Zum Thema »Triggerwarnungen«

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Ende Mai las ich einen Artikel über sogenannte Triggerwarnungen, von dem ich durch den einleitenden Satz »wer sie inflationär benutzt, verwässert die Idee« dachte, er würde in etwa auf das eingehen, was mir auch seit einiger Zeit durch den Kopf geht. Bereits nach drei Absätzen driftete er allerdings in eine Richtung ab, mit der ich persönlich nichts anfangen kann und die mich auch ziemlich geärgert hat.

Noch mehr ärgert es mich allerdings, dass dieser Artikel sowie eine »kritische Betrachtung der Triggerwarnungen« im deutschen Wikipedia-(Mini-)Eintrag als einzige weiterführende Weblinks angeführt werden, denn damit stehen dort nur zwei negative Referenzen zu einer sinnvollen Sache.

Bevor ich jedoch weiter schreibe, auch von meiner Seite ein paar Erläuterungen:

Ich bin 100% für Triggerwarnungen! Ach was, 110%! Im Folgenden will ich meinen Beitrag zur »Debatte« um die Triggerwarnungen leisten, welche ich nur am Rande mitbekommen habe, bis ich das heute mal gegoogelt habe. Erschreckend! Daher mein Senf dazu, warum ich (Trigger-)Warnungen wichtig finde, mit Erklärungen, was sich hinter Triggerwarnungen eigentlich verbirgt, weil das oft ausgelassen wird.

Ich werde hier Wörter, die eventuell triggern könnten, im Schriftbild verändern – ich kenne aber nicht alle problematischen Wörter und kann nicht für hundertprozentige Sicherheit garantieren! Außerdem werde ich diesen Eintrag gliedern, falls eine*r nur Teile davon lesen will.

Ich möchte unter 1) anhand von harmlosen und vermutlich bekannten Beispielen verdeutlichen, wie es sich anfühlen kann, wenn eine Erinnerung unerwartet ausgelöst (engl.: triggered) wird, um danach kurz auf den Begriff »Trigger« einzugehen, wie er in Bezug auf Triggerwarnungen – zumindest ursprünglich – gedacht ist.

Unter 2) will ich auf die Aussagen des bei Wikipedia verlinkten Artikels »Trigger Warnings and Splats« eingehen, weil ich es nicht verstehen kann, wieso ausgerechnet sowas dort verlinkt sein muss. (Ich selbst habe es vor zwei Jahren aufgegeben, bei Wikipedia zu editieren, da ich dort nur schlechte Erfahrungen gemacht habe.)

Danach möchte ich unter 3) mein oben angesprochenes Problem mit dem Begriff »Triggerwarnung« kurz darlegen (welches sich auch auf Punkt 1 beziehen wird) – oder vielleicht ist es auch gar kein Problem in dem Sinne? Offen für Diskussion und Lösungsansätze! :)

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1) Vermutlich kennen wir das fast alle: wir hören plötzlich ein Lied im Radio, und bäm! – wir erinnern uns an eine ganz bestimmte Situation / einen Menschen aus der Vergangenheit. Oder wir schnappen einen Duft auf und bäm! – assoziieren damit eine Erinnerung oder ein Gefühl, das wir mit genau diesem Duft in Verbindung bringen. Ungewollt, ungeplant, unerwartet…

Egal, ob diese Erinnerung positiv oder negativ ist, sie kann uns für einige Sekunden, Minuten oder gar länger beeinflussen. Uns grinsen lassen. Uns wütend werden lassen. Uns traurig, nostalgisch, melancholisch werden lassen. Und wir konnten sie nicht vorab verhindern, denn wir haben das Radio nicht selbst eingeschaltet und können die Windrichtung nicht beeinflussen.

Manchmal lösen das Lied oder der Duft eine ganz genaue Erinnerung aus – das Lied, das der gehasste Onkel immer beim Karaoke gesungen hat oder der Stallgeruch, der an die schönen Ferien auf dem Bauernhof erinnert. Manchmal sind es eher nur Gefühle, die sich gar nicht genau verorten oder auf einen bestimmten Zeitpunkt festlegen lassen wie z. B. die Seife, die so riecht wie die von Oma, bei der zu Hause wir uns nie so ganz wohl gefühlt haben.

Das sind alles relativ harmlose Beispiele, die sicherlich die meisten von uns schon einmal in einer ähnlichen Form erlebt haben.

So ähnlich, jedoch viel viel stärker, funktioniert auch ein sogenannter »Trigger« – ein Begriff, der in der Verhaltensforschung in Bezug auf traumatische Erinnerungen verwendet wird:

Unter Trigger versteht man Sinneseindrücke, die Erinnerungen an alte Erfahrungen in einer Art wecken, als ob sie noch einmal aufs Neue gemacht würden. Diese Erinnerung erfolgt meist plötzlich und mit großer Wucht. Die damaligen Gefühle werden unmittelbar erlebt (Flashback). Die reale aktuelle Situation kann dann vom Betroffenen oft nicht mehr wahrgenommen werden. Er reagiert oft so, als würde er sich in der alten, erinnerten Situation befinden.

Als Trigger können auch ganz schwache Signale wirken, beispielsweise ein Jahrestag, ein Geruch, eine Geste, ein Geräusch. Sie stehen meist im Zusammenhang mit schweren seelischen oder körperlichen Verletzungen (posttraumatische Belastungsstörung).

Zitat aus Wikipedia (aus Ermangelung einer besseren Online-Quelle)

Wenn ich das Wort »Trigger« verwende, meine ich genau das: einen Auslöser für extrem belastende Erinnerungen wie z. B. M+ssbr++ch/V+rg+w+lt+g+ng, S++z+d, M+bb+ng etc.; dazu werde ich auch unter Punkt 3 noch mal kommen.

Um solche traumatischen Erinnerungen zu verhindern, sind Triggerwarnungen eingeführt worden, die (gefühlt) vor allem seit letztem Jahr stetig zunehmen; sie werden in der Regel an den Anfang eines Beitrags gesetzt, um auf triggernde Inhalte hinzuweisen. Und das gefällt nicht allen.

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2) Obwohl es gar nicht so viele Plattformen gibt, die Triggerwarnungen benutzen, gibt es vehemente Aussprüche gegen sie, vor allem von anti-feministischer Seite, wie ich das Gefühl habe. Dabei sind solche Warnungen gerade auf feministischen Plattformen wichtig, da dort viele sensible Themen, sexuelle Erfahrungen, Gewalt gegen Frauen* etc. thematisiert werden, die selten leicht verdaulich sind. Trotzdem wird Menschen, die um Triggerwarnungen bitten, Schwäche vorgeworfen und dass sie »sich doch bitte nicht so anstellen sollten«. :(

Im bei Wikipedia angeführten Text »Trigger Warnings and Splats« (dt.: »Triggerwarnungen und Spritzer« [Spritzer = Unkenntlichmachungen von triggernden Wörtern, indem die Vokale durch Sonderzeichen wie z. B. * oder + ersetzt werden]) werden verschiedene Probleme angesprochen, die der*die Autor*in mit diesen Vorgehensweisen hat. Ich werde sie hier zusammengefasst wiedergeben und gleich dazuschreiben, warum ich das anders sehe:

Problem 1: Spritzer machen Wörter unlesbar und machen die Gesamtaussage kaum bis nicht verständlich.

Es mag vielleicht für einige ein wenig länger dauern, bis sie das Wort erkennen, aber ganz sicher geht dadurch kein Kontext verloren. (Ähnlich und passend dazu übrigens dieser Tweet von mir.)

Problem 2: Spoiler- und Triggerwarnungen halten Menschen eh nicht davon ab, die dazugehörigen Texte zu lesen, denn die meisten ignorieren sie sowieso.

Dort steht quasi »Wir (die Autor*innen) tun dies zumindest und deshalb gilt das auch gleich für den Rest der Menschheit!«, was erstens sowieso schon lächerlich ist, und zweitens wissen diese Personen offenbar nicht, wie es ist, getriggert zu werden – sie brauchen diese Warnungen offenbar nicht und ignorieren sie deshalb. Schön, dass sie das können, aber Triggerwarnungen deshalb gleich für unnötig erklären?! (Spoiler, also eigentlich das Verraten von essentiellen Buch- oder Filmszenen u. ä., werden hier außerdem mit Triggern gleichgestellt.)

(Der Freitag-Artikel geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet, dass Menschen einen Artikel erst recht lesen, wenn er mit einer Triggerwarnung versehen ist – Effekthascherei und so, ihr versteht? Vorsicht, Ironie: Dasselbe Phänomen ist ja auch zu beobachten bei Menschen, die vor allem dann aus dem Fenster im 7. Stock springen, wenn sie vorher davor gewarnt wurden, wie gefährlich das ist.)

Problem 3: Spritzer, Spoiler- und Triggerwarnungen sind nicht das echte Leben; im echten Leben reden wir auch einfach so drauf los und warnen nicht vor problematischem Inhalt – wieso also sollten wir uns im Internet, das wir so lieben, selbst zensieren?

Diese Begründung ist ebenso absurd wie die beiden vorherigen, inklusive einer gewaltigen Portion »Mimimi, wir können in diesen 0,005% des Internets, in dem Triggerwarnungen vorgeschrieben sind, gar nicht so rumkrakeelen wie überall sonst«. Zumindest liest es sich so. Denn mal ehrlich, Triggerwarnungen sind kein Alltag im Internet, sondern tauchen nur in einigen Selbsthilfeforen, auf einigen (meist feministischen) Plattformen und in ähnlicher Form noch auf Fanfic-Plattformen auf. Der Rest des Internets macht sich leider keine große Platte darum, wie Texte auf Menschen mit traumatischen Erfahrungen wirken könnten.

(Wo ich gerade die Fanfic-Plattformen erwähnte: Bei Fanfiction [= Geschichten, die auf Büchern,  Filme, Serien etc. basieren und von deren Fans geschrieben werden] kenne ich solche Spoiler- bzw. Triggerwarnungen schon seit über zehn Jahren; es ist einfach Usus, Labels anzubringen, die vorab auf graphisch dargestellten Sex, V+rg+w+lt+g+ng+n oder den Tod eines Charakters hinweisen.)

3) Bezugnehmend auf die unter Punkt 1 angeführte Erklärung des Begriffs »Trigger« [= Auslöser für extrem belastende / traumatische Erinnerungen] finde ich es tatsächlich vielleicht schwierig, wenn der Begriff »inflationär« benutzt wird. Wobei das vielleicht gar nicht der richtige Begriff ist… ich bin hier auch etwas zwiegespalten und versuche mal, meine nicht ganz ausgereiften Gedanken darzulegen und zur Diskussion zu stellen. Nachtrag: Ich will nicht diskutieren, OB (Trigger-)Warnungen was Gutes sind, sondern wie mensch sie wo sinnvoll(er) anwenden kann!

Wenn ich den Begriff »Triggerwarnung« nach seiner ursprünglichen Benutzung auslegen will, finde ich bestimmte Warnungen – z. B. die vor Erbrochenem oder Käfern – unter diesem Label nicht eindeutig bzw. »richtig« plaziert, die sie in der Regel eher Phobien darstellen. Andererseits verschwimmen Phobien und Traumata auch oft oder beeinflussen sich gegenseitig, denke ich. Schwieriger wird es schon, wenn mit einer Triggerwarnung vor Liebe, Schokolade oder nassen Socken gewarnt wird – aber lieber eine lächerliche Warnung zu viel als eine zu wenig? Oder vielleicht sind das wirklich Trigger bei einigen Menschen? Will ich mir anmaßen, sowas zu bestimmen? Eigentlich nicht.

Vielleicht ist es aber auch gar nicht so wichtig, auf das Wort »Triggerwarnung« selbst zu pochen? Was ich wichtig finde, ist, dass es Warnungen vor problematischem Inhalt gibt, egal wie genannt. Ich selbst z. B. habe keine traumatischen Gewalterfahrungen erlebt und bin trotzdem stunden- bis tagelang zu nichts zu gebrauchen, wenn ich so etwas im Detail lese, höre oder sehe. Ich würde es also begrüßen, nicht unerwartet mit so etwas konfrontiert zu werden, wie z. B. in Zeitungsartikeln, die über den Ausgang eines Strafprozesses X berichten und mittendrin noch einmal einen Tathergang haarklein schildern. OHNE Warnung!

Als bisher bestes Beispiel für – ich nenne es mal so – »erweiterte Triggerwarnungen« fallen mir die Schlagwörter bei High on Clichés ein, die ganz kurz auf das Wichtigste in einem Beitrag hinweisen und dabei auch Warnungen enthalten. Aber auch ein »Achtung, es folgt graphische Darstellung von X oder Verherrlichung von Y« vor einem Text / Link sind gut (vor allem, wenn danach etwas Abstand zu den betreffenden Textstellen gelassen wird oder diese erst manuell sichtbar gemacht werden müssen). Egal, ob mit oder ohne dem Wort »Triggerwarnung« (oft auch »TW« abgekürzt, obwohl damit einige vielleicht gar nichts anfangen können). Auch gibt es den Webdienst triggy, der vor Links mit triggernden Inhalten eine Warnung setzt – in seiner jetzigen Form ist das Projekt aber leider kaum ausgereift, da mensch dort die Art des Triggers nicht angeben kann.

Eine englischsprachige Auflistung von Triggerwarnungen gibt es beim Tumblr-Blog »Fuck Yeah, Trigger Warnings«, wo auch zwei Apps zum automatischen Vermeiden einiger Trigger vorgestellt werden (die leider nur für Tumblr funktionieren).

Wie gesagt, das alles stelle ich mal zur Diskussion. Wie seht ihr das?

Übrigens: Weniger hilfreich fand ich z. B. die Triggerwarnung bei den kürzlich in Berlin aufgeführten »Vagina-Monologe«, die ganz am Anfang ausgesprochen wurde, sich aber auf einen Monolog mitten im Stück bezog, ohne, dass gesagt wurde, auf welchen – das war leider nicht hilfreich! Die Monologe waren zwar einzeln im Programm aufgeführt, aber da dort auch nicht stand, welche die problematische Szene (graphische Schilderung einer V+rg+w+lt+g+ng im Krieg) ist und es sowieso keine Pause davor oder danach gab, wäre die einzige Möglichkeit gewesen, das Stück gleich zu Beginn zu verlassen. Das hätte besser gelöst werden können.

Nachtrag: In den Kommentaren kommen triggernde Begriffe oder Themen vor! Ich werde etwas weniger streng moderieren als sonst, da ich mir sonst jegliche Diskussionsgrundlage nehme. Sich wiederholende Fragen werden aber nicht freigeschaltet, wenn ich sie schon beantwortet habe. Ebenso unveröffentlicht bleiben Beiträge, die Grundsetzlichkeiten in Frage stellen oder sich im Ton vergreifen.

64 Antworten zu “Zum Thema »Triggerwarnungen«

  1. susanna14 11.06.2012 um 0:21

    Ich bin wirklich für Warnungen vor Darstellungen von Gewalt. Nicht nur für Menschen die traumatisiert sind, sondern für alle Menschen, denn viele von uns werden von solchen Darstellungen mitgenommen. (Und oft enthalten solche Darstellungen keine echte Information.)

    Womit ich ein Problem habe: Wenn jemand eine Meinung, die er oder sie nicht teilt, als triggernd bezeichnet. Kuriosestes Beispiel: Gib mal bei Twitter bei der Suchfunktion „#Triggerwarnung“ ein: Dort findest du eine Warnung vor einem Artikel, der sich kritisch gegen die Piraten wendet. Solch einen Artikel mit einer Triggerwarnung zu versehen ist m.E. eine Verhöhnung der tatsächlichen Opfer. Insofern finde ich die Warnung vor einem inflationären Gebrauch von Triggerwarnungen berechtigt.

    • Puzzle 11.06.2012 um 8:29

      Ja, das ist in der Tat schlimm!

      Ich meinte den Satz „lieber eine lächerliche Warnung zu viel als eine zu wenig“ auch so, dass ich öfters schon gehört habe, mensch könnte TWs ja gleich ganz weglassen, wenn sie eh inzwischen auch als Verarsche genutzt werden.

      Und genau DAS will ich ja nicht! Lieber ärgere ich mich über die Dreistheit einiger, die TWs völlig unpassend verwenden, habe aber trotzden noch da Warnungen, wo sie tatsächlich nötig sind.

      (Ich weiß aber nicht, wie Menschen das sehen, die unter Traumata leiden.)

      • susanna14 11.06.2012 um 21:03

        Ich glaube, das ist ein Problem der gegenwärtigen Debatte: So weit ich sehe, wird sie in erster Linie von Nicht-Betroffenen geführt, und auch von Nicht-Fachleuten.

      • susanna14 11.06.2012 um 21:26

        P.S. Habe jetzt weiter unten gesehen, dass doch Betroffene mit eingestiegen sind.

      • tom 12.06.2012 um 20:48

        Die unpassende Verwendung von „Triggerwarnung“ im nicht-feministischen Umfeld kommt mMn eher durch Unwissen, als durch Bösartigkeit.
        Bis zum Lesen dieses Artikels wusste ich auch nicht, wofür TWs ursprünglich eigentlich gedacht sind und habe aus dem Kontext geschlossen, dass es einfach eine Warnung vor emotional aufwühlenden Inhalt ist (und damit auch bei politischem Inhalt passend).
        Evtl. wäre es sinnvoll an jede TW eine Erklärung des Hintergrunds, oder zumindest einen Verweis darauf, anzubringen.

  2. queergedacht 11.06.2012 um 0:25

    Triggerwarnungen sind sinnvoll, gar keine Frage. Aber macht es wirklich einen Unterschied, wenn man in einem für manche Menschen triggernden Wort die Vokale durch andere Zeichen ersetzt? Man weiß doch trotzdem, welches Wort da steht. Ernsthafte Frage.

    • Puzzle 11.06.2012 um 8:32

      Da es an vielen Stellen steht, dass das helfen kann, sage ich einfach mal: ja. Die wenigsten lesen ja Wörter Buchstabe für Buchstabe, sondern erfassen das gesamte auf einen Blick – so dauert es den Bruchteil einer Sekunde länger, was vielleicht hilft.

      Mir tut es nicht weh, ein Wort zu zu schreiben, aber wenn es anderen hilft, warum nicht. (Ich kenne persönlich Menschen, die sich schon durch die Erwähnung eines Wortes unwohl fühlen.)

    • Frikasch 12.06.2012 um 9:12

      Nur eine kleine Anmerkung: Es kann tatsächlich helfen, geht mir zumindest so. In Puzzles Beitrag gibt es ein Wort, das mich oft triggert aber dank der Sonderzeichen ist es stark abgemildert.

  3. dieTilde 11.06.2012 um 0:25

    Liebe Puzzle, danke für deinen tollen Artikel. Mehr kann ich momentan nicht schreiben. Ich bitte um Entschuldigung.

    • Puzzle 13.06.2012 um 19:57

      Was ich ganz vergaß zu sagen – außer: danke! -: du muss dich dafür nicht entschuldigen. Wirklich. :)

  4. deef 11.06.2012 um 0:28

    Hallo Puzzle,

    eine Verständnisfrage. Du schreibst oben „M+ssbr++ch/V+rg+w+lt+g+ng, S++z+d, M+bb+ng“. Ich kann alle Begriffe lesen. Was bringt es dann, wenn Pluszeichen oder andere „Splats“ eingefügt werden?

    Zu Triggerwarnungen im Allgemeinen: Z.B. für Selbsthilfeforen halte ich sie für sinnvoll. Und auch jeder andere, der seine Leser vor unangenehmen Überraschungen schützen möchte, kann sich im eigenen Webangebot dafür entscheiden und das als „Hausrecht“ oder Regeln von Kommentierenden einfordern. Illegitim wäre aber, wenn Menschen auf einer fremden Webseite Triggerwarnungen von den Machern/innen verlangten. Gilt natürlich auch fürs Leben: Wenn ich zum Beispiel eine Lesung veranstalte, die „Sex, Drogen, Clubbing“ heißt, kann niemand ernsthaft eine Triggerwarnung von mir verlangen. Der Titel spricht und triggert für sich.

    Ist das bei den „Vagina Monologen“ nicht ähnlich? Von dem Stück ist bekannt, dass es Vergewaltigungen thematisiert. Gibt es tatsächlich Menschen, die sich das Stück anschauen möchten, ohne sich dem Thema auszusetzen und deshalb genau wissen wollen, an welchen Stellen und sie wie lange die Vorstellung verlassen sollten? Ernstgemeinte Frage.

    Viele Grüße

    Deef

    • Puzzle 11.06.2012 um 8:41

      Zu Splats, siehe zwei Kommentare über dir.

      Zu Triggerwarnungen im Allgemeinen: Ich will und werde nicht vorschreiben, dass irgendwo TWs verwendet werden (klappt eh nicht). Ich finde es gut und sinnvoll, aber im Endeffekt ist es immer die Rücksichtnahme des Machers eines Beitrags, egal welcher Art (oder der dorthin Verlinkenden). Sinnvoll ist es aber bei Dingen wie einer Blogschau, wo viele Artikel der letzten Woche verlinkt werden und vielleicht ein problematischer darunter ist – habe ich auch bei mehreren Blogs schon so gesehen, dass dann an entsprechender Stelle gewarnt wird.

      Zu den VM: Mir war von dem Stück nichts bekannt, zudem es ja nur eine Auswahl weniger Monologe war, die thematisch/chronologisch nicht zusammenhängen. Mich hat ja auch eher irritiert, dass es eine TW-Ansage gab, mit der mensch quasi nichts anfangen konnte; dann doch lieber vorher ins Programm schreiben, und zwar da, wo mensch sich anmeldet.

  5. _suseee_ 11.06.2012 um 0:47

    „Oder vielleicht sind das wirklich Trigger bei einigen Menschen?“

    nach dieser logik kann alles ein trigger sein und du darfst nichts mehr ohne triggerwarnung schreiben. aber ob jemand nun von nassen socken getriggert wird, kannst du nicht wissen. es ist auch nicht deine angelegenheit. das ist nämlich das problem bei der sache, dass man sich in vorauseilender und falsch verstandener fürsorge probleme andere leute aneignet und selbige damit entmündigt. diese leute sind nämlich primär für sich selbst verantwortlich und trigger zu vermeiden. was sie triggert können diese menschen nämlich am besten selbst beurteilen.
    dazu gehören u.u. auch medien, themen oder seiten im internet. wen was triggert ist nicht die verantwortung dieser medien. zumal hier der begriff trigger schon ins satirische ausgedehnt wurde und man damit den tatsächlich traumatisierten keinen gefallen tut, diese thematik mit nassen socken auf zynische art und weise ins lächerliche zu ziehen.

    • Puzzle 11.06.2012 um 8:49

      Deswegen meinte ich auch, eher eine Zusammenfassung / Schlagwörter zu nutzen. Bei welchen Themen mensch das tut, ist eh ihm*ihr selbst überlassen. Aber ich finde das nicht entmündigent, sondern hilfreich – woher soll eine*r wissen, dass der folgende Text triggern könnte, wenn ich nicht irgendwo erwähne, worum es geht?

      Medien nehmen es sich ja auch zur Verantwortung, Altersfreigaben für etwas auszusprechen, in den USA auch mit (wenn auch manchmal fragwürdiger) Begründung und dem Hinweis auf Gewalt oder Sex oder wasweißich. Es gibt sogar Sendungen mit Triggerwarnungen.

      Zuletzt: da ich eine Person kenne, die mit nassen Socken etwas sehr Furchtbares aus der Vergangenheit assoziiert, war dies nicht zynisch gemeint, sondern so, dass keine*r wirklich wissen kann, was als Auslöserreiz gilt. Daher spreche ich mich in dem Fall auch nicht für TWs aus, sondern für Schlagwörter u.ä. (die zu verwenden entscheidet ja trotzdem noch jede*r selbst).

    • zweisatz 11.06.2012 um 17:07

      Wie Puzzle frage ich mich, wie man Trigger vermeiden soll, von denen man nichts weiß. Das ist ein Henne-Ei-Problem: im Text finden sich Trigger. Um zu wissen, dass sie folgen werden, brauche ich eine Warnung. Trigger-Warnungen (oder Inhaltsangaben) sind dafür eine sehr gute Lösung.

      Und ich finde es ehrlich gesagt respektlos und alles andere als bevormundend, wenn man recht bekannte Trigger nicht ankündigt.

      Zur Entmündigung würde mich interessieren, ob du Menschen kennst, die sich durch für sie gedachte Trigger-Warnungen bevormundet fühlen. Ich habe es bis jetzt nur andersherum erlebt.

      Dass sie „selbst Schuld sind“, wenn sie … Medien im Allgemeinen konsumieren, finde ich sehr zynisch. Die Natur von Triggern ist ja eben, dass sie meist nicht vorhersehbar sind. Plötzlich sollen getriggerte Menschen dann Schuld sein, weil sie nur mit den gleichen nicht-übermenschlichen Fähigkeiten wie der Rest ausgestattet sind?

      • zweisatz 11.06.2012 um 18:33

        Sorry, der zweite Absatz macht natürlich keinen Sinn -.- Es ist respektlos und bevormundend, Trigger nicht anzukündigen.

  6. let 11.06.2012 um 0:50

    Ich kommentiere mal kurz, wenn auch zu späten Stunde. Ist wohl gedanklich noch nicht so ausgereift aber ich finde es durchaus relevant. ;-)
    Prinzipiell finde ich die Triggerwarnungen eine gute Sache, wobei es einige Punkte gibt die ich bezüglich ihrer Anwendung kritisch sehe.

    Einerseits sollte man sich wohl klar sein, dass es viele Dinge (Gerüche, Worte, Wortkombinationen, …) gibt die hochgradig individuell triggern und vor denen man sich nicht wirklich schützen kann. Triggerwarnungen sollten also meiner Meinung nach hauptsächlich bei Schilderungen verschiedener Arten von Gewalt eingesetzt werden. Wichtig ist dann einerseits, dass spezifiziert wird welcher Art von Trigger / Gewalt gemeint ist. Ansonsten könnte es zur Situation kommen dass Leute mit einer speziellen Art von Gewalterfahrung von vielen Diskussionen ausgegrenz werden weil sie nicht auswählen können welche Art von Triggern sie vermeiden wollen. Möglicherweise ist es auch sinnvoll eine nicht- oder weniger-triggernde Zusammenfassung zu schreiben. Wäre doch irgendwie scheiße wenn gerade die Leute die besonders betroffen sind nicht mitdiskutieren können weil eine wichtige Information im triggernd gekennzeichneten Teil eines Textes verborgen ist…

    Weiterhin soll der Trigger vom Schreiber / der Schreiberin nicht als Freifahrschein verstanden werden lauter eckliges Zeugs abzuladen. Es sollte immer noch gut überlegt sein ob die Schilderung von Gewalt überhaupt nötig / für die Diskussion relevant ist.

    (Das mit den „Spritzern“ ist mir neu. Ich kann irgendwie nicht glauben, dass das funktioniert / hilft. Bei mir lenkt es die Aufmerksamkeit irgendwie besonders auf die entsprechenden Worte.

    Die Behauptung, dass sie das Lesen und Verstehen nicht wirklich erschweren mag stimmen… für körperlich und geistig gesunde Menschen. Es kann aber z.B. gegenüber Sehbehinderten, die sich einen Text vom PC vorlesen müssen, durchaus diskriminierend sein. Wenn man bestimmte Worte nicht ausschreiben möchte könnte man sie vielleicht auch einfach abkürzen. )

    • Puzzle 11.06.2012 um 8:51

      Zum letzten Punkt: Ja, das ist tatsächlich ein Problem, bei dem mir spontan auch keine Lösung einfällt. Abkürzungen können ja tatsächlich dazu führen, dass das Thema nicht verstanden wird? Ich weiß es gerade nicht. :/

  7. Alexander Erben 11.06.2012 um 2:34

    Im von dir angesprochenen Text von Katrin Rönicke geht es meiner Wahrnehmung nach vor allem um die Frage zwischen Moral und Politik – ob die vernetzte Öffentlichkeit zu einem ’safe space‘ (wie eben in einem Selbsthilfeforum) gemacht werden kann, gespickt mit Triggerwarnungen aller Art, also ohne *irgendeinen* speziellen Fokus. Ich stelle mir das schwierig vor, denn Angst auslösende Situationsbilder können vielerlei Gestalt annehmen (auch, wie du selbst weißt und schreibst, bei nicht-traumatisierten Menschen), und in dieser unspezifischen Form würde das Triggerwarnen zu wenig mehr als einem rituellen Werturteil werden, dahingehend stimme ich der Kadda zu und bei Susannas Beispiel krieg ich entsprechend umso mehr Magengrummeln.

    Hingegen die von dir genannte ‚erweiterte Triggerwarnung‘, also eine Kennzeichnung der zu erwartenden Inhalte und ggf. Warnung bei Texten aller Art (inkl. Videos) ist für mich gut denkbar. Auf den meisten Blogs die ich lese geschieht das ja auch bereits, kommerzielle Unterhaltungsmedien haben inhaltsbezogene Altersempfehlungen (und Epilepsiewarnungen)…

    Kurz: Tagging finde ich immer gut, eben weil es dem Einzelnen hilft, bestimmte Inhalte schnell zu finden – oder zu filtern. Was die Zeitungen oder das Fernsehen angeht – meine Hoffnung ist noch immer, dass diese Kanäle zugunsten von netzbasiertem ‚on demand‘-Content immer weiter zurücktreten. Aber alles, was online stattfindet, lässt sich auswerten und markieren, da müssten die Benutzer dann nicht mal die Hersteller der Inhalte selbst in die Pflicht nehmen sondern können es wiederum in ihrer Gruppe oder mittels ihrer gewählten Plattform angehen – beispielsweise kann ich mir gut vorstellen, dass dann z.B. die jeweilige Selbsthilfegruppe ihre eigenen, ganz speziellen Tags setzt und untereinander teilt, ohne dass ‚die Öffentlichkeit‘ das überhaupt sieht (wollen ja vllt. auch nicht alle damit hausieren gehen, dass sie von etwas bestimmtem getriggert werden können) – und da würde sich dann vielleicht der Widerspruch zwischen ’safe space‘ und Öffentlichkeit ein Stück weit auflösen.

    Oder es ist alles nur momentaner technophiler Traum von mir. :) Aber ich halte es für möglich und wünschenswert, auf diese Weise mehrere ‚interessenbasierte Wahrnehmungsebenen‘ zu ermöglichen, welche die selben Inhalte erfassen und unterschiedlich markieren, ohne dass sich da was ins Gehege kommt.

  8. pandialo 11.06.2012 um 8:54

    Dankeschön für deine Ausführungen. Ich habe die Debatte nur am Rande mitbekommen, dein Post gibt aber glücklicherweise einen guten Einblick.
    Mich haben Triggerwarnungen, die ich bis vor einem halben Jahr noch gar nicht kannte, überhaupt erst auf die Idee gebracht, dass es Inhalte gibt, mit denen ich im Internet nur sehr ungern konfrontiert werden möchte. Meine Erfahrungen beziehen sich da auf Willkür und Gewalt durch Polizist_innen. Leider werden TWs in den wenigsten Repressionsberichten ausgesprochen. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Praxis aus Netzfeministischen Kreisen auch noch auf den Rest der Blogosphäre ausbreitet. Schließlich geht es um nichts weiter, als um Rücksichtnahme. Was sollte daran falsch sein?

    • _suseee_ 11.06.2012 um 20:00

      „Schließlich geht es um nichts weiter, als um Rücksichtnahme. Was sollte daran falsch sein?“

      Rücksichtnahme an der falschen Stelle kann durchaus falsch sein. Ich schrieb es oben bereits: Falsche Rücksicht kann entmündigen und sie unterstellt eine Labilität, die vielleicht gar nicht da ist. Stell dir mal vor, jemand würde allein aus Rücksicht auf dich nicht zulassen, das du Gegenstände trägst, egal wie leicht sie ein mögen, oder jemand schneidet dir das Essen in kleine Häppchen, damit du nicht mit dem Messer hantieren musst. Das würde dich entmündigen und herabsetzen, weil dieses Handeln unterstellt, dass du im Leben nicht klarkommst. Wie bei allen Dingen ist auch Rücksicht eine Frage des rechten Maßes. Bei Triggerwarnungen für nasse Socken o.ä. ist das Maß überschritten. Jeder Mensch muss in einem gewissen Rahmen mit negativen Gefühlen umgehen. Das kann auch keine noch so gut gemeinte Triggerwarnung verhindern. Sie macht allerdings dem Warner ein gutes Gewissen und wird deshalb so gern benutzt.

      • Puzzle 12.06.2012 um 9:02

        Ich stimme dem ganz und gar nicht zu, denn eine Triggerwarnung ist keine Entmündigung, da der*die Leser*in SELBST entscheiden kann, ob er*sie bestimmte Dinge erfahren (lesen, sehen, hören etc.) möchte oder nicht.

        Eine solche Warnung ermöglicht die Chance, zu etwas NEIN zu sagen, was Mensch an anderer Stelle (nämlich der, die das Trauma u.ä. ausgelöst hatte) nicht konnte. Oder vorab zu gucken, ob der heutige Tag vielleicht nicht so gut gelaufen ist und bestimmte Themen dann lieber erst morgen mit „klarerem“ Kopf gelesen werden. Aber es nimmt niemals die Möglichkeit, es zu lesen (DAS wäre entmündigend).

  9. Janina 11.06.2012 um 11:16

    Zum hier viel hinterfragten Leseverständnis würde ich gerne mal eine wissenschaftliche Studie sehen. Ich möchte selbstverständlich den Menschen, die sagen, die Ersetzung von Vokalen helfe ihnen, nicht die Glaubwürdigkeit absprechen — nur sie allein können das im Einzelfall beurteilen. Aber für mich (als nicht übermäßig traumatisierten Mensch) sind Wörter, die ungewöhnlich aussehen, ein Blickfang, meine Augen finden sie in einem Text sofort und mein Gehirn fühlt sich veranlasst, sich extra ausgiebig mit ihnen zu beschäftigen. Und das meine ich nicht im Sinne des von dir genannten Freitag-Artikels (negative Suggestion), sondern weil das Gehirn die Herausforderung annimmt, ähnlich wie man bei einem Handygespräch einer fremden Person im Bus mehr hinhört als wenn sich zwei Leute unterhalten, weil das Gehirn meint, es müsse die fehlenden Teile ersetzen. Das ist zumindest meine unprofessionelle Erklärung des Phänomens.

    In meiner Wunsch-Studie sollte auch untersucht werden, ob der eventuelle Schutzeffekt bei immer gleichem Verschlüsselungsmuster mit der Zeit abnimmt. Intuitiv würde ich sagen: ja. Denn wenn man ein bestimmtes Schriftbild immer in einem bestimmten Kontext sieht, müsste es doch irgendwann diese Bedeutung annehmen, ähnlich wie beim Erlernen eines fremdem Schriftsystems.
    Beweisen kann ich das natürlich nicht, aber ich wüsste wirklich gerne mehr darüber.

    • Puzzle 11.06.2012 um 17:19

      Keine Ahnung, ob es solche Studien gibt, aber grundsätzlich sind ja Studien – wenn sich denn mal einer findet, sie zu finanzieren, und je nachdem, wer – selten objektiv… insofern gebe ich da einfach mehr auf die Aussagen von Betroffenen. Nicht alles muss 100% bewiesen sein, bevor es angewendet werden kann.

      Ich lasse deinen Kommentar aber mal stehen, falls eine*r eine solche Studie kennen sollte.

      • Janina 11.06.2012 um 18:42

        Da bin ich ganz deiner Meinung! Anwenden kann man ein solches Prinzip jederzeit auch ohne Studie. Dass Betroffene sich das wünschen (wenn dem denn so ist), reicht als Anlass völlig aus.

        Was ich gerne erforscht sehen würde, ist ja aber weniger der traumapsychologische Aspekt, sondern vor allem der Aspekt der Lesekompetenz: Wieviel länger dauert es denn wirklich, so ein Wort zu erfassen? Ist es möglich, so verfremdete Wörter beim Lesen zu überspringen, ohne ihre Bedeutung (bewusst oder un(ter)bewusst) aufzunehmen? Funktioniert eine Verschlüsselungsmethode auch dann noch, wenn die lesende Person über lange Zeit immer wieder mit derselben Verschlüsselung konfrontiert wird, oder wird die Verschlüsselung dann zum Synonym für das ursprüngliche Wort?

        Die letzte Frage interessiert mich am meisten. Ich halte sie auch für relevant für das von dir diskutierte Problem, wenn wir erreichen wollen, dass unser Triggerschutz nachhaltig ist.

  10. dieKadda 11.06.2012 um 12:24

    Liebe Puzzle,

    ich schließe mich Susanna und Endolex an.

    Und ich möchte bekunden, dass du Teile meines Textes entweder nicht so verstanden hast, wie ich sie gemeint (und IMHO auch geschrieben) habe – oder leider absichtlich aus dem Zusammenhang gerissen, so dass leider: insgesamt der Eindruck entsteht ich sei *gegen Triggerwarnungen* allgemein. Obwohl ich ausdrücklich vorweg schicke, wie sinnvoll ich sie finde.

    Viele Grüße
    Kadda

    • Puzzle 11.06.2012 um 17:14

      Du hast gesagt, wo du sie sinnvoll findest, und dagegen hab ich auch nichts gesagt. Danach nennst du sie aber „Glaubenssachen“, „Selbstversicherungsrituale“ und machst eine Wir-gegen-andere-Dichotomie auf, die mir persönlich gegen den Strich geht.

      Das kannst du von mir aus alles tun, aber ich finde den Artikel nicht hilfreich, schon gar nicht als weiterführenden Wikipedia-Link (denn das ist nun mal für viele, die etwas nicht kennen, die erste Anlaufquelle).

      • dieKadda 12.06.2012 um 10:35

        „Danach nennst du sie aber “Glaubenssachen”, “Selbstversicherungsrituale” und machst eine Wir-gegen-andere-Dichotomie auf, die mir persönlich gegen den Strich geht.“

        gut, dann benenn es aber auch so. und sag auch dazu, dass ich damit die Triggerwarnungen im Politischen meine – nicht die von mir davor als absolut sinnvoll dargestellten. So, wie du es oben schreibst, wird ein völlig konträr zu meinem Text laufendes Bild erzeugt. Das wiederum gefällt mir nicht.

        »wer sie inflationär benutzt, verwässert die Idee«

        ist die zentrale Aussage meines Artikels. Der du zustimmst. Dass ich dann darin noch untersuche, oder zumindest Ansätze vorstelle, woher diese – ich sag mal – sinnentstellende Nutzung kommen könnte, finde ich einen seltsamen Vorwurf. Zudem gehst du auf die Argumente null ein. Das ist okay – man darf sich immer die Argumente aussuchen, die man beackern will. Wenn dann aber die zentrale Aussage des Artikels so zwischen anderen Thesen (von anderen) und eigenen Behauptungen einsortiert wird, dass sie total verzerrt wird… dann darf ich wohl darauf hinweisen.

        (btw ist es seltsam, mir quasi vorzuwerfen, dass der Artikel jetzt in der Wikipedia verlinkt wurde. ich war das nämlich nicht, das widerspräche nämlich den dortigen Gepflogenheiten).

        alles weitere hat Susanna in aller Ausführlichkeit in ihrem Blog ausgearbeitet, deswegen mache ich hier einen Punkt.

        • Puzzle 13.06.2012 um 10:04

          Ich hab deinen Artikel verlinkt, den können Menschen selber lesen. Ich schrieb bereits, dass mir die politische Richtung, in die er geht, nicht gefällt, aber darauf einzugehen hätte hier ein anderes Thema aufgemacht. Daher habe ich es gelassen.

          Das einzige Mal, als ich mich direkt auf ihn bezogen habe, nahm ich auch die Aussage von dort –

          dass [Triggerwarnungen] wohl kaum wirklich dazu dienen können, dass der Inhalt, über den die Warnung verhängt wird, nicht gelesen wird (im Gegenteil: der Effekt ist wohl eher der gleiche wie bei der Aufforderung: „Denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten!“)

          – ansonsten bin ich nur auf den anderen Artikel eingegangen.

          Zu Wikipedia: ich sagte nicht, dass du dafür was kannst, das hast du da reingelesen. Ich empfinde deinen Artikel aber in Bezug auf Triggerwarnungen (abgesehen von Selbsthilfeforen) eher kritisch und bezog mich allein darauf, dass zwei kritische Artikel verlinkt sind. Wenn du ihn nicht kritisch meintest, hab ich’s trotzdem so gelesen.

          Mehr sag ich dazu auch nicht mehr.

  11. Sasha 11.06.2012 um 12:31

    danke erstmal für den text und das viele gedanken machen und die ernsthafte diskussion hier – nicht selbstverständlich und sehr angenehm. ich hab hier zum ersten mal die „splats“-versionen gelesen und für mich (ganz persönlich) festgestellt, sie ändern nix. ich lese die betreffenden wörter genauso schnell und sie fahren genauso schnell in den magen wie ohne + etc. für mich hilfreich sind glaub ich eher zusammenfassungen/worum grob geht’s demnächst im text oder so, bei denen z.B. erwähnt wird, dass sexualisierte gewalt thematisiert wird. dann kann ich mich entscheiden, ob das grad geht oder nicht. wenn es grad nicht geht, würd ich (nach dem ausprobieren hier) auch keinen text mit gesplatteten (heißt das so?) wörtern lesen.
    soweit mein ganz persönliches empfinden dazu. was nicht heißt, dass es für andere menschen mit traumatisierungen nicht hilfreich sein könnte.
    viele grüße!
    sasha

  12. Ann {Bittersuesz} 11.06.2012 um 12:32

    Eine gute Auseinandersetzung mit dem Thema.
    Ich kann zwei Dinge anmerken:
    1. Triggerwarnungen halten mich inzwischen selten vom Lesen ab (wenn ich eine schlechte Phase habe aber schon – self care!), aber ich bin innerlich dann gewappnet. Sie verhindern also meist, dass ich überhaupt getriggert werde, so komisch das auch klingt. Deshalb will ich sie keinesfalls missen.
    2. Ich hatte eine Zeit, in der ich mir ernsthaft wünschte, Leute würden eine TW angeben, wenn irgendwo Spinnenbilder zu sehen waren… Arachnophobie ist jetzt eine sehr verbreitete Phobie & ebenso gibt es Themen, die quasi „Standardtrigger“ sind; es gibt aber auch seltenere Phobien & vor allem eine große Menge ganz individueller traumabezogener Trigger (vielleicht auch nasse Socken). Fakt ist: Wir können nicht alles vermeiden. & es geht auch nicht darum, Menschen in Watte zu packen, im Gegenteil, Triggerwarnungen sind einfach eine Sache der Vernunft & vor allem der Fairness, die es Leser_innen ermöglichen, eigenverantwortlich zu handeln & auf sich zu achten.

  13. K.J. 11.06.2012 um 13:13

    Ich bin betroffen von einem leicht anspringenden Hirn, was bestimmte Auslöser angeht.
    Gesplatterte Begriffe helfen mir beispielsweise. Da ich (halb unbewusst) zuerst einen Absatz überfliege, bevor ich ihn richtig lese, stolpere ich über gesplatterte Begriffe. Sind es die *falschen* und ich denke gerade daran, mich zu schützen, lese ich einfach nicht mehr weiter (wobei es durchaus Momente gibt, wo ich das einfach vergesse, und oft hinterher bereue).
    Es sind bei mir meist auch nicht Worte, sondern Inhalte, die mich (für den Internetteil des Problems) triggern. Im „echten“ Leben kommen Gerüche, Orte und auf mich bezogene Situationen dazu. Vor Inhalten kann ich manchmal auch stoppen, wenn ich schon weiß, was gleich kommt. Fenster schließen, Hirn schnell mit komplett anderen Dingen beschäftigen. Ich finde den Ansatz gut, schon vorher (etwa durch die Überschrift) zu wissen, worum es in Etwa geht. Das hilft mir in einem Selbsthilfeforum etwa viermal wöchentlich, und ich kann trotzdem einiges mitlesen, obwohl da fast alles für irgend wen triggernd ist, aber die Sachen auslassen, die mich auf Zeitreise schicken. Um das abzudecken gibt es dort eben genaue Regeln, welche Sachen betroffen sind.
    Was manchmal etwas doof ist: Wenn mich etwas wirklich triggert, fällt es mir wahnsinnig schwer, das auch zu sagen. Im richtigen Leben meist, weil ich gerade mit den Folgen beschäftigt bin, im Internet, weil ich die entsprechende Seite nicht mehr aufrufen kann/will. Wenn, dann schaffe ich es Tage später, da muss dann aber auch das Klima stimmen, damit ich mich überhaupt traue, mit meiner Labilität hausieren zu gehen.

  14. Robin Urban 11.06.2012 um 17:41

    Triggerwarnungen halte ich für sehr sinnvoll und Splats ebenfalls, auch wenn ich davon selbst nicht betroffen bin. Es haben mir schon so viele Betroffene versichert, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, ob man beispielsweise r*tzen oder ritzen schreibt, dass ich das einfach glauben muss, auch wenn es vielleicht schwer nachvollziehbar erscheint. Der Einwand hingegen, dadurch würde ein Text unlesbar, ist mMn lächerlich.

    Vor langer, langer Zeit musste ich als Moderatorin in einem Forum festlegen, vor welchen Inhalten eine Triggerwarnung gehört und vor welchen nicht. Es war eine der heftigsten Diskussionen, die dieses Forum jemals erlebt hat. Manche, die sehr gerne bl*tige Szenen zeigten, fühlten sich vom Hinweis, dass dies viele triggert, eindeutig angegriffen und konterten damit, dass ja auch niemand Rücksicht auf IHRE Gefühle nimmt, denn obwohl sich einsam fühlten und ungern daran erinnert würden, dass andere ihr Liebesglück gefunden haben, würde vor Texten mit solchen Inhalt ja auch keine Triggerwarnung gesetzt.

    Tja, wie damit umgehen? Ich entschied mich für folgende Vorgehensweise:
    Triggerwarnungen gehören vor Inhalte, die sogar von psychisch völlig gesunden Personen als verstörend, widerlich oder verletzend empfunden werden können und (und jetzt kommts:) DIE IM WAHREN LEBEN VERMEIDBAR SIND. Dazu gehören bl*tige Szenen z.B. in Filmen, die Darstellung von Gewalt, SVV oder Verg*w*lt*gung, Pornographie etc. pp. Denn, wenn man mit solchen Inhalten nicht klar kommt, dann kann man ihnen aus dem Weg gehen: Man sieht keine Auslandsnachrichten, man kuckt sich keine Horrorfilme oder Pornos an. Wer sein Fernsehen vor 22 Uhr abschaltet, muss damit nicht konfrontiert werden. Das meiste davon deckt sich mit dem FSK16.
    Wenn man sich dagegen von verliebten Pärchen, Liebe allgemein oder, um eines deiner Beispiele zu nennen, Schokolade getriggert fühlt… nun, das ist bedauerlich, aber damit muss der Betroffene wohl versuchen, klar zu kommen. So wie man keine knutschende Pärchen auf der Straße davon abhalten kann, ihre Liebe zu zeigen oder Lindt davon abbringen kann, ihre Schokolade im Kaufhaus anzubieten, so sinnlos ist es, diese ständig präsenten Inhalte ausgerechnet in einem Forum/Beitrag etc. mit einer Triggerwarnung zu versehen.

    Mit dieser Politik ließ sich immer gut fahren.

  15. erzaehlmirnix 11.06.2012 um 18:08

    Ich habe nicht komplett alle Kommentare unter dem Artikel durchgelesen, also sollte ich etwas wiederholen – sorry. Ich finde deinen Artikel wirklich gut und denke auch, dass diese Warnungen sinnvoll sind und wirklich Betroffene dann NICHT trotzdem reinklicken oder grade deshalb lesen. Das ist vielleicht schwer für nicht Betroffene nachzuempfinden, da man selbst ja durchaus oft grade dadurch angelockt wird.
    Mich würde weiterführend die Frage interessieren, inwieweit es sinnvoll ist einen Hinweis zu geben was genau triggernd sein könnte. Ich z.b. habe vor längerem im Bezug auf einen Blog über Fleischkonsum das Bild eines toten Schweins gebloggt und bin auf heftige Reaktionen gestoßen. Andererseits ist dies z.b., für sexuell traumatisierte nicht unbedingt triggernd, ebensowenig wie rasierklingen für einen kriegsveteranen triggernd sein müssen oder bilder übers erbrechen für gewaltopfer. andererseits ist ja die frage, ob man nicht, wenn man hinweist, für was genau eine triggerwarnung ausgesprochen wird, bereits getriggert hat.
    zudem finde ich es auch wichtig darauf hinzuweisen, dass vermeidung längerfristig nicht die beste strategie ist und wenn man vermeidungsverhalten bemerkt, therapeutische hilfe sinnvoll sein könnte. das werden die meisten zwar schon wissen aber wenn man ständig nur sehr rücksichtsvoll beim vermeiden hilft, unterstützt man ja dieses System.

  16. Janina 11.06.2012 um 20:15

    Noch eine kleine Anmerkung zu Triggy: Die Bertreiber_innen sind sich der Defizite des Dienstes bewusst, haben aber bislang keine gute Lösung gefunden, die Art des Triggers anzugeben, ohne dadurch selbst zum Trigger zu werden. Ist ja in der Tat nicht so einfach! Sie wollen aber daran arbeiten:

    Ich bin sicher, wenn jemand eine gute Idee hat, würde das dankbar aufgenommen werden.

    • let 12.06.2012 um 11:49

      Klingt für mich eher wie eine Ausrede. Die unspezifische Triggerwarnung entwertet das Konzept doch eher.

      (Wie ein diffuse Warnung „Vorsicht!“ an Maschinen oder im Straßenverkehr. Man denkt: „Ja was denn. Vielleicht wollen die mich vor Glätte warnen, es ist aber Sommer! wenns wirklich wichtig wäre würden die sagen wovor ich mich in acht nehmen muss.
      Ähnlich mache ich das auch bei unspezifischen Triggern, weil ich mich nicht von aufgrund einer traumatisierenden Erfahrung von der Mitsprache an anderen Themen abhalten lassen will…)

      Selbst wenn die Menschen hinter triggy annehmen, dass einfache Beschreibungen wie „Sexuelle Gewalt“, „Homophobe Beschimpfung“, „explizite Darstellung“ triggern könnten sie die zu Buchstaben- und Farbcodes verkürzen „SG“, „HB“, „eD“, …
      Das wäre dann allemal besser als unspezifische und für mich entmündigende diffuse Triggerwarnungen.

  17. Pingback: Triggerwarnungen und Politik | susanna14

  18. bloggi 12.06.2012 um 14:08

    ich habe mich heute erstmalig näher mit dieser thematik auseinander gesetzt, falls ich mit meinen zwei anmerkungen total daneben liege, weist mich drauf hin.

    1. „Triggerwarnungen gehören vor Inhalte, die sogar von psychisch völlig gesunden Personen als verstörend, widerlich oder verletzend empfunden werden können und (und jetzt kommts:) DIE IM WAHREN LEBEN VERMEIDBAR SIND.“
    mein erstes spontanes gefühl zu dieser aussage ist ablehnung.
    warum eigentlich? das wahre leben sieht für menschen unterschiedlich aus, manche meiden aufgrund ihrer erfahrungen auch im wahren leben inhalte. inwieweit das mit gesundheit zusammenhängt vermag ich nicht zu sagen.

    2. bilder: ich persönlich empfinde bilder oftmals als sehr belastend und werde sie auch sehr schlecht wieder los. wenn ich worte lese oder einen artikel überfliege, kann ich mir meist einen ersten eindruck verschaffen und mich dann entscheiden, ob ich ihn lesen mag. oftmals sind auch bereits zu beginn themen angegeben. bilder sind aber oft einfach da – ich würde mich gerade bei bildern daher auch über tagging freuen. das habe ich allerdings noch nicht allzu oft vorgefunden.

    • Robin Urban 12.06.2012 um 19:50

      Nein, das wahre Leben sieht eben NICHT für jeden anders aus. Natürlich ist es meine Entscheidung, ob ich in einen Schützenverein eintrete – das tun die wenigsten. Aber 99% aller Deutschen gehen in die gleichen Geschäfte einkaufen, haben das selbe Fernsehprogramm, sehen auf der Straße Leute, die ständig die selben Dinge tun.

      Inhalte, die die meisten Traumaopfer triggern, sind auch für den Normalbürger nicht so einfach einsehbar. Filme mit viel Bl*t und Splatter laufen auch nicht nachmittags, Berichte über S*izid oder Verg*w*lt*gung sind in den Medien entschärft und nicht explizit. Man muss mit sowas nicht konfrontiert werden, wenn man nicht will, man kann sich davor schützen. Bei Schokolade sieht das, wie schon gesagt, allerdings anders aus.

      • Puzzle 13.06.2012 um 9:44

        Dem würde ich nur bedingt zustimmen, denn was die Medien heutzutage bringen, ist leider alles andere als entschärft. Selbst die ach-so-seriöse Tagesschau hält inzwischen immer drauf, wenn es Gewaltauswirkungen zu sehen gibt oder beschreibt S++z+d sehr detailliert.

        Ebenso gibt es viele Filme, Serien oder Bücher, die solche Themen explizit ansprechen – gerade Gewalt ist in den letzten Jahren auch in 20:15-Filmen auf ein unglaublich hohes Level gestiegen (und kommt teilweise völlig unerwartet in einem Film vor). Sollen Traumopfer jetzt nix mehr gucken, nix mehr lesen? Das wäre ja absurd.

        • Deef 14.06.2012 um 8:57

          Man kann diskutieren, wie viel und welche Gewalt in den Medien gezeigt wird und ich stimme dir grundsätzlich zu: das Zeigen von blutigen Bildern in Nachrichten ist heikel. Ob und was gezeigt wird, muss verantwortungsvoll abgewogen sein. Der Schutz von Kindern und traumatisierten Menschen unter den Fernsehzuschauern ist ein wichtiger Aspekt. Aber ich möchte auch auf einen anderen Hinweisen.

          Krieg ist Gewalt, Schmerzen, Vergewaltigung, Leiden, Zerstörung, Vernichtung und Tod. Das sind aber alles nur Wörter. Die Stimmung gegen den Vietnamkrieg war in den USA genau so lange gut, bis blutige Bilder von verletzten und getöteten Zivilisten/innen via Fernsehen in die us-amerikanischen und auch deutsche Wohnzimmer flimmerten. Es gibt keinen sauberen Krieg, aber Menschen, die glauben, dass es das gibt. Bilder vom realen Krieg zu zeigen sind damit auch ein Mittel um Stimmung gegen Krieg und für Frieden zu machen.

          Ein aktuelles Beispiel und die Schwierigkeit dabei:
          Ein Künstler hat in München blutige Fotos von Kriegsopfern ausgestellt. Die Ausstellungsräume konnten von der Straße aus eingesehen werden. Die Anwohner protestierten, die Stadt verhängte ein Bußgeld, der Künstler klagte dagegen und gewann. Dass Deutschland in Afghanistan Krieg führt, scheint viele weniger zu stören, als dass man mit Bildern vom Krieg konfrontiert werden könnte. Das ist scheinheilig. Allerdings hat der Künstler sich auch einen denkbar ungünstigen Ort für seine Ausstellung ausgesucht: ein Wohngebiet mit Spielplatz in der Nähe. Das ist verantwortungslos. Wen der Fall interessiert, kann sich die Meldungen dazu ergoogeln, der Künstler heißt Wolfram Kastner. Triggerwarnung: in einigen Artikeln zum Thema sind Fotos von Kriegsopfern zu sehen.

      • bloggi 13.06.2012 um 12:53

        okay – ich merke gerade die begriffsdefinitionen stehen mir im weg.
        ich möchte diese wichtige debatte jetzt auch nicht in ein theoriegequake leiten, weil ich mich mit den begriffen nicht genügend auseinander gesetzt habe.
        daher nur kurz: traumatisierung wird im psychologischen sinne gebraucht und es ist nicht der alltäglich weit gefasste begriff gemeint. sorry für diese „begriffsstutzigkeit“.
        in diesem sinne: 100% zustimmung.

  19. jane 13.06.2012 um 8:04

    bitte bitte nehmt das wort auch ernst und schreibt es nicht ständig aufgrund von redewendungen unreflektiert in texte.
    „k*tzen“ ist für mich persönlich so auch leichter zu ertragen.

    • Puzzle 13.06.2012 um 9:37

      Ich bin jetzt nicht sicher, welches Wort du meinst. :/

      • jane 13.06.2012 um 12:02

        es geht um „erbrechen“. für mich ein sehr triggerndes wort.
        ich lese das aber leider sehr sehr oft, „ich kann gar nicht so viel (fr)essen wie ich k*tzen möchte“. „oder ich könnte k*otzen“

        • let 13.06.2012 um 13:24

          Das erinnert mich an etwas was mir in letzter Zeit auch immer wieder unschön auffällt. Die Verwendung körperlicher Gewalt als Metapher in Diskussionen: „Das ist ein Schlag ins Gesicht“, „die Keule herausholen“, „auf jemanden einschlagen“,…

          Solche Sprache (ähnlich wie militaristische Sprache) ist nicht nur unangebracht und Gewalt verharmlosend. Sie kann auch unschöne Erinnerungen bei Gewaltopfern auslösen.

          (Das ist aber meiner Meinung nach kein Fall für eine Triggerwarnung. Diese Sprachverwendung sollte einfach reflektiert und dann unterlassen werden. Eine Triggerwarnung ist dann angebracht wenn es unumgänglich ist reale Gewalt zu beschreiben.)

  20. Pingback: [TW] You can stop r*p*: Schritt 3 – V*r**wa***ge nicht « High on Clichés

  21. mm 15.06.2012 um 1:27

    ich hab mich sehr über deinen text gefreut! ich hab auch das gefühl, dass es triggerwarnungen noch nicht so lange gibt, und bin sehr angetan davon. ich hab dadurch einen deutlich größeren entscheidungsspielraum: ich kann mir überlegen, ob ich den text überhaupt lesen will, ob ich ihn jetzt lesen will oder zu einem zeitpunkt, an dem ich mich sicherer fühle. und ich weiss genauer, worauf ich mich einlasse, das triggert schon weniger, hm, klingt vielleicht ein bisschen seltsam, aber für mich ist es besser, zu wissen, worauf ich mich einlasse, bevor ich einen text lese. gegebenenfalls kann ich mir auch ein anderes umfeld (z.B. nich ein internetcafe sondern mein zimmer) suchen.
    die wörter mittels *** oder+++ zu verändern hilft mir nicht so, aber wenn das für andere gut ist, super, auf jeden fall eine interessante idee!
    ein problem besteht meiner meinung nach noch, ich glaube, das wurde in den kommentaren auch schon angesprochen: es gibt sehr individuelle trigger, bei denen das problem darin liegt, dass es als nicht davon betroffene person nicht möglich ist, den trigger zu sehen. mir fällt für dieses problem keine lösung ein, aber das ist denk‘ ich wichtig im hinterkopf zu behalten, dass menschen von sehr verschiedenen, für andere völlig harmolse dinge getriggert werden können, das ernst zu nehmen und die betroffenen zu unterstützen.
    ich fände ja triggerwarnungen für filme super, da hatte ich schon einige unschöne erlebnisse. es ist zwar aufgrund dieser FSKs teils möglich, abzuschätzen, ob da sexszenen drin vorkommen, allerdings hab ich nicht das gefühl, dass da zwischen der darstellung von sex und sexualisierter gewalt unterschieden wird, was für mich (und vermutlich für ne ganze menge anderer menschen) einen erheblichen unterschied ausmacht.

  22. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Triggerwarnungen, weiße Abwehrstrategien und “Frauenliteratur” – die Blogschau

  23. Mee 16.06.2012 um 15:57

    Hallo!
    Krass, ich hab mich bisher gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Ich bin auch schon auf Trigger-Warnungen gestoßen. Dann hab ich mich informiert und gedacht „gut, macht sinn“. Für mich persönlich haben die Warnungen keine Bedeutung, aber ich finde es gut dass es sie gibt. Und, das ist vielleicht ein blöder Vergleich, aber als ich gelesen hab „Spoiler- und Triggerwarnungen halten Menschen eh nicht davon ab, die dazugehörigen Texte zu lesen, denn die meisten ignorieren sie sowieso.“ dacht ich mir nur „Warnung: Das Produkt enthält Erdnüsse“ hält mich auch nicht davon ab den Schokoriegel zu essen. Soll er ja auch nicht. Das sind Hinweise für Leute die sie brauchen, keine Hindernisse die dem Rest im Weg stehen.

  24. c3p 17.06.2012 um 11:18

    Das ganze Thema schreit nach technischer Lósung.
    Ein Firefox addon, in welche Wörter hinterlegt werden können, die dann verändert werden, ist nicht besonders schwer zu schreiben denke ich mal.
    Vorteil: Alle Webseiten werden erfasst, alle nicht betroffenen haben keinen Aufwand
    Nachteil: Initialer einrichtungsaufwand, wenn man nicht seinen eigenen browser benutzt hilft es nicht.

    • K.J. 17.06.2012 um 14:16

      Zumindest für Teile des Internets gibt es das schon, beispielsweise gibt es für tumblr den „tumblr savior“. Das blendet dann per Javascript alle Einträge mit bestimmten festgelegten Wörtern (offenbar nicht nur in Tags, sondern auch im Inhalt) aus und zeigt stattdessen eine Warnmeldung. Das ist sicher ohne viel Aufwand auch auf andere Seiten erweiterbar.

  25. hannah 17.06.2012 um 16:06

    hier ist ja momentan nur von triggerwarnungen bei texten die rede. was meint ihr denn was wäre ein geeignetes vorgehen bei öffentlichen (foto)ausstellungen? aktuell hatte ich den fall dass in der uni-bib bei mir eine ausstellung ist mit portraits von kongolesischen frauen. daneben hängen texte mit sehr detaillierten beschreibungen der ihnen widerfahrenen sexuellen gewalt.
    auf meine anfrage warum hier keine triggerwarnungen miteinbezogen wurden erhielt ich vom fotografen folgende e-mail:

    !ACHTUNG Triggerwarnung!

    „Danke für Ihre Anmerkung und gern nehme ich dazu Stellung und teile Ihnen meine Sichtweise mit.

    Eine Trigger-Warnung gilt, meines Wissens nach, erst einmal für Internetforen und nicht für Photoausstellungen; und es ist auch das erste Mal, daß ich, Ihrerseits, mit diesem Anmerkung konfrontiert werde – und die Ausstellung wurde nun bereits doch schon sehr viele Male öffentlich gezeigt. Es mag für Sie „unglaublich sein“, doch für mich war bei der Konzipierung einer Photoausstellung über vergewaltigte Frauen in der Dem. Rep. Kongo davon auszugehen, daß der Betrachter/ die Betrachterin mit Bildern und dazugehörigen inhaltlichen Texten konfrontiert werden wird, welche sich mit einer furchtbaren und (für viele) unvorstellbaren Thematik beschäftigen. Alles andere wäre wohl ein wenig naiv! Wie hätte den Ihrer Meinung nach eine Trigger-Warnung aussehen und angebracht werden sollen?
    Außerdem mache ich die Rezipienten im Eingangstext zur Ausstellung darauf aufmerksam, daß die detaillierten Beschreibungen keine Beschreibungen von mir sind, sondern transkribierte Interviews der Frauen, mit denen ich gesprochen habe. “

    Was meint ihr hierzu???

    • Laetitia 17.06.2012 um 17:52

      Wenn das Wirklich das thema der Ausstellung war, also verg*w*lt*gte Frauen im Kongo, dann würde ich behaupten ist die Trigger warnung hier bereits in der überschrift gegeben, soltle es nur „frauen im kongo“ gewesen sein, hätte sich der Fotograph eindeutig mehr gedanken machen müssen. Konfrontieren ist eine Sache, Rücksicht die andere. Grade wenn er die Frauen persönlich interviewt hat wäre hier eigentlich mehr Verständnis zu erwarten.

    • K.J. 17.06.2012 um 17:54

      Wenn das Thema der Ausstellung klar ist, sehe ich da nicht wirklich ein Problem. Ich würde die Ausstellung gar nicht erst anschauen, da wäre mir das Risiko zu groß, und eine zusätzliche Warnung mehr oder weniger würde nicht viel daran ändern.
      Wäre es ein einzelner Text/Bild in einer ansonsten thematisch anders aufgemachten Ausstellung, hätte ich eher damit Probleme und wäre dankbar über einen Hinweis. Das kann auch durch eine Überschrift geschehen und muss ja nicht unbedingt ein rot blinkendes „Triggerwarnung!“ sein.
      Vielleicht bin ich ja eine Ausnahme, aber bei kulturellen Dingen wie Ausstellungen, Kinobesuchen, Demonstrationen, Konzerten usw. recherchiere ich vorher, worum es in etwa geht, da passiert mir so was extrem selten. Im Internet passiert es tatsächlich etwas schneller, auf eine „falsche“ Seite zu geraten.

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