreisen zum Teil erlebt habe. In einem System, dass sich so stark an nicht erreichbare Ideale orientiert, bedeutet ein Teilen von Ressourcen, oftmals, das mir Kosten entstehen, die mir das Leben schwieriger machen, fast egal wie privilegiert ich bin. Dennoch kann dieses Teilen für Menschen, die deutlich weniger privilegiert sind, oftmals viel größere Handlungspielräume eröffnen, als sich diese für mich als teilende Person, schließen.

  10. laura 20.10.2014 um 1:14

    früher habe ich auch sehr oft bei Primarkt eingekauft, aber seit ich eine Sendung bei ZDF über diesen Konzern angeguckt habe, kaufe ich nicht mehr von dort ein, echt kranke Sache, wie sie die mitarbeiter in den anderen Länder behandeln, wo primarkt Kleidungen herstellen

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