»Haters gonna hate« – oder nicht?

Ich war mal wieder länger weg, aus mehreren Gründen: wenig Zeit, wenig Geld (daher viel zu arbeiten versucht und ergo noch weniger Zeit), diese anstrengenden Hausarbeiten… aber der eigentliche Grund, warum ich auch in meiner freien Zeit keine Motivation fand, zu schreiben, sind die Kommentare, die ich auf meine letzten zwei oder drei Einträge bekommen habe.

Ich frage mich seit nunmehr einem halben Jahr, wieso ich Zeit ins Bloggen stecken soll, wenn danach die Chance besteht, aufs Übelste beschimpft zu werden und Kommentare dieser Art im Gegensatz zu produktiven und konstruktiven überwiegen? Hab ich Lust dazu? Hab ich das dicke Fell? Ich glaube nicht.

Als ich dieses Blog vor inzwischen fast zwei Jahren begonnen habe, waren die Kommentare für alle offen. Ein halbes Jahr später mussten Kommentator*innen erst einmalig freigeschaltet werden, um zukünftige Schreibrechte zu erhalten. Noch mal ein Jahr später habe ich dann beschlossen, alle Kommentare erst zu lesen, bevor ich sie freischalte, weil einige absichtlich einen »netten« Beitrag hinterließen, nur um freigeschaltet zu werden und dann mit Schimpftiraden loslegen zu können.

Und selbst, wenn es nur die x-te sich wiederholende Diskussion mit immer den gleichen Pseudo-Argumenten ist, will/kann ich so etwas nicht freischalten, weil es anderen den halbwegs sicheren Raum für Diskussionen nimmt. Doch so muss ich ganz alleine mit diesem Mist klarkommen… und das schaffe ich einfach nicht. Als Einzelbloggerin stehe ich vor dem Dilemma, dass ich keine »Rückendeckung« habe, wie es in gemeinschaftlichen Blogs der Fall sein könnte. Zwar konnte ich mich ab und zu auf Twitter ausheulen, doch nimmt das den Kommentaren trotzdem nicht die gegen mich – und oft gegen alle Frauen*/queers – gerichtete Boshaftigkeit. :(

Irgendwann zwischendurch habe ich mir einen hatr.org-Account zugelegt, bisher allerdings nie genutzt. Warum? Weil ich die Kackscheiße, die mir in den letzten neun Monaten in die Mailbox flatterte, eigentlich nicht noch mal lesen will. Es haben sich über 70 nicht-freigeschaltete Kommentare angesammelt, aber nicht alle davon gehören auf hatr.org (manche waren einfach nur Herrklärungen oder die x-te gleiche Diskussion). Ich will nicht noch mal alles lesen, um zu entscheiden, was wohin soll. Löschen, wie ich es zu Beginn immer getan habe, mag ich sie aber auch nicht mehr, denn wer weiß, ob ich irgendwann noch mal nachweisen muss, dass Person xy Hasskommentare verfasst hat (viele von denen sind ja nicht mal wirklich anonym). Also liegen sie auf Eis, und jedes Mal, wenn ich mich bei WordPress einlogge und die hohe Zahl sehe, beginnen sofort die Magenschmerzen und ich logge mich wieder aus.

Nun stehe ich tatsächlich vor der Frage, wie ich weiterverfahren soll. Ich habe schon seit Wochen überlegt, einfach die Kommentare generell zu deaktivieren, doch mag ich eigentlich Diskussionen und Kritik, die ein Blog ermöglicht. Über Twitter ist das aufgrund der Zeichenbegrenzung eher schwer möglich… zumal ich auch Anfeindungen über Twitter bekommen habe und das vielleicht nur zunehmen würde, wenn ich hier die Kommentare sperre.

Auf der #MMwird5 habe ich mich kurz mit @LenaSchimmel unterhalten, und es kam der tolle Vorschlag, dass Blogger*innen ihre Kommentare gegenseitig lesen und freischalten könnten, oder nur die ohne Kackscheiße an die Autor*innen der betroffenen Artikel weiterleiten. Ich finde diese Idee grundsätzlich super, auch wenn sie sich wohl nicht so einfach umsetzen lässt. Aber vielleicht könnten wir ja ein solches Netzwerk (probeweise?) ins Leben rufen?

Das Problem dabei ist eher noch die Umsetzung; bei WordPress.com gibt es zum Beispiel nicht die Möglichkeit, dass Moderator*innen nur die Kommentare bearbeiten – dort bekämen sie gleich auch Bearbeitungsrechte für Artikel, Seiten und weiß der Kuckuck was. Eine Anfrage an den WordPress-Support, ob sich da nicht was ändern ließe, war bisher leider erfolglos.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Kommentarbenachrichtigungen nicht an die eigene E-Mail-Adresse geleitet werden, oder dass mensch selbst im eigenen Mail-Postfach eine automatische Weiterleitung der Kommentare einrichtet. Alles klingt momentan nicht so nach dem Gelben vom Ei, zumal ich mich nur auf WordPress.com beziehen kann.

Hättet ihr denn Ideen und Vorschläge? Wäre diese Idee überhaupt eine sinnvolle (also außer für mich)? Und wenn ja, wie umsetzen – eher als »Tandem« (zwei Personen, die gegenseitig ihre Kommentare moderieren), oder kleines Netzwerk, oder…?

Ich muss auch noch mal ’ne Weile darüber nachdenken und werde vorerst nur zu Themen bloggen, die weniger »diskussionswürdig« sind… aber eines weiß ich: auf Dauer will ich mir von hasserfüllten A-Löchern nicht das Bloggen vermiesen lassen!


(Längerer) Nachtrag nach einer Nacht darüber schlafen:

Gleich vorneweg: auch wenn ich hier eine Idee vorstellen möchte, weiß ich schon jetzt, dass ich persönlich momentan weder die Zeit, das technische Know-How noch generell die Kapazitäten habe, ein solches Projekt ins Leben zu rufen. Wenn eine*r von euch eine Anlaufstelle dafür ins Leben rufen kann/möchte (z. B. ein Forum, ähnlich einer Mitfahrgelegenheitenzentrale), tut es einfach! :) Ich weiß nicht, ob die bekannten deutschsprachigen feministischen Gemeinschaftsblogs wie Mädchenmannschaft, takeover.beta, oder Femgeeks dazu Lust und/oder Ressourcen haben (wobei Esme zumindest takeover.beta in den Kommentaren vorgeschlagen hat) – ich weiß inzwischen aber, wie ich es mir für mein Blog zukünftig ungefähr vorstelle und teile diese Gedanken mal als eine von vielen Möglichkeiten:

  • ich verfahre weiterhin so, dass alle Kommentare erst nach vorheriger Sichtung freigeschaltet werden und habe die Antwortmöglichkeiten einiger besonders »beliebter« Einträge hier vorerst mal deaktiviert
  • ich suche mir ein bis zwei Freund*innen, die ich kenne, denen ich vertraue und die selbst Lust und Ressourcen haben, meine Kommentare zu moderieren
  • ich werde für die Kommentarbenachrichtigungen bei Googlemail (dort gehen die bei mir hin) einen Filter setzen, dass diese sofort an besagte Freund*innen weitergeleitet und zunächst von ihnen gesichtet werden, ohne dass ich überhaupt etwas davon mitbekomme
  • ich werde meine Freund*innen bitten, mir diese mit Anmerkung oben drüber (und ggf. großem Enter-Abstand zum tatsächlichen Kommentar) weiterzuleiten; Anmerkungen beispielsweise, ob der Kommentar ok ist, fragwürdig ist (z. B. Herrklären, vom Thema wegleiten etc.) oder unzumutbar – die ersteren würde ich dann nach Sichtung freischalten (oder halt auch nicht), die letzteren auf hatr.org schmeißen, aus meiner WordPress-Warteschleife löschen und die E-Mail mit dem Kommentar sicherheitshalber irgendwo abspeichern (lassen)

Soviel an Überlegungen dazu erstmal. Dass ich meine LogIn-Daten zum Blog an diese Freund*innen geben würde, denke ich erst mal nicht. Was wir aber auch tun würden (sie alleine oder mit mir zusammen), ist, alle noch ausstehenden Kommentare zu sortieren und sie, wenn treffend, auf hatr.org zu schicken.

Alternativ könnte mensch fremdmoderierte Kommentare z. B. auch versuchsweise nur bei Einträgen anwenden, von denen si*er ahne, dass es zu Problemen kommen könnte (weil »kontroverses« Thema oder so). Und die Moderationsrichtlinien wären sicherlich auch von Person zu Person unterschiedlich. Das müsste jede*r nach eigener Façon entscheiden.

13 Antworten zu “»Haters gonna hate« – oder nicht?

  1. kiturak 04.10.2012 um 21:22

    Huhu! Finde das großartig. Haben das *hust* auch schon so gemacht, und zwar so, dass eine andere Person von den fiesen Kommentare erst nen screenshot macht, den dann speichert, und dann die Dinger endgültig löscht. Halt mit dem Vertrauen, dann die Login-Daten rauszugeben. Lässt sich natürlich auch selbst machen, das mit dem Screenshot&Löschen. Jedenfalls sind die Dinger dann WEG.
    Bin voll dafür, eine Art (Gruppen-)Blogübergreifendes Ding draus zu machen, wenn wirs organisiert kriegen sollten. So Unterstützung tut wirklich SO gut, und es ist echt erstaunlich, um wieviel weniger schlimm die Dinger oft sind, wenn’s nicht gegen eine_n selbst geht.
    Und, ja, es wär mal echt cool, wenn die Blog-Plattformen für sowas die Möglichkeit von abgestuften Rechten einrichten könnten.
    Auf jeden Fall, tut mir unglaublich leid für den ganzen Scheiß. Sehr sehr toll, dass Du das zur Sprache bringst, Du bist echt nicht die Einzige.

  2. Esme 05.10.2012 um 8:30

    Wenn’s ans Organisatorische geht, könnten wir zumindest den öffentlichen Teil doch auch in ’nem takeover.beta-Thread regeln, oder? (Also logischerweise nicht Login-Daten austauschen.)

  3. Frank 05.10.2012 um 8:52

    He Puzzle,
    das ist vielleicht wirklich ne Möglichkeit dem ganzen etwas „das Brennen“ zu nehmen. Die Kommentare anderer sind zwar immer noch bekloppt aber irgendwie stelle ich mir das etwas distanzierter dann vor. In einem selbstinstallierten WordPress kann man auch Accounts für so Menschen erstellen, die dann nicht viel mehr können als Kommentare zu bearbeiten. Ich weiß nicht ob das hier auf wordpress.com auch geht. Meld dich falls du mal Hilfe beim moderieren brauchst.

    • Puzzle 06.10.2012 um 13:33

      Hallo Frank, danke für das Angebot.

      Bei WordPress.com geht das nicht, habe ich schon geprüft und deswegen im Support-Blog einen Antrag gestellt. Aber falls andere Leute selbstinstallierte WordPress-Blogs haben, hier fragen! :)

  4. Pingback: Links 30 « High on Clichés

  5. alsmenschverkleidet 05.10.2012 um 22:17

    Hej Puzzle,danke für das!Du bist nicht alllein!!!Ich blogge gerade 3 Monate und hatte schon einigen Kommentarterror,uurggs…Ich hatte von Anfang an alles nur über Moderieren und freischalten laufen und…boah,wie das nervt,ich will das auch nicht mehr lesen müssen!!!Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken darüber gemacht wie ich mit sowas konstruktiv umgehen kann und deine Idee vom Miteinander-Füreinander-Drüberschauen gefällt mir verdammt gut,Spitzentiming!Ich glaube,ich fände es trotzdem heftig so ’ne Kackscheiße zu lesen,auch wenn sie nicht an mich gerichtet ist,aber es wär’defintiv schonmal einfacher…und vielleicht macht es am Ende sogar Spass die Löschtaste zu drücken für jemand anderen…so space invaders-mäßig arschige doofe Kommentare verschwinden lassen,hehe…liebe Grüße!

  6. Bine 06.10.2012 um 0:43

    Grossartige Idee Puzzle. Das koennte nicht nur fuer „bestandsblogger“ sehr hilfreich sein, sondern auch fuer Menschen, die sich bisher aus Angst vor eben jenen Kommentaren gar nicht erst trauen, ueberhaupt mit dem bloggen anzufangen. Eventuell koennte man das technisch ueber ein WP Plugin realisieren? Liest hier vielleicht zufaellig jemand mit, der sich mit WP Entwicklung auskennt?

  7. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Sherlock Holmes, Aufklärung, FrauenSommerUni und mehr in: der Blogschau

  8. Lisa 06.10.2012 um 10:51

    Hallo zusammen!
    Bin grade über MM auf diesen Eintrag von dir gestoßen. Just in time, heute morgen kam nämlich der erste Hate-Kommentar auf mein gerade mal 4 Wochen altes Blogbaby gesegelt. Ich habe mir deshalb auch Gedanken darüber gemacht, wie man damit umgehen könnte. Prinzipiell finde ich ein Blog sollte Meinungsäußerungen und Kritik zulassen, aber beleidigende oder unsachliche Inhalte werde ich löschen. Es gibt aber auch diese Kommentare auf die man gerne ausführlich antworten würde, um die Argumente richtig auseinanderzunehmen, aber, wie du richtig sagst, fehlt einem da als Einzelblogger oft die Kraft dazu.
    Ich würde mich auch gerne in einem solche Netzwerk einbringen und überlege heute auch an einer Idee mit. :)

  9. Puzzle 06.10.2012 um 13:31

    Danke erstmal für eure Antworten! :) Ich habe oben noch mal einen längeren Nachtrag eingefügt.

  10. Maya 06.10.2012 um 17:31

    Hallo Puzzle,

    ich finde die Idee des Team-Works super und kann es absolut verstehen, dass einem diese Scheiß-Kommentare die Lust am Bloggen nehmen.

    Technisch ließe sich so eine Kollaboration unter Blogerinnen über ein Plugin lösen. Das lässt sich programmieren (könnte mir das auch vorstellen, das zu tun). Nur gibt es eben das Problem, dass auf den nicht selbst gehosteten Blogs kein ausführender Code integriert werden kann.

    Ich mache mir aber mal Gedanken darüber, wie man das gfs. als Bookmarklet (Skript/Programm, das in den Browser integriert werden kann und bestimmte Funktionen erfüllen kann) oder dgl. lösen kann. Da wäre sicher etwas machbar.

    Ich werde dein Thema und meine Überlegungen, etwas zu programmieren auch ins Femgeeks-Team bringen. Da wir zur Zeit aber so etwas wie Herbstferien machen (bis zum 15.10.) und auf Sparflamme verfügbar, kann es etwas mit Rückmeldung dauern.

    Alles Liebe und danke, dass du dieses wichtige Thema publik machst und noch einmal darauf hinweist, das kann man garnicht oft genug tun.

    Alles Liebe!

  11. lillli 07.10.2012 um 16:52

    Hallo Puzzle,
    ich finde Deine Idee der Vernetzung auch sehr gut. Ich hoffe, das führt zu Erfolg, weil ja wirklich viele davon betroffen sind. Mir war das Moderieren von Kommentaren auch irgendwann zu nervig und ich habe gemerkt, dass ich einfach nicht mehr unbeschwert bloggen kann, wenn die Möglichkeit besteht, dass jeder Idiot seinen Senf zu meinen Blogeinträgen gibt. Deshalb habe ich meine Kommentare komplett abgeschaltet, habe mir jedoch eine Facebook-Seite für meinen Blog gemacht, auf der nur LeserInnen kommentieren können. Jetzt ist es wieder schön ruhig und ich freue mich ab und an über ein „like“ und das reicht mir persönlich auch…
    Aber das ist sicher eine Lösung, die nicht zu jeder/m passt und ich hatte auch Glück, dass bestimmte Personen, auf Facebook meiner Seite fern blieben-warum auch immer …

Ich freue mich immer über Kommentare! Ich werde sie innerhalb von 24 Stunden freischalten – wenn nicht, wird das seine Gründe haben.

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