Nein heißt NEIN! – oder: »Friend-Zone« my Ass!

Kommentare seit Oktober 2012 geschlossen.

Ich habe vorgestern einen ganz bösen Fehler gemacht: ich habe den Begriff »Friend-Zone« gegoogelt und bin sofort auf so viele Texte gestoßen, dass ich gar nicht so viel essen konnte, wie ich mich erbrechen wollte. (Sollte eine_r von euch mal zuviel gespeist und davon Magenschmerzen haben, könnt ihr als Abführmittel mal hier oder hier reinlesen.) Die verlinkten Texte sind nur zwei der Beispiele, die mich bei Google gleich auf der ersten Seite ansprangen. Viel mehr von diesem Scheiß erhielt ich in letzter Zeit über verschiedene Bilderseiten, die ich gerne besuche, was bei mir zu stetig steigendem Unwohlsein geführt hat. Die Aussage, die hinter Memes wie diesem, diesem, diesem oder überhaupt all diesen steht, ist frauenverachtender, als es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag.

Das Konzept der Friend-Zone wird bei Wikipedia folgendermaßen zusammengefasst:

Die Friend-Zone (englisch »Friend zone« = Freundeszone) oder auch Friendship-Zone bezeichnet die soziale Einordnung eines Menschen – meist eines Mannes – als guten Freund. Durch die Einordnung wird der Person die Möglichkeit verwehrt, eine Liebesbeziehung zu beginnen, da der Partner ihn lediglich als Freund und nicht als potenziellen Liebhaber anerkennt. Die Beziehung wird auf der Freundschaftsebene weitergeführt, während der Partner die Aufmerksamkeit des Freundes genießt, jedoch die Möglichkeit hat, sich anderen Menschen zuzuwenden.

Nicht nur, dass sowas überhaupt einen Platz auf Wikipedia gefunden hat, finde ich furchtbar, sondern auch die ekelhaften Formulierungen, die der kurze Text enthält:

Die »soziale Einordnung«, die »die Möglichkeit verwehrt, eine Liebesbeziehung zu beginnen« klingt, als würde hier einem Mann – denn es geht in den Memes zu >90% um Männer – der Besitz(!) einer Frau verweigert werden, obwohl er doch bereits seinen Anspruch(!!) angemeldet hatte. Irgendwie hält die Frau ihn aber an einer ominösen Leine bei sich in der Nähe und quält(!!!) ihn pausenlos damit, dass sie sich gleichzeitig mit anderen Männern vergnügt. Meist ist besagter Mann ein sogenannter (selbsternannter?) NiceGuy™, also ein »zu netter« Mann, der sich nicht als Macho gebärdet, die Frau aber (deshalb) an einen solchen verliert.

Dieses Konzept der Friend-Zone wird auch oft durch Filme und Serien transportiert, die offenbar nur zwei leicht voneinander abweichende Prinzipe kennen; das erste davon verläuft etwa wie folgt: die Frau sieht im NiceGuy™ erst wochen-/monate-/jahrelang nur einen Kumpel und fällt immer wieder auf Arschlöcher rein (also auf als Machos oder als stinkreiche Schnösel dargestellte Männer), bevor sie ihn als die EinzigWahreLiebe™ erkennt – oft hat er dafür auch IrgendwasTolles™ getan.

Männer, die obige Memes entwerfen und/oder weiterverbreiten, scheinen sich in der Regel als einen solchen NiceGuy™ zu sehen, nur haben sie noch nicht dieses IrgendwasTolles™ geschafft und stecken daher in der Friend-Zone fest. (Das Konzept gibt es übrigens auch anders herum, nämlich mit Frauen in der Friend-Zone – doch müssen diese meist nicht IrgendwasTolles™ machen, sondern sich vom hässlichen Entlein in den schönen Schwan verwandelt, damit der Mann sie für voll nimmt. Ebenfalls ein großes Kackscheiße-Konzept, aber darum soll’s diesmal nicht gehen).

Das zweite Prinzip kommt vor allem in Sitcoms vor – der Begriff »Friend-Zone« wurde angeblich auch von der Sitcom »Friends« geprägt – und lässt den NiceGuy™ für extrem-lange-bis-immer als Kumpel in dieser Friend-Zone stecken, während die begehrte Frau ständig an Arschlöcher gerät, sich mit diesen verwirft und sich bei NiceGuy™ ausheult. Danach rennt sie aber wieder zum nächsten Arschloch, während NiceGuy™ von seinen (meist männlichen) Freund_innen dafür ausgelacht wird, dass er inzwischen Bürgermeister der Friend-Zone ist, weil er einfach nicht IrgendwasTolles™ hinbekommt oder dies nicht von der Frau gewürdigt wird. In vielen Sitcoms bekommt der NiceGuy™ die Frau meist bis zum bitteren Ende nicht, oder nur mal zwischendurch (geht dann wieder schief wegen irgendeinem Arschloch-Mann), oder nur in der letzten Folge.

Soweit völlig unrecherchiert und nur aus dem Bauch heraus zusammengefasst. Dass das Fernsehen nun nicht unbedingt das Abbild der Realität ist, sollten wir ja alle wissen; warum aber häufen sich seit Sommer 2011 diese »Friend-Zone«-Memes so krass, als wäre dies ein Dauerzustand und ernsthaftes Problem in unserer Gesellschaft?

Klar gibt es unglückliches Verliebtsein, dem will ich ganz sicher nicht widersprechen. Ich weiß auch, wie Scheiße es ist, unerwidert verliebt zu sein und den_die Angebetene_n immer wieder sehen zu müssen. ABER DAFÜR GEBE ICH DOCH NICHT MEINEM GEGENÜBER DIE SCHULD!!!

Genau das ist aber das Problem, das ich mit diesen Memes habe und das mir zunehmende Magenschmerzen: es ist immer der_die Angebetete Schuld, nicht der_die Verliebte. Im Fall fast aller Memes, die ich bisher gesehen habe, ist die Frau »die Böse« und der Mann »das Opfer« – daher werde ich weiterhin von dieser Ausgangslage schreiben, auch wenn das Konzept umgedreht oder auch auf gleichgeschlechtliche oder genderqueere Beziehungen angewendet werden kann.

Die Schuldzuweisungen sind mannigfaltig; die »harmloseste« dabei ist, dass die Frau einfach nicht sieht, was für ein toller Mann er ist, obwohl er ihr doch ständig irgendeinen Gefallen tut. Sie trifft sich oft und gern mit ihm, sieht ihn aber trotzdem nur als Kumpel, was ihn zunehmend wurmt und ihn »friendzoned« fühlen lässt. Dieser Fall ist auch oft in Filmen zu beobachten, wo wir Zuschauenden zwar wissen, dass er, der sofort alles für sie stehen und liegen lassen würde, für sie Gefühle hat, er diese aber, aus welchen Gründen auch immer, ihr gegenüber nicht aussprechen will.

Aber genau darin liegt ja das Problem! Unausgesprochenes ist eben genau das: nicht ausgesprochen! Davon auszugehen, dass sie seine Gedanken lesen kann oder die Liebe spürt, mit der er ihr eine Tasse Kaffee aufgebrüht hat, ist zumeist Wunschdenken. Entweder, er offenbart die eigenen Gefühle und guckt, was dabei rauskommt (vielleicht fühlt sie ja tatsächlich auch so!), oder er lässt es bleiben und leidet still, in ihrer Nähe oder im eigenen Kämmerlein, bis er irgendwann darüber hinweg ist. Klingt vielleicht alles unangenehm, aber so ist das Leben halt manchmal.

Viel häufiger kommt es in den Memes aber vor, dass die Frau ganz genau weiß, wie es um die Gefühle des Mannes steht und ihn trotzdem weiterhin unter der Prämisse »aber nur als guten Kumpel« trifft. Dabei nutzt sie sein Verliebtsein aus und lässt ihn ständig irgendwelche netten Dinge für sich machen, lässt ihn aber trotzdem sofort eiskalt gegen eine Wand laufen, sowie er dafür eine Belohnung (in Form von Liebe, Beziehung und Sex) will.

ENTSCHULDIGUNG?! Wieso bleiben die oh-so-lieben Männer stattdessen nicht einfach fern von der oh-so-bösen Frau, anstatt weiterhin 24/7 für sie da zu sein und zu hoffen? Sie hat doch in Bezug auf eine potentielle Liebesbeziehung ganz eindeutig NEIN gesagt! – Aber darin liegt das Problem, nicht wahr? Dieses eindeutige Nein (in lang: »Ich mag dich, aber nur als Freund.« oder »Ich empfinde leider nicht so wie du.«) wird ignoriert, nicht für voll genommen, als »vielleicht irgendwann mal« interpretiert. Und bis zu diesem ominösen Irgendwann-mal wird dem Mann halt »die Möglichkeit verwehrt, eine Liebesbeziehung zu beginnen«! Obwohl die Frau diese bereits ausgeschlossen hat, liegt die Schuldzuweisung 100% bei ihr! m(

Dass Menschen im Zustand der Verliebtheit viele nette Dinge für den_die Angebetete_n tun, will ich gar nicht bezweifeln, mache ich auch – ja, auch, wenn ich bereits eine Abfuhr erhalten habe. Nur heißt das noch lange nicht, ich mir damit eine Beziehung erkaufen kann, gezahlt in Raten aus guten Taten. DAS GEHT NICHT!! Ich kann nicht IrgendwasTolles™ für andere tun und dann als Belohnung Sex erwarten! Weder vor noch nach einer Abfuhr.

Wenn es zu sehr schmerzt, in der Nähe einer Person zu sein, die für mich nicht so empfindet wie ich für sie, dann bleibe ICH der Person fern. Und wenn ich dies nicht tue, dann muss ICH versuchen, mit meinen Gefühlen klarzukommen. Die andere Person hat sich bereits zur Lage geäußert und das Thema damit für sich beendet!

Ein Nein gilt solange, bis es von der Person, die es ausgesprochen hat, in irgendeiner Form zurückgenommen wird! Auch, wenn die verneinende Person danach noch tage-/wochen-/monate-/jahrelang Single ist. Auch, wenn die verneinende Person sich als polyamorös bezeichnet – die »eine_r mehr oder weniger würde doch kaum einen Unterschied machen«-Einstellung ist ganz große Kackscheiße! Nein heißt NEIN und den Begriff der »Friend-Zone« verteidigen in meinen Augen nur Arschlöcher, die ein Nein schlichtweg nicht akzeptieren wollen.

Oder ist es gar schlimmer? Erachten diese Arschlöcher generell alle (Single-)Frauen als fickbares Freiwild, das gefälligst in Bett zu springen hat, nachdem sie sich herabgelassen haben, mal eben nett zu ihnen zu sein? Ist das so? Ist für sie eine tatsächliche Freundschaft zwischen Mann und Frau nicht möglich? Denn den oben verlinkten Artikeln entnehme ich leider eine solche Einstellung, die mir auch in der Realität schon manchmal so begegnet ist. Für solche Arschlöcher kann ich es als Frau auch gar nicht richtig machen, denn entweder bin ich nett zu ihnen und »führe sie damit in die Irre« oder ich bin gleich von Anfang an abweisend und damit eine »dumme ignorante Schlampe«.

Das sind O-Ton Beschuldigungen, die ich bereits erhalten habe und auf die auch ziemlich böse Erfahrungen folgten. Ich habe damals meine eigene Konsequenz gezogen und versuche daraus bis heute, bei hetero-/bisexuellen Männern sowie homo-/bisexuellen Frauen Zweisamkeit egal welcher Art zu vermeiden (vor allem an nicht-öffentlichen Orten), sei es Filmgucken, Kochen, Lernen oder was-weiß-ich. (Was übrigens nicht vermeidet, dass sich das Gegenüber als »friendzoned« sieht oder von anderen so gesehen wird.) Auch, wenn ich eigentlich gerneZeit mit diesen Menschen verbringe, weil ich sie toll finde (ohne in sie verliebt zu sein). Selbst bei Gruppeneinladungen überlege ich zweimal und sehr genau, ob ich bestimmte (Single-)Personen mit einlade, aus Angst, sie könnten da etwas reininterpretieren. Es ist mir dabei auch ziemlich scheißegal, dass ich diese Menschen damit quasi unter Generalverdacht stelle oder anmaßend bin, anzunehmen, sie könnten ja vielleicht mehr als nur reine Freundschaft für mich empfinden. Wenn sie damit ein Problem haben, können sie sich bei zwei Arschlöchern aus meinem früheren Leben bedanken.

Außerdem, was wäre die Alternative, um Friend-Zone-Beschuldigungen vorzubeugen? Die Menschen, in die ich nicht verliebt bin, bei denen ich aber glaube oder gar Angst habe, dass sie mehr empfinden könnten, nicht mehr angucken, ansprechen, anlächeln, berühren? Keinerlei Hilfe oder Gefallen von ihnen annehmen? Direkt nachfragen, ob mein Gegenüber in mich verliebt ist? Und dann? Bei einem Ja rausschmeißen? Bei einem Nein Glauben schenken oder von einer Lüge ausgehen? Wo soll das hinführen? Dass ich Visitenkarten mit dem Aufdruck »Nur Freund_innen, mehr nicht!« verteile bei allen Menschen, bei denen mir mein Bauchgefühl ziemlich schnell sagt, dass da null Anziehung vorhanden ist? Ist alles ziemlich unmöglich; das Einzige, was bleibt, ist, an keine Menschen zu geraten, die tatsächlich an das oben beschriebene Konzept der Friend-Zone glauben.

Und jetzt hab ich keine Lust mehr, weiter darüber nachzudenken. Zum Abschluss hier eine positive (englischsprachige) Antwort auf eines dieser dämlichen Memes. :)

Nachtrag: Habe über Twitter von @nlantzsch gerade noch diesen tollen (ebenfalls englischsprachigen) Beitrag über den NiceGuy™ und warum er gar nicht so nett ist zugeschickt bekommen. Sehr empfehlenswert!

Noch ein Nachtrag: Ich bekam auf diesen Artikel bereits mehrere unfreundliche Mansplaining-Kommentare, dass ich bitte auch auf die Gefühle der Männer Rücksicht nehmen solle und überhaupt sehr viel Männer- und Frauenverachtung betreiben würde blabla. Wenn ihr denkt, dass dies mein grundsätzliches Männerbild ist, kann ich euch nicht helfen. Ich rede alleinig von den Menschen (egal welchen Geschlechts), die solche Memes toll finden, zusammenbasteln und/oder weiterverbreiten. Also spart euch das hektische Nachluftschnappen, ich schalte das eh nicht frei.

48 Antworten zu “Nein heißt NEIN! – oder: »Friend-Zone« my Ass!

  1. Faserpiratin 11.01.2012 um 17:17

    Mir sagte der Begriff „friendzone“ bisher gar nichts – danke also für die Aufklärung.
    Ich kann deine Meinung da total nachvollziehen und kenne das auch aus dem Alltag, dass manche Menschen meinen, sich durch Freundschaft einen gewissen „höheren Status“ erkaufen zu wollen. Das nervt echt total und passt ganz gut mit deinem „1000 Mal berührt“ Artikel zusammen. Manchmal weiß frau da echt nicht, wie sie sich verhalten soll.
    Hach, ich wollte da auch so lange schon was zu bloggen, aber irgendwie finde ich den Anfang nicht…

    Ich lese deine Beiträge so gerne – danke dir!
    FP

  2. kiturak 11.01.2012 um 18:15

    Super. Ich hab den „friend zone“-Begriff immer als komplett deckungsgleich mit dem Nice Guy ™-Generve gesehen (Meine Lieblinge dazu: nice guy syndrome im geek feminism wiki und der Shakesville-Explainer) – und das NEIN-Ignorieren hab ich auch echt noch nie so im Fokus gesehen, das ist ja auch wirklich besonders ärgerlich.

    Ich find‘ es tatsächlich eine (grad im monogamistischer Denkweise, also in einer, die „DIE“ große Liebe ™ zu genau DER EINEN Person über alles stellt) eine ziemlich unsympathische Abwertung von Freund_innenschaften generell – bzw., wie Du ja auch schreibst, eine unglaubliche Beleidigung gegenüber Frauen*, die als für Freund_innenschaften einfach völlig uninteressant eingestuft werden. Männer sind Menschen, Frauen sind Frauen halt.

  3. Fredi 11.01.2012 um 19:40

    „Nur heißt das noch lange nicht, ich mir damit eine Beziehung erkaufen kann, gezahlt in Raten aus guten Taten.“

    Genau das ist mein Problem an dieser Nice Guy™ Logik. Wenn ich glaube es mir ‚erkaufen‘ zu können, kann es mit den Gefühlen ja nicht weit her sein. Jemand mit einem Frauenbild, das Frauen/Beziehungen als ‚Ware‘ ansieht kann nicht ’nice‘ sein.

  4. codenaga 11.01.2012 um 20:31

    Hmm, dass irgendwer irgendwen als Ware ansieht, hab ich in das Mem noch nie reingelesen. Auch nicht, dass irgendwer zu irgendwem ’nein‘ sagt (was selbstverständlich als ’nein‘ zu gelten hat).
    Ich dachte immer, die betroffene Frau würde aufgrund der offensichtlichen Unfähigkeit des Mannes, sein Interesse zu bekunden, nicht erkennen, was er will, und ihn daher in der ‚Friendzone‘ sehen.
    Oder geh ich von nem anderen Mem aus? (http://knowyourmeme.com/memes/friend-zone-fiona)

    • Puzzle 11.01.2012 um 20:58

      Vielleicht interpretieren einige diese Bilder so. Vielleicht meinen auch einige Ersteller_innen das genau so. Problem ist aber, dass dahinter ein Konzept steht, welches ich oben beschrieben habe. Das zeigt sich auch oft genug in den Kommentarspalten solcher Memes. Einen Menschen als Freund zu sehen ist NICHT dasselbe, wie einen Menschen in die Friendzone zu stecken, weil: siehe oben.

  5. Laura Schmalenbach 11.01.2012 um 20:38

    Diese „Friendzone“-Scheiße regt mich auch immer mehr auf, vor allem, weil ich ständig in Memeform darüber stolpere. Dieses Anspruchsdenken kotzt mich unglaublich an. Und diese Auffassung von Freundschaft (besonders deutlich in den ersten beiden Sätzen des dritten Bilds, das verlinkt ist). Und diese Denkweise nach dem Motto „Frauen geben Sex im Austausch gegen Fürsorge“. Und überhaupt dieses ganze selbstgerechte Gejammer.

  6. Nicolai 11.01.2012 um 21:02

    Ich war früher auch NiceGuy™. Allerdings nicht ganz so furchtbar, wie in den verlinkten Texten.
    Ich kann mich nicht erinnern, Frauen verachtet zu haben, weil sie sich irgendwelche anderen Leute ausgesucht haben. Und schon gar nicht daran, Frauen vorgeworfen zu haben, dass sie mich sexuell nicht attraktiv fanden. Und ich kann mich auch nicht daran erinnern, zu glauben, dass mir eine es „schuldete“, mich zu begehren, weil ich so nett war. Ein Nein war immer ein Nein (ein dickes Dankeschön an meine differenzfeministische Mutter!).
    Ich weiß aber genau, dass ich mich selbst für so unbegehrenswert und minderwertig gehalten habe, dass ich dachte, ich könnte niemals auf dem normalen Markt der Eitelkeiten bestehen und hoffte, vielleicht eine andere Nische zu finden.
    Oder auch nur überhaupt mal als Person von einer Frau positiv wahrgenommen zu werden, die zumindest rein hypothetisch als Sexual- und/oder romantische Beziehungspartnerin in Frage käme (also nicht Teil der Familie ist).
    Ich glaube, dass NiceGuys™ ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl und den üblichen sozialen Hierarchien haben. Vor allem, weil sie da (vermeintlich oder wirklich) ziemlich weit unten stehen.
    Das wird sehr deutlich in der Annahme, dass NiceGuy™ es „verdient“, geliebt zu werden. Tatsächlich steht es jedem_r frei, geliebt zu werden.
    Bloß ist das halt kein Recht, sondern eine Freiheit.
    Und das ist, glaube ich, Kern des Problems.
    Es ist nur eine Freiheit, kein Anspruch. Und nur weil formal alle gleiche Freiheiten genießen, heißt das noch lange nicht, dass alle etwas daraus machen können. Nicht jede_r wird in jeder Umgebung jemanden finden, der ihn_sie liebt.
    Das wird einem_r aber suggeriert.
    Das macht es besonders bitter, wenn man dann niemanden findet.

    Ich weiß auch nicht, wie man das Problem lösen kann. Man könnte den Kindern in der Schule erzählen, dass ein Teil von ihnen nicht begehrenswert ist und deshalb (vorerst) von seiner Freiheit keinen Gebrauch machen können wird.

    Das wird aber sehr niederschmetternd. Zusammen mit dem Konzept des Stud-prides sorgt das sicherlich für Selbsttötungen.

    • Puzzle 11.01.2012 um 21:13

      Kann ich alles verstehen, Selbstwertgefühl, „Nerdtum“, alles – been there, done that. Es geht aber aber in meinem Artikel nicht wirklich um den NiceGuy, auch wenn er oben Erwähnung findet. Es geht um die Definition der „Friend-Zone“ und der Menschen, die andere angeblich in dieser „festhalten“.

      • Nicolai 11.01.2012 um 21:36

        Ich wollte eigentlich gar kein weinerliches MeToo schreiben, wenn es doch eines geworden ist, lösche es einfach.
        NiceGuy™ und „Friend-Zone“ gehören meiner Meinung nach zusammen und sind nicht zu trennen.

  7. Markus (@germanstudent) 11.01.2012 um 21:49

    Was ich eigentlich viel trauriger finde ist, dass in manchen Kreisen einem Mann bei einer guten, platonischen Freundschaft zu einer Frau vorgeworfen wird -grundsätzlich – ein „weitergehendes“ Interesse zu haben.

    Meinem Eindruck nach wird dies aber der Frau beim gleichen Szenario nur in den seltensten Fällen vorgeworfen. Aus welchen Gründen auch immer. Wahrscheinlich weil alle Männer ja grundsätzlich triebgesteuert sind und es ausschließlich auf das Eine abgesehen haben.

    Naja, diese Vorurteile, verbunden mit Sticheleien aus dem Umfeld, haben bestimmt schon die ein oder andere gut laufende platonische Beziehung zwischen Mann und Frau zerstört.

    Scheinbar ist es für einige Menschen undenkbar, dass Mann und Frau ähnliche Hobbys haben, sich gut unterhalten können und auch gerne Zeit miteinander verbringen ohne das auf einer Seite sexuelles Interesse besteht. Genauso wie eine Freundschaft unter hetero Kerlen halt.

    Gleichsam schwer können sich die Personen vorstellen, dass solch ein/e platonische/r Freund/in sich sogar sehr freuen kann, wenn diese/r Freund/in eine glückliche Liebesbeziehung führt.

    Dieses ganze Heckmeck Friendzone blablubb geht mir da übelst auf die Nerven. Es gibt immer Menschen, Männer und Frauen, die sich extrem verstellen um ein Ziel zu erreichen und damit oft auf die Schnauze fallen.

    Ich glaub von Anfang an die Wahrheit™ zu sagen und Gefühle nicht zu verschweigen ist langfristig wohl die beste Lösung.

  8. agape_42 12.01.2012 um 1:02

    Danke, für den offenen Artikel. Es bleibt dabei. Nur Ja heißt Ja. Ich empfinde Friendzone ebenfalls als Unwort. Wer eben keine Freundschaft (sondern mehr) will, der muss die Freundschaft eben beenden. Kenn ich, hatte ich erst vor kurzem. War schmerzhaft, aber besser so. Gefühle immer klar äußern, darüber reden, das ist der beste Weg imho. Das du dich jedoch deshalb gar nicht mehr mit Singles usw. treffen kannst finde ich traurig. Das muss doch zu klären sein!

    In meinem Beziehungsnetz gelingt es immer besser die Kategorien aufzulösen. Das ist für mich die konkrete Utopie. Wir lieben uns, viele, in unterschiedlichen Intensitäten – Freundschaft/Beziehung … was soll der eingrenzende Scheiß. Wenn ich nicht kuscheln/küssen/sex will, dann ist das eben so. Schön fände ich, wenn Menschen, die keinen Partner haben/bekommen, trotzdem Anerkennung, Zärtlichkeit erhalten und sozusagen nicht leer ausgehen. Lasst uns eine Gesellschaft bauen, wo alle geliebt werden … Aus dieser Sicht ist mir dein Text zu ego. Verstehe aber das Bedürfnis nach Abgrenzung aufgrund von schlechten Erfahrungen.

    • Puzzle 12.01.2012 um 1:10

      Klar ist der Text ein wenig ego, ist ja mein Blog. Andere ranten auch den ganzen Tag wild durch die Gegend, da will ich mich auch mal auskotzen dürfen… und ein bisschen Polemik darf doch ab und zu mal sein, ja? ;)

      Ich bin auch für das Auflösen von Kategorien, wo möglich. Auch für Zärtlichkeiten, solange das für beide Seiten (bzw. alle Seiten bei mehr als zwei Leuten) ok ist. Ich habe auch Freund_innen, die mehr als „nur Kumpels“ und trotzdem weniger als „Liebesbeziehungen“ sind. Und ich habe nicht mein gesamtes Privatleben eingeschränkt, sondern eine für mich zufriedenstellende Lösung gefunden, mit der ich meist ganz gut umgehen kann. Wenn nicht, gehe ich das „Risiko“ ein – oder frage halt nach. Und muss dann gucken, was daraus wird.

      Zudem kenne ich tatsächlich auch die Seite der unglücklich Verliebten, sehr gut sogar – das steht auch so im Text. Ich mache daraus aber keine Weltanschauung mit Wikipedia-Definitionen und Wie-kriege-ich-sie-schnell-ins-Bett-Anleitungen. Das allein ist es, was mich aufregt.

      • schmeckts77 12.01.2012 um 11:15

        Hallo,
        es bleibt mir ein Rätsel wie du auch nur EINEN dieser verlinkten Artikel komplett und bis zu Ende durchlesen konntest. Ich hab noch nicht mal den ersten bis zu Ende durchgehalten weil mein Frühstück sich im Magen wieder bewegte.
        Ekelhaft. Und danke für deine explizite Meinung dazu!
        schmeckts77

  9. TomTim 12.01.2012 um 3:11

    10CC sang darüber: „I’m not in love“

  10. Sebastian Jabbusch 12.01.2012 um 4:17

    Großartiger Text. Ich selbst habe ich mich auch schon mal so verhalten, wie Du es in Deinem Text beschrieben hast. Nicht, weil ich wollte, sondern weil irgendwie mal glaubte, so müsste es sein. Ahnungslosigkeit.

    Ohne das Entschuldigen zu wollen, glaube ich, dass solche Fehler in einem gewissen Rahmen zur Pubertät etc. dazugehören. Ich habs zweimal gemacht und zweimal gemerkt, dass der jeweilige Wunsch-Partner darauf nicht steht. Ergo lasse ich es heute. Ich kenne aber erwachsende Männer (Frauen teilweise auch, aber die sind etwas anders), die sich immer noch so verhalten. Finde ich sehr anstrengend. m(

    Dein Text hat mir stark verdeutlich, wie diskriminierend ein solches Verhalten für den Gegenüber ist. Das war mir so noch nicht klar. Dafür Danke!

    (Eigentlich müsste auch über sowas in Schulen gesprochen werden! #AlleGesellschaftlichenThemenBeiDerSchuleAbladen )

  11. notizbuchfragmente 12.01.2012 um 9:27

    YEAH! Genau-so-isses!

    Nein heißt nein. Kriege ich eine Abfuhr von einem Kerl, dann erwartet der, dass ich dieses „Nein“ akzeptiere und mich danach wie ein normaler, vernünftiger Erwachsener benehme. Mit Fug und Recht übrigens.

    Also kann es ja wohl nicht zu viel verlangt sein, dass der Kerl meine (eventuell sogar freundlich erteilte, aber dennoch definitive Absage) ernst und damit mich für voll nimmt, oder?!?

    Meiner Ansicht nach liegt das an dieser ganzen Ratgeberschei*e, die sich (vor allem) in Magazinen finden. „Was Männer/Frauen SAGEN – und was sie damit MEINEN …“

    ARGH!

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  14. Alba 12.01.2012 um 14:21

    Ich finde deinen Text super und habe ihn nichts hinzuzufügen. Da du dich offenbar länger mit dem Thema auseinandergesetzt hast: Kennst du vielleicht eine ähnliche Auseinandersetzung damit, die in einem Printmedium (oder einem sehr bekannten Onlineportal, aber keinem privaten Blog) erschienen ist? Mit einem solchen Text könnte man nämlich in dem Wikipedia-Artikel einen Abschnitt „Kritik“ einfügen. Dass das Thema Einzug in Wikipedia gefunden hat, finde ich an sich nicht allzu kritikwürdig: verbreitete Memes haben in einem modernen Lexikon sicher einen Platz, und wenn dies ein verbreitetes Meme ist (ich persönlich hör das heute zum ersten Mal, aber das will ja nichts heißen…), dann warum nicht. Natürlich muss es adequat dargestellt sein. Aber zum Glück darf man Wikipedia ja editieren. Also wenn du was weißt, womit man den Artikel verbessern könnte, würdest du der Welt sicher einen großen Dienst erweisen. Schließlich ist das die erste Seite, auf der landet, wer nach dem Begriff googelt.
    Noch mal: Danke für diese gute Analyse!

  15. fototavi 12.01.2012 um 14:22

    Sehr interessanter Beitrag ! 5Sterne ;-)

  16. S. 12.01.2012 um 17:09

    Danke für den Beitrag. Ich habe auf Wikipedia einen Löschantrag gestellt bezüglich des Artikels. Nicht nur, dass er mir nicht gefällt, er ist qualitativ auch peinlich für Wikipedia. Falls sich jemand an der Löschdiskussion (läuft 7 Tage lang) beteiligen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:L%C3%B6schkandidaten/12._Januar_2012#Friend-Zone

    Viele Grüße, S.

    • Sebastian 13.01.2012 um 15:53

      Statt ihn zu verbessern willst du ihn löschen??
      Was soll das denn für einen Sinn machen? Wikipedia lebt vom ergänzen und verbessern – ansonsten gäbe es dort heute genau null Artikel.

      • S. 14.01.2012 um 13:50

        Hallo Sebastian. Es ist nicht meine Aufgabe, einen Artikel zu verbessern, an dessen Inhalt mir nichts liegt.

        Mein Antrag wird 7 Tage lang diskutiert; in dieser Zeit kann der Artikel verbessert werden. Wenn der Artikel dann immernoch nicht den Qualitätsstandards entspricht, wird er evtl. (je nach Ansicht des abarbeitenden Admins) gelöscht. Qualität bedeutet, dass die Aussagen im Artikel belegt sind (mit seriöser Literatur – nicht mit den Boulevard-Blatt-Beiträgen, die jetzt dort verlinkt sind). Falls du solche Literatur kennst: nur zu!

      • Alba 16.01.2012 um 17:47

        Da bin ich auch eher dagegen (zumal ich nicht denke, dass der Antrag eine Chance hat, aber ok, Probieren geht über Studieren). Besser finde ich es, die Gelegenheit zu nutzen, den Begriff dort *richtig* darzustellen. Wenn dann niemand einen zitierbaren Beitrag in „unserem“ Sinne finden würde, wäre das natürlich schlecht. Allerdings streng genommen nicht die Schuld des Wiki-Artikels – so ärgerlich das wäre. Dann müssten wir halt daran arbeiten, dass Beiträge der gesuchten Art geschrieben werden! Was wir natürlich sowieso tun. :)

  17. Irene 12.01.2012 um 22:58

    Den Begriff Friend Zone kannte ich auch nicht, die Nice-Guy-Klischees schon.

    Mir kommt das Problem der sog. Nice Guys, die angeblich so viel für die Angebetete tun und trotzdem nicht geliebt werden, plötzlich wie eine Variante des sog. Helfersyndroms vor (Menschen mit geringem Selbstwertgefühl geben oder tun etwas, um dafür Liebe oder Dankbarkeit zu erhalten), das es auch in der platonischen und beruflichen Variante gibt. Ich habe deswegen letztes Jahr eine Freundschaft mit einer Frau beendet, ich habe ihr Gluckenverhalten einfach nicht mehr ertragen.

  18. Maik 13.01.2012 um 11:15

    Moin!
    Ich bin auf deinen Artikel durch einen anderen Artikel gestoßen, der deinen wohl kritisiert. Nun muss ich zurück zum anderen und weiterlesen (man, ist Blogverstehen aufwändig…). Jedenfalls kann ich dir inhaltlich schonmal zustimmen. Nur, zu Beginn deines Beitrags bist du sehr emotional, was natürlich dein gutes Recht ist. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das deine Glaubwürdigkeit, falls das überhaupt dein Ziel wäre, schmälert. War ein bisschen polternd und ich musste mich auch ein wenig überwinden, weiterzulesen :-) Aber dann wurde alles besser.
    So und nun wieder rüber zum Nerd (der sich wohl selbst als Nice Guy sieht) und weiterlesen.
    Eine Frage hätte ich: Warum diese ganzen TM-Symbole?

    Beste Grüße,
    Maik

  19. Marc 13.01.2012 um 11:21

    Schöner Rant. Gefällt mir.
    Insbesondere finde ich Grafik unter http://delacroix.tumblr.com/post/15198606599 ziemlich selbstentlarvend. Denn hier wird die Zielerreichung der Familyzone beschrieben. Und wenn sich jemand die Friendzone oder Familyzone als Ziel setzt, dann ist die Jammerei darüber noch deutlich weniger ernst zu nehmen, als vorher.

  20. René 13.01.2012 um 11:25

    Sehr schön!
    Vor allem der Absatz über die „unausgesprochenen“ Gefühle sollte FETT gedruckt werden. Mangelnde Kommunikation ist immer der Schlüssel zu negativen Erlebnissen.

    Und wenn für mich, als Person/Mensch, der Leidensdruck hoch genug ist, dann sollte ich den Finger ziehen und die Zone freiwillig verlassen und nicht darauf hoffen, dass meine Gebete irgendwann erhört werden.
    Ansonsten gibt’s für Autoaggressionsverhalten Therapien – liebe Nice-Guys!

    Mr. Nice-Guy, schön und gut – aber Mr. Nice-Guy-ich-ignoriere-mein-liebes-Selbst-und-quäle-mich? Leidensdruck???

    Vielleicht sind diese Memes nur Hilfeschreie, weil Mr. Nice-Guy niemanden zum reden hat. Ähmm.. aber.. da wären wir wieder bei mangelnder Kommunikation und selbst schuld.

    Ist und bleibt ein sehr schöner Text, den ich gerne gelesen habe.

    Vielen Dank, René

  21. onyx 13.01.2012 um 11:58

    Sehr schöner Artikel, zu dem es nichts hinzuzufügen gibt.

    Nur explizit dazu:

    „Nein heißt NEIN und den Begriff der »Friend-Zone« verteidigen in meinen Augen nur Arschlöcher, die ein Nein schlichtweg nicht akzeptieren wollen.“

    noch meine ausdrückliche Zustimmung. Es ist ja auch kein Zufall, dieses Thema in der kalten entmenschlichten Pick up-Ideologie so ein großes Thema ist.

  22. xyz 13.01.2012 um 14:29

    Hallöchen,
    1. Ich finde gut, dass mal jemand dafür einsteht, dass Frauen von Hause aus keine berechnenden Schlampen sind, die Männer bei der Stange halten, um sie auszubeuten. Was meinem Verständnis nach die Grundvorraussetzung wäre, um an eine Friend-Zone zu glauben.
    2. Finde ich gut, dass du auf die Rolle der Film/Fernseh- und der Internetlandschaft auf die „Gefühlslandschaft“ bei jedem einzelnen ansprichst.

    Dass der Begriff aus dem Fernsehen komme sagt schoneinmal etwas aus.
    Wer philosophisch mal in die Medien einsteigen möchte, dem lege ich Günther Anders‘ Ansätze dazu ans Herz. Er ist aus Nazi-Deutschland geflohen, kam nach ami-Land und stellte fest: Ami-Fernsehen ist ja noch übler als Propaganda. Bei der Propaganda weiß man wenigstens, dass es welche ist, Fernsehen schleust die Propaganda durch die Hintertür ein. Er hat da einige Mechanismen, hauptsählich im Bezug auf Berichterstattung im Fernsehen (und in allen Medien), ausfindig machen können. Seine Analyse ist mM ziemlich zutreffend (habs „damals“ in Phlio gehabt und war hochbegeistert).

    Interpretiert man Fernsehserien/Soaps auf Grundlage Anders‘ Annahmen, so kristallisiert sich folgender Kreislauf heraus: Der Mensch schaut eine lustige Serie, in dieser Serie wird jemand richtig, richtig wütend, deshalb macht er etwas kaputt (z.B. ein Glas wird mit Schmackes auf den Boden oder die auslösende Person katapultiert). Das kommt ziemlich häufig vor (einfach mal für ein paar Minuten in beliebige Vorabendsoaps reinzappen). Je öfter ich soetwas nun sehe, umso mehr wächst in mir (bzw. meinem Unterbewusstsein) die Annahme richtig heftige Gefühle führen immer und ausnahmslos zu einer möglichst zerstörerischen, physischen Reaktion, sonst sind sie nicht heftig. Es entsteht soetwas wie eine Gedanken/Gefühlskategorie in der ich gefangen bn (ohne Kant da mit reinziehen zu wollen). Wenn ich oder irgendwer anderes noch nicht an dem Punkt ist etwas zu zerschmettern, dann kann es gar nicht so schlimm sein. Schlussendlich richte irgendwo mein Leben nach der im Fernsehen vorgegaukelten Gefühlswelt aus. Ich will diese bunten, herzzereißenden Szenarien auch erleben! Andere Erlebniswelten blende ich vielleicht sogar aus. (Den Einfluss von Filmen/Seien auf unser empfinden, brauche ich kaum zu erläutern. Man kann ihn sich leicht verdeutlichen: Manchmal kommt es ja vor, dass Leute sich über Personen unterhalten und lange Zeit bleibt dem uninformierten Zuhörer verborgen, dass es sich um eine völlig fiktive Geschichte handelt. Die Gefühle der Sprechenden sprechen einfach zu sehr für reale Begebenheiten.)

    Deshalb halte ich soetwas wie eine Friend-Zone auch für völlig falsch eingeschätzt. Überträgt man das beschriebene Prinzip nun auf die „Friend-Zone“, so muss man annehmen, dass ggf. beide Parts am Ende gar nicht mehr nach ihren höchsteigenen Gefühlen urteilen, sondern nach den „Erfahrungen“, die sie aus dem Fernsehen haben und sich infolgedessen in dieses Friend-Zone-Prinzip einordnen, wenn man so will: sich sklavisch einschränken, um dieses schlillernde, spannende, abendfüllende Gefühlschaos aus nächster Nähe zu erleben.

    Meine Cousine hat übrigens ihren besten Freund geheiratet.

  23. Nachdenker 13.01.2012 um 14:57

    Bis vor 30min wusste ich nicht mal was der Begriff „Friendzone“ bedeutet, weil ich Ihn einfach noch nicht gehört hatte.

    Die von Dir geposteten Memes generalisieren, enthalten aber auch eine Dosis der Wahrheit/Realität.

    Dein Blogbeitrag generalisiert, enhält auch eine Dosis Wahrheit/Realität.

    In unserer Gesellschaft steht der Mann traditionell noch immer in der Verantwortung den ersten Schritt zu machen. Ich kenne nur wenige Frauen die dieses Rollenklischee durchbrechen (wollen). Die meisten Frauen (80-90%) sind trotz aller Emanzipation ganz froh, dass es in unserer Gesellschaft in der Regel noch immer die Aufgabe des Mannes ist um die Frau zu werben.

    Das führt dann zwangsläufig dazu das Männer eher in die Situation kommen in der „Friendzone“ zu landen, weil Sie sich „falsch verhalten“ bzw. „falsch verstanden“ werden. Das trifft dann natürlich auch eher Personen die „nett“ sind und jemanden vielleicht auch eher kennenlernen möchten/müssen bevor Sie eine intime Beziehung anstreben. Das diese Personen oft bewußt oder unbewußt soziale Defizite im Bereich Beziehungen haben ist auch nicht strittig.

    WENN in einer potentiellen Freundschaft/Beziehung mit einem klaren „Nein, Freundschaft gerne, mehr aber nicht.“ die Situation klargestellt wurde, dann ist das Gegenüber (egal ob Mann oder Frau) für alle weiteren emotionalen Unbillen selbst verantwortlich. Da gebe ich Dir voll und ganz Recht.

    Leider passiert es da aber, auch nachdem die Situation durchschaut wurde, oft genug, dass genau diese Klarstellung nicht stattfindet, oder eben so schwammig, das unterstellt werden muß das nicht auf die durchaus angenehmen Seiten einer solchen Konstellation für den/die „Ausnutzende(n)“ verzichtet werden will. Ist das der Fall, dann kann man dieser Person durchaus berechtigte Vorwürfe machen das nicht klarzustellen. Von dem/der Verliebten zu verlangen hier den Verstand einzuschalten und die Situation nüchtern zu verarbeiten ist illusorisch. Jeder der schon mal richtig verliebt war weiß, das man nicht mehr voll zurechnungsfähig ist. Folglich liegt die Verantwortung richtig zu handeln dann beim nicht emotional involvierten Teil dieser „Beziehung“.

    • Puzzle 14.01.2012 um 0:03

      „Folglich liegt die Verantwortung richtig zu handeln dann beim nicht emotional involvierten Teil dieser „Beziehung“.“

      Würde ich so nicht sagen, denn eine solche Situation kann auch für den_die Angebetete_n echt schwierig sein. Ist ja auch nicht so, dass diejenigen völlig ohne Gefühle sind. Und, wie ich sagte: ich habe auch mal einen Schlussstrich gezogen und wurde danach massiv belästigt – es gibt leider nicht DIE Lösung.

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  26. susanna 14.01.2012 um 11:21

    Vielen Dank für deinen Artikel! Ich kenne das Problem auch. Ich löse es dadurch, dass ich sehr wenig annehme und schon bei einer Tasse Kaffee darauf bestehe, sie selbst zu bezahlen, als klares Zeichen: Nein, ich bin immer noch nicht verliebt. Bloß die Freundschaft nicht in eine Situation geraten lasse, wo der andere dann mehr für mich tut als ich für ihn, so dass er dann Ansprüche machen könnte.

    Das Ziel müsste doch sein, aus den Klischees herauszukommen: Entweder Macho oder Nice Guy, und stattdessen eine eigenständige Persönlichkeit zu werden. Aber sitcoms spielen eben gerade mit Klischees und Typen, von denen sollte man das nicht erwarten. Meine Beobachtung an Jugendlichen (und meine Erinnerung an mich selbst als Jugendliche) ist, dass sie sich selbst nach diesen Klischees zu formen versuchen, und dass es eine Weile dauert, bis sie zu eigenständigen Persönlichkeiten werden und hoffen, als eigenständige Persönlichkeit einen Partner oder eine Partnerin zu werden.

  27. poetin 14.01.2012 um 15:07

    Danke für diese klaren und (völlig zu Recht) empörten Worte! Das Konstrukt der „friend zone“ und der darum herum sich rankenden Anschuldigungen, Erwartungshaltungen und Klischees ist ein ganz giftiges – und allzu oft tappen auch Frauen in die Falle, lassen sich ein schlechtes Gewissen machen… (ja, es ist unangenehm für eine Person, wenn sie unerwiderte Gefühle für mich hat, und nein, ich sollte das nicht ausnutzen, aber auch: nein, ich bin daran nicht schuld!)

    Ich möchte den Begriff aber eigentlich zurückerobern oder umdefinieren, indem ich hiermit erkläre:

    *Nur* Menschen, die ich als potentielle oder tatsächliche Freunde sehe, haben für mich auch Partnerpotential (wieso sollte ich mit jemandem zusammen sein wollen, der mir so unähnlich oder so wenig sympathisch ist, dass ich nicht mal mit ihm befreundet sein will?). Das bedeutet aber nicht, dass *alle* Menschen, die ich freundschaftlich behandle (und die das „geeignete“ Geschlecht haben?!) für mich Partnerpotential haben!

    Mengentheoretisch formuliert, damit niemand behaupten kann, seine mathematisch/technisch statt emotional/sozial orientierte Sozialisierung schließe ihn vom Verständnis aus:

    „potentielle Partner-Freunde“ sind eine Untermenge der Gruppe „potentielle / tatsächliche Freunde“ Aber: sie sind eine *strikte Untermenge*, d.h. Mitgliedschaft in der Menge der Leute, mit denen ich freundschaftlichen Umgang pflege, impliziert nicht automatisch Mitgliedschaft in der Menge der Leute, die für mich potentielle Partner sind.

  28. Magda 15.01.2012 um 9:13

    vielen dank für den informativen text zu einem thema, von dem ich bisher noch nichts wusste! kann deine analysen sehr gut nachvollziehen. sorry, dass da anscheinend so viel müll kam.
    gruß, magda

  29. S. Van Lure 16.01.2012 um 9:13

    Ich finde aus meiner sicht solche friendzone geschichten schrecklich, weil mir mittlerweile schon um die 5mal folgendes passiert ist:

    ich habe einen festen freund und ein paar gute kumpel. und wenn ich dann plötzlich wieder singel werde, rückt einer meiner vermeintlich guten kumpels unerwartet zu mir auf und versucht „mich zu bekommen“ als wäre er nur in der warteschlange an einer kasse gestanden und jetzt müsse er doch endlich zum zug kommen. schließlich stünde er mir nach meinem ex jetzt am nähesten und wer würde sich besser als nächster kandidat eignen als er, da wir uns doch so super verstehen?
    Wenn ich dann diesen kumpel abweise, wird dieser richtig angefressen, ich werde als hure beschimpft weil ich mich in einen fremden gentleman (der allerdings kein typisches arschloch ist, in den augen meines kumpels jedoch nicht der richtige für mich) und schließlich von der freundesliste gestrichen.

    solche geschichten machen mich selbst sehr wütend, da ich vorher nie etwas davon wusste, das gewisse freunde mehr gefühle für mich hegen als umgekehrt.

    es ist wirklich als ob sie sich in einer reihe anstellen würden und davon überzeugt bin, jeder kommt mal dran. wirklich wiederlich!

    natürlich auf der anderen seite tragisch da man nichts gegen seine gefühle machen kann, aber dieses beleidigtsein bis hin zum ausrasten wenn es von meiner seite aus bei freundschaft bleiben soll ist – pardon – unter aller sau.
    ich /wir frauen sind schließlich kein spielzeug das zur freien entnahme steht!

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  31. dave 05.02.2012 um 21:09

    puzzle,

    zuerst mal: die „friendzone“ gibt es nun mal, und sie ist kein schöner ort. ich weiss es, weil ich es schon etwas zu oft erlebt habe. ich habe auch manchmal den eindruck, das manche(!) frauen etwas naiv sind, was die (sexuellen) wünsche und intentionen ihrer „nice guys“ angeht, keine ahnung.

    trotzdem, dein beitrag und auch die verlinkten artikel machen mich schon sehr nachdenklich, was meinen eigenen beitrag zu freundschaftsfalle betrifft. im liebeskummer ist man ja oft wehleidig und egozentrisch und sieht dann nur mehr die eigene perspektive. (wenn die „herzdame“ (in meinem fall) allerdings jedes gespräch verweigert, ist es unmöglich, ihre sichtweise kennezulernen.)

    du hast recht, „nein“ heisst „nein“ und man muss selber damit klar kommen. aber auch manche frauen kommunizieren nicht immer eindeutig, was sache ist, insbesondere bevor es zum coming-out kommt.
    oft beginnt es ja für beide seiten als freundschaft und das (einseitige) begehren stellt sich erst später ein.

    aber ich gebe zu, dass die „nice guy“-masche tatsächlich oft eine (oft unbewusste) strategie mit dem fernziel beischlaf ist, und wenn das dann nicht funktioniert, überlegt man sich ganz automatisch, ob man nicht vielleicht „zu nett“ war, auch wenn das bescheuert ist.

    ich weiss nur, dass ich nicht mit einer frau befreundet sein möchte, an der ich auch ein sexuelles interesse habe. die einzige anständige lösung in so einem fall ist dann wirklich, den kontakt abzubrechen.
    das hat aber nichts mit frauenverachtung zu tun, sondern mit selbstschutz, weils dann oft nur noch weh tut.

    dave

  32. John 21.02.2012 um 13:14

    Danke für den guten Artikel und die lesenswerten Kommentare!

    Ich kenn das Selbst von mir und habe das auch bei zwei sehr, sehr guten Freundschaften mit Frauen durch. Wobei ich sagen muss, nach Abstand, und nachdem sich auch die Gefühle gelegt haben, bin ich mit beiden Mädels weiterhin befreundet, ich finde auch beide weiterhin attraktiv und sie wissen das auch, es würde mir aber nicht im Traum einfallen weiter um sie herumzuschlawenzeln. Umgekehrt kenn ich das selbst, als ein Freund mir nachgerannt ist in der Hoffnung das ich mit ihn vögle, wenn er nett zu mir ist. Was ich festgestellt habe, ehrlich sein den anderen gegenüber die Wünsche, Gefühle und Begierden kommunizieren und darüber reden, auch wenn diese / dieser in einer Beziehung ist. Erst dann kann man eine Lösung finden, dass dies nicht jeder will oder kann, ist eine andere Geschichte.

    Auf der anderen Seite, gibt es meiner Meinung nach auch viele Frauen, die sich das gefallen lassen, es ist doch toll jemanden zu haben der sich um einen kümmert, man sich vielleicht sogar etwas warm hält. Es gibt da zwei Seiten.

    Puzzle, kommst du mal wieder zu dem Stammtisch ;-)

    John

    • Puzzle 22.02.2012 um 7:47

      Ja, zwei Seiten gibt es immer, erwähnte ich oben auch. Aber diese sind eben nicht „frauentypisch“, sondern kommen bei allen-Beziehungskonstellationen vor – das ist dann wohl eher die eingeschränkte Betroffenen-Wahrnehmung.

      Uh, wer hat mich verraten? ;P Ich komme wieder, wenn ich meinen Umzug sowie meine hartnäckige Erkältung hinter mir habe.

  33. Ms Heaven 22.02.2012 um 20:04

    Zum Thema Friendzone kann ich nur sagen, dass die Vernetztheit der Medien zu einem Riesenanteil solche Einzelphänomene der Beliebigkeit, Sex als Ware erst recht multipliziert und „normal“ erscheinen lässt, wie auch das hohe Aufkommen von Filmen wie „Friends with Benefits“ zeigt.

    Danke an xyz für das Einbringen von Günther Anders und dem Thema Kulturkritik/Fernsehen. Kommt auf meine Leseliste. Ich beschäftige mich gerade mit Arendt und es gibt so vieles spannendes Denken drumherum, was heute immer noch hoch aktuell ist bzw. heutige Phänomene in der Philosophie überhaupt erst antizipiert wurden lange bevor sie in Erscheinung traten.

  34. Chris 11.05.2012 um 11:28

    Hi Puzzle, ich finde du hast vollkommen recht.
    Es ist nicht ihre Schuld, dass der Typ zu blöde ist sie „in den Wind zu schießen“. Wenn er es nicht verkraftet, nur ein Freund zu sein, sollte er den Kontakt abbrechen, so schwer das auch sein mag.
    Auf keinen Fall sollte er ihr mehr helfen oder sonstwie für Sie da sein. Das ist hart aber für alle das Beste.

  35. Hellspawn 14.06.2012 um 11:09

    Großartiger Artikel- tausend Dank!

  36. H.O.P. 01.09.2012 um 1:31

    Ich kann deine Meinung zum ganzen Friendzone-getue schon verstehen, nur es gibt auch noch, so denke ich, eine dritte Möglichkeit. Und zwar, dass man unbeabsichtigt in so einer frienzone steckt/gesteckt wird. Denn ich denke, dass friendzone ursprünglich nur ein Überbegriff für eine solche Situation war. Man kann immerhin auch für SIe/Ihn IrgendwasTolles (sei es etwas „Großes“ oder viele kleine Dinge) machn ohne dafür etwas zu erwarten. Aus dem Astrieb heraus für die/den „Angebetete/n“ das Beste zu wollen. Also kurz gefasst, wenn Sie/Er keine Gefühle oder nicht die erhofften Gefühle hat man nur will, dass Sie/Er glücklich ist. Ob mit oder ohne einem. Ist zwar eine auf eine gewisse Art masochistische Aktion, könnte man aber auch als selbstlos bezeichnen. Es ist alles Ansichtssache. :)

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