Fünf vor Burnout

Bisher entgegnete ich auf die Frage, was ich mir denn wünschen würde, wenn ich diesen ominösen »einen Wunsch™« frei hätte, ganz frei heraus: »Mehr Geld!«

Zu 99% folgte daraufhin die Antwort, dass Geld allein nicht glücklich mache blabla, obwohl ich nie »Geld und nichts anderes mehr im Leben« gesagt habe. Die meisten, von denen ich diesen dämlichen Spruch höre, wissen auch gar nicht, wovon ich rede, wenn ich sage, ich hätte kein Geld, sodass ich mir selten die Mühe einer Diskussion mache und lieber wortlos mit den Schultern zucke.

In letzter Zeit fällt mir jedoch auf, dass ich inzwischen sowieso eine andere Antwort geben würde: »Mehr Zeit!«

Nun sind Zeit und Geld ja sowieso eng miteinander verknüpft (das passende Sprichwort kennen wir sicher alle), aber gerade die Belastung durch fehlende Zeit nagt in letzter Zeit immer mehr an meiner Substanz. Ich habe keine »Puffer«, die jedoch dringend nötig sind, wie uns die 1001 Beiträge in Büchern, im Internet oder in Manage-dein-Leben-für-eine-bessere-kapitalistische-Ausbeutung-Seminaren immer wieder vorkauen. Doch ich glaube, Zeit – und vor allem Zeitpuffer – sind ein Privileg, das nicht jede_r einfach so aus dem Hut zaubern kann.

Das soll nicht heißen, dass ich rund um die Uhr im Dauerstress bin, auch wenn es sich an manchen Tagen tatsächlich so anfühlt. Aber ich nehme die Zeit für Dinge, die ich momentan so mache, an Stellen weg, wo sie eigentlich nötig wäre: Schlafen. Essen. Durchatmen.

Neben meinem Studium, welches zusätzlich zur Präsenzzeit noch Zeit fürs Lernen, fürs Lesen, fürs Auswerten und fürs Verfassen von Texten benötigt, habe ich zwei Jobs, bin aktiv in der Fachschaft meines Studiengangs, verbringe jeden Tag zwei bis drei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln und bespaße nebenbei auch noch 2,5 Blogs sowie einen Twitter-Account.

Nun könnte ich sagen, klar, da sind ein paar »nicht so wichtige« Dinge darunter. Aber: die Arbeit in der Fachschaft bringt und bedeutet mir sehr viel und ist das einzige, was mich auch gefühlsmäßig an meine Universität bindet. (Außerdem, ganz ökonomisch gesehen, knüpfe ich dadurch wertvolle Kontakte zu meinen Dozent_innen, Professor_innen und Kommiliton_innen.) Das Bloggen und Twittern wiederum ist mein Ventil, wenn es mir himmelhochjauchzendzutodebetrübt geht, ich mich sehr alleine fühle oder ich einfach mal meine Meinung in die Welt blöken möchte, weil mir ja täglich Dutzende von Menschen auch ihre vor die Füße rotzen. Twitter ist zudem auch eine Form der Kommunikation, die die soziale Komponente realer Treffen ein bisschen ersetzt, denn für diese fehlt – ihr ahnt es! – einfach oft die Zeit.

Meine Follower_innen fangen mich durch ihr »Zuhören« und passende Antworten zudem auch öfter emotional auf, als sie es vielleicht ahnen; vor allem, nachdem ich kürzlich eine eigentlich dringend nötige Psychotherapie abbrechen musste, vor allem aus Zeit- und Geldgründen (aber auch wegen Inkompatibilität zwischen meinem »Weltbild« und dem meiner Therapeutin). Das Twittern einzuschränken wäre für mich daher fatal, zudem es sowieso am wenigsten Zeit raubt, da ich es zu 80% von unterwegs aus tu. Und ich blogge ja sowieso viel seltener, als ich es gerne täte (jetzt z. B. nebenbei auf Arbeit, weil gerade wenig los ist).

Wer meine Tweets liest, weiß auch, wie die oben erwähnten täglichen »zwei bis drei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln« vonstatten gehen und dass es inzwischen auch mal bis zu vier Stunden pro Tag sein können – wer’s nicht tut, dem erspare ich mein Fluchen und zeige mal allein die Zusammenfassung der letzten 24 Stunden von @SBahnBerlin. Wenn ich andere Möglichkeiten als die besch*ssene S-Bahn hätte, glaubt mir, ich würde sie nutzen! ò_ó  Und auch, wenn es sich manchmal ganz lustig/galgenhumorig/surreal lesen mag, was ich da schreibe – in Wirklichkeit ist es das nicht. Es ist wahnsinnig zermürbend, vor allem im kalten Winter, nach einem langen Uni- und Arbeitstag, wenn die Bahnen so krachend voll sind, dass ich nicht mal nebenbei was für die Uni lesen kann.

Vielleicht fällt es auch nur mir als Hochsensible so schwer, das kann ich nicht beurteilen… aber es gibt Tage, an denen muss ich mir die Fingernägel in die Handfläche bohren und auf die Lippen beißen, um nicht in Tränen auszubrechen angesichts der fünften Durchsage, warum die Bahn am dritten Tag in Folge wieder nicht so fährt, wie sie soll und ich bei einem Heimweg, der sowieso schon über eine Stunde dauert, bis zu vierzig Minuten länger nach Hause brauche. Weil ich davon so fix und fertig bin und doch eigentlich noch so wahnsinnig viel zu tun hätte, wofür mir am Ende des Tages sowohl die Zeit als auch schlichtweg die Kraft fehlt. Oder auch die Kraft und Lust, noch mal für irgendein Event am Abend das Haus zu verlassen und mich abermals der Bahn zu stellen. (Und trotz alledem stehe ich meinem S-Bahn-Hass zwiespältig gegenüber, da es doch so viele Gegenden gibt, in denen nach 18 Uhr nicht mal mehr ein Bus fährt.)

Eines ist klar: Ich bin keine Maschine! Ich kann nicht sechs Stunden schlafen und die restlichen 18 Stunden funktionieren-funktionieren-funktionieren. Und ich wette, dass das (fast?) keine_r kann. Zumindest nicht ohne irgendwann krass abzustürzen.

Jede_r muss sich irgendwie, irgendwann Freiraum zum Durchatmen freischaufeln können. Auch, wenn dann die Hausarbeit dafür liegen bleibt, eine tolle/wichtige Veranstaltung nicht besucht werden kann, das Kind mal vor den Fernseher gesetzt wird oder es nur Tiefkühlpizza statt Selbstgekochtem gibt. Ein bisschen Zeit für sich allein ist nicht egoistisch! Es kann nicht sein, dass ich mich dafür rechtfertigen muss, einen Film zu gucken oder ein nicht-akademisches Buch zu lesen. Wo soll denn das alles am Ende hinführen?

Wenn mich wieder einmal eine_r fragt, was denn mein »einer Wunsch™« wäre, würde ich definitiv sagen: »Mehr Zeit!« Und ich ahne sogar, dass mir 99% antworten würden: »Ich auch!«

22 Antworten zu “Fünf vor Burnout

  1. John Dean 13.12.2011 um 16:29

    „sechs Stunden schlafen“

    Mich macht Schlafmangel ganz fix fix und fertig. Nunja, ich bin ja nicht mehr so jung, aber ernsthaft: Wer am Schlaf spart, frisst sich auf.

    (ernste Gefahr: Depression)

    Sorry wegen dem kurzen, brutalen Statement. Kannst du nicht irgendwie etwas näher zur Uni umziehen? Ich vermute mal, dass das wegen der Jobs nicht geht. Hrmpf. Aber irgendetwas müsste sich doch vielleicht machen lassen. Vielleicht lassen sich die Uni-Tage auf nur noch 3 oder 4 konzentrieren, mit Duldung der Dozenten und Hilfe durch Kommilitonen?

    Was die Therapie betrifft: Ein Therapeutenwechsel ist im Rahmen einer erfolgreichen Therapie nicht einmal so unüblich. Vielleicht hast du ja Glück und findest eine_n krankenkassenbezahlte_n Verhaltenstherapeut_in/en, die/der dir zugleich mit deinem Problem gut helfen kann.

    So, jetzt ist es kein kurzes Statement mehr. ;-)

    P.S.

    Wünsch dir Glück!

    • Puzzle 13.12.2011 um 22:48

      Ich weiß selbst, dass das ungesund ist, aber ich habe zudem auch massive Einschlafprobleme. Depressionen sind mir leider auch nicht fremd.

      Umziehen in Berlin ist krass anstrengend, wenn kein Geld da ist. Habe ja vier Monate lang gesucht und am Ende was gefunden, was noch weiter weg ist. Vielleicht sind aber die Verbindungen besser, wird sich im Frühjahr zeigen. Um mir aber diese Wohnung leisten zu können, musste ich einen zweiten Job annehmen. Die Sache wird also nicht einfach so besser.

      Zur Therapie: Siehe unten, was kiturak sagt und ich antwortete.

      Trotzdem danke fürs Glück wünschen. :)

  2. kiturak 13.12.2011 um 18:25

    ohhhhhh …
    Ich find mich so wieder in dem hier, obwohl ich nichtmal richtig „ich auch“ sagen kann (ich habe das Zeitproblem nicht … wirklich), außer dem Therapieding, das kenn ich. Wie an anderer Stelle schon gesagt, schon zwei Therapeutinnen durch, die mein bi- und/oder poly-sein ganz offen als psychischen Mangel konstruiert haben, und das geht nicht, das ist nicht einfach so eine Nebensache – und, grad bei Depressionen, können sich Leute garnicht vorstellen, was „Therapeut_innenwechsel“ für ein kaum überwindbarer Berg sein kann, jedesmal wieder von Neuem. Allein der Faktor, erstmal jemand Kompetentes (= Nicht-Diskriminierendes, bitte) zu finden, für mich in einer klein- bis mittelgroßen Stadt („hm, die klingt toll. Aber fahre ich dafür nach Frankfurt, jedesmal 3 Stunden Fahrtzeit?“ „Hm, die klingt toll. Ach verdammt, zahlt die Kasse nicht.“ „Keine Kapazität, in einem Jahr wieder“) … „mach halt Therapie“, sagen die Leute. Ja, das sagst Du so.
    Das zu @John Dean.

    Ansonsten: Danke für den Artikel. Krass.

    • Puzzle 13.12.2011 um 22:44

      Ja, das mit der Therapie ist echt nicht einfach – auch aus den Gründen, die du beschreibst. Sie hat mich nicht ernst genommen, wenn ich über Bisexualität gesprochen habe, über Asexualität, über Poly, über queer, übers Zustimmungskonzept(!) und über dominantes Redeverhalten. Eigentlich hat sie alles immer abgetan, außer, es ging um meine Mutter. (!!) Das ging mir sehr schnell auf den Keks, aber am Anfang brauchte ich den Platz so dringend und hatte Angst, da wieder aufzuhören und dann keinen mehr zu bekommen (hatte auch so sechs Monate warten müssen).

      Als ich mich dann endlich durchgerungen habe, dort trotz meiner Probleme aufzuhören, hat sie mich unglaublich bearbeitet, doch dort zu bleiben, mich der Feigheit beschuldigt, weil ich abbrechen wollte, gesagt, ohne sie käme ich nicht klar und sie könne mir nun mal nicht sooo schnell helfen… aber ich war dort viermal die Woche, vier Monate lang, und es hatte mir absolut nix gebracht!

      (Eines der Probleme, wegen denen ich da war, war das Nicht-Nein-Sagen-Können und der emotionale Missbrauch, dem ich jahrelang ausgesetzt war – und sie macht dann genau dieselbe Scheiße mit mir?! Damit hat sie mir Gott sei Dank indirekt geholfen, denn ich war am Ende so wütend und trotzig, dass ich das Nein-Sagen nach dem vierten oder fünften Anlauf durchziehen konnte. Die dennoch sehr schwierige Aktion ließ sich ja vor etwa einem Monat auf Twitter mitverfolgen, auch wenn die meisten nicht wussten, um welches Nein-Sagen es eigentlich geht.)

      Momentan habe ich einfach nicht die Kraft, bei einer neuen Therapeutin anzufangen. Nach meinem Umzug im Frühjahr vielleicht.

      • Irene 17.12.2011 um 22:25

        Eigentlich hat sie alles immer abgetan, außer, es ging um meine Mutter.

        und

        aber ich war dort viermal die Woche, vier Monate lang

        Ich kombiniere: Klassische Psychoanalyse. Vielleicht ist das die ganz falsche Methode für Dich? Nicht nur wegen des konservativen Weltbilds, sondern auch wegen der Grundannahme, dass die Ursache Deiner Probleme nur in Dir selbst liegen kann? Und die Analytikerin immer recht hat, und Du damit rechnen musst, dass eine abweichende Sicht pathologisiert und demontiert wird? Wobei das schon sehr krass ist:

        Als ich mich dann endlich durchgerungen habe, dort trotz meiner Probleme aufzuhören, hat sie mich unglaublich bearbeitet, doch dort zu bleiben, mich der Feigheit beschuldigt, weil ich abbrechen wollte, gesagt, ohne sie käme ich nicht klar

        Vielleicht hilft es Dir, Erfahrungen von anderen Analysegeschädigten zu lesen (z.B. http://www.psychoanalyse-kritik.de ) oder Bücher, die die Psychoanalyse kritisieren. Oder gar Therapie allgemein. Falls Dir nach einem klugen Lästermaul ist (vielleicht für die S-Bahn): „Lexikon der Psycho-Irrtümer“ von Rolf Degen. Gibts für paar Euro bei Booklooker und bei Amazon-Kidle. Habe bisher nur den ersten Teil gelesen, war bisschen pauschal formuliert, aber dennoch sehr interessant. Das Buch ist allerdings schon zehn Jahre alt und eine Gegenreaktion auf frühere Jahrzehnte, in denen man den Menschen ausschließlich als Produkt seiner frühkindlichen Erfahrungen und seiner gesellschaftlichen Sozialisation begreifen und entsprechend umfassend ummodeln wollte.

        Mehr Literaturhinweise gibts bei Bedarf hier:
        http://www.gwup.org/infos/themen-nach-gebiet/66-gesundheit/71-psychoanalyse

        (Ich habe nie eine Analyse gemacht, aber anderweitig schlechte Erfahrungen mit dieser sehr speziellen und wichtigtuenden Weltsicht.)

  3. Stephanie Mayfield 13.12.2011 um 19:01

    Ach und wie Geld glücklich macht – wieviel Schokolade, Technikkram usw. sich allein damit kaufen lassen, um den ganzen Stress wenigstens zu belohnen ;-) – mal abgesehen davon, dass Geld auch Zeit kaufen kann.

    Danke für die Verknüpfung mit den Verspätungen/etc. von öffentlichen Verkehrsmitteln, hatte das bisher nicht auf dem Schirm.

  4. Lara 13.12.2011 um 22:31

    Anmerkung von Puzzle: Diesen Kommentar schalte ich nur frei, um zu zeigen, warum er nicht hilft und in Zukunft bitte in dieser oder ähnlicher Form steckengelassen werden kann – egal, wie nett er gemeint sein mag!

    Naja Zeit ist ja auch wirklich wichtiger als Geld – was nützt Dir z.B. eine Kreuzfahrt, wenn Du keine Zeit hast, sie anzutreten? (@STephanie: „Zeit kaufen“? Ghostwriter bezahlen, oder was?)

    Zur Therapie, wäre es das nicht wert, eine Stunde pro Woche dafür aufzubringen? Vielleicht nicht bei der alten Therapeutin, aber einer/einem neuen?

    Ansonsten, Kopf hoch, wird schon! :)))

    • Puzzle 13.12.2011 um 23:02

      Mir ist vorhin bei deinem Kommentar fast die Kinnlade auf den Tisch geklappt und gleichzeitig die Hutschnur hochgegangen! Ich rede nicht von „Geld für eine Kreuzfahrt“ oder andere Figuckchen, sondern von Geld für Essen, für Kleidung, für Miete oder für einen Kinobesuch. Denn es gibt viele Menschen, die sehr genau abwägen müssen, welche dieser Ausgaben sie im Monat tätigen müssen und welche davon sie tätigen können. Ich tue mich schon schwer damit, mal 3 (drei!) Euro in der Mensa auszugeben, weil ich mit einem mitgebrachten Brot günstiger käme. Ich gehe aber ungern mit meinen Freund_innen in die Mensa und steche heraus, indem ich mir kein Essen hole (zudem dies offiziell sogar verboten ist in meiner Mensa). Und genau wegen solcher Annahmen und Aussagen beginne ich eine Diskussion über Geld nie. Allein die Wahrnehmung klafft viel zu weit auseinander!

      Zur Therapie: Gehe bitte nicht davon aus, wie lange sie dauerte oder wie intensiv sie war. (Es waren vier Stunden die Woche, plus jeweils eine Stunde Hin- und Rückfahrt. Macht zwölf Stunden pro Woche, die ich schlussendlich nicht mehr aufbringen konnte. Und bei der „Hilfe“ auch nicht mehr wollte.)

      • John Dean 14.12.2011 um 10:18

        „zudem dies offiziell sogar verboten ist in meiner Mensa“

        Bitte, was??! Meine Güte, haben sich die Zeiten verändert. Bei sowas konnten wir früher (Fachschaft) sofort Alarm machen. Meistens gab es sogar nur ein kurzes Gespräch mit dem Dekan, und der hat das dann für uns erledigt.

        Wäre ein kleiner Sieg über Diskriminierung. Und, pardon, drei Euro finde ich jetzt auch nicht gerade wenig. Überall habt ihr heute diesen Struggle. *seufz*

        • Puzzle 14.12.2011 um 10:31

          Tja, ich muss mindestens irgendein Gericht/Getränk aus der Mensa nehmen, sonst darf ich dort eigentlich nicht sitzen; im hinteren Bereich fällt das nicht auf, im vorderen bin ich (vor allem morgens) schon mehrmals gebeten worden, zu gehen. In größerer Gruppe ist es auch einfacher als alleine oder zu zweit, und es kommt auch auf die Mensa-Mitarbeiter_innen an – die meisten haben gar keine Zeit, sich darum zu kümmern. Aber irgendwo kann ich es auch verstehen, denn es sollen ja die Plätze für diejenigen frei sein, die dort auch tatsächlich essen.

          Ich esse tatsächlich selten für 3 Euro, aber ich denke, das sind trotz allem noch ziemlich vernünftige Preise im Vergleich zu Restaurants oder so.

          • Stephanie Mayfield 14.12.2011 um 11:13

            Ich weiß nicht, wie das in Berlin ist, aber in Mainz wird die Mensa vom Studierendenwerk gestellt, welches jede_r Student_in über den Semesterbeitrag bezuschusst. Dafür hat das Studierendenwerk u.a. die Aufgabe finanzierbares Essen für die Studierenden zur Verfügung zu stellen.
            Wie von Dir geschildert, ist das offensichtlich nicht der Fall, dementsprechend muss (wenn die Situation in Berlin ähnlich zu Mainz ist) zumindest der AStA soweit aktiv werden, dass wenigstens die Räumlichkeiten nutzbar sind – es ist jawohl eine Frechheit, die Preispolitik unfinanzierbar zu gestalten und dann auch noch die Räumlichkeiten zu verweigern! (Dafür zahl ich als „reiche“ Studentin echt nicht ca. 80 € im Semster, um die Mensa nicht zu nutzen, kein Studiwohnheim zu bewohnen etc, wenn das Solidarmodell nicht funktioniert. *grrrr*)

            • Puzzle 14.12.2011 um 11:26

              Das ist bei uns auch so mit dem Studentenwerk. Und wie ich bereits schrieb, das Essen ist finanzierbar, und gerade an meiner Mensa gibt es eine echt große Auswahl. Allerdings überlege ich tatsächlich oft, ob ich mir zwei Beilagen (Kartoffeln, Reis, Gemüse…) leisten will oder lieber auf eine verzichte, denn dort wurden die Preise seit Beginn meiner Unizeit arg angehoben… und da ich ziemlich wenig esse, fühlt es sich für mich verschwenderisch an, für 10 Pommes 70 Cent extra zu zahlen (aber 30 Pommes würden eben dasselbe kosten).

              Ich bezog mich mit den drei Euro auch mehr darauf, dass ich von meinen Kommiliton_innen oft Unverständnis ernte, wenn ich sage, ich nehme einfach das Billigste. Ich mag mich dafür dann eigentlich auch nicht rechtfertigen bzw. nerven mich die Kommentare („Hä, das Essen vom Aktionsstand kostet doch aber nur 4 Euro?!“) schon öfters, als ich zugeben will. Na ja.

  5. ryuu 13.12.2011 um 23:50

    Liebe Puzzle! Danke für diesen offenen Blogeintrag. Ich habe das Jeden-Cent-Dreimal-Umdrehen im Studium und im Jahr danach auch durchlebt und ich hoffe, ich vergesse nie, wie das war (wenn ich auch hoffe, daß ich das nie wieder erleben muß).

    Zur Therapie: ich könnte über das Problem, als nicht-normative Person eine_n Therapeut_in zu finden, auch zumindest mal einen laaaangen Artikel schreiben. Viermal die Woche ist echt kraß viel, gerade in Deiner Zeit- und Wegesituation. Gut, daß Du diese ungute Situation beendet hast; ich glaube, wenn ein_e Therapeut_in wesentliche Teile von einer_einem nicht verstehen kann und will, bringt das einfach nix.

    Und ab und zu ein Film oder ein nichtakademisches Buch – das ist kein Luxus, das ist Batterieaufladen. Ich kann Dich nur darin bestärken, öfter einfach mal den Saustall Saustall sein zu lassen.

    • Puzzle 14.12.2011 um 13:14

      Danke für deine aufmunternden Worte! :)

      (Zur Therapie: ich fand 4x pro Woche von Anfang an Scheiße, aber ich wurde NACH Antritt der Therapie vor die Wahl gestellt „4x oder gar nicht!“ – und zu dem Zeitpunkt war ein „gar nicht“ einfach gerade nicht drin. Leider wurde die 4. Stunde nicht mehr von der KK getragen, also musste ich pro Woche 50 Euro selbst zahlen (eigentlich 80, aber ich konnte die Therapeutin vorläufig runterhandeln). Und dann hieß es, ich solle mir einen 2. Job suchen, damit ich mehr Geld habe. Und als ich meinte, das ginge u. a. wegen der Therapiezeiten kaum (lagen meist mitten am Tag), gab sie mir die Schuld, ich würde mich nicht genug bemühen. Das war alles von vorne bis hinten einfach nur Scheiße, aber komm da mal als sowieso angeschlagender Mensch so schnell wieder raus.)

      • John Dean 14.12.2011 um 15:49

        Wohl war. Ehrlich, ich empfinde es als geradezu bösartig geschäftssinnig seitens der Therapeutin, die deine zeitliche und finanzielle Lage kannte, auf eine 4. Therapiestunde zu bestehen.

        Unfassbar. Tschuldige, aber so etwas kann ich garnicht begreifen. Wie gut, dass du dich daraus befreien konntest. Und über 200 Euro pro Monat: Das ist für dich bestimmt nicht wenig. Für mich grenzt so ein Verhalten seitens eines Therapeuten fast schon an Missbrauch.

        Die Verhaltenstherapeuten, die ich kannte, waren nicht so drauf. Da habe ich wohl Glück gehabt. Wobei, den ersten Therapeuten (ein Psychoanalytiker) den habe ich noch in der ersten Stunde gekickt. Ich hätte mich fast schon nicht mehr daran erinnert.

        Hat dir die Therapeutin eigentlich 10 Stunden (Behandlungsstunden) Zeit gelassen, bevor du dich für oder gegen sie entscheidest? So kenne ich das. Ich denke ja eigentich immer noch, dass sich das so gehört.

        Denn: Als Patientin bis DU der Souverän! So sollte es sein. Anders macht eine Therapie, so weit ich das überschaue, eher keinen Sinn.

        • Irene 17.12.2011 um 22:52

          Anschlussfrage: Hast Du für die selbst bezahlten Stunden eine Quittung bekommen? Wenn Du schwarz bezahlt hast, kann von „runterhandeln“ nicht die Rede sein.

        • Michael 17.12.2011 um 23:17

          Hey,
          es tut mir sehr Leid von deinen schlechten Erfahrungen bei der Therapie zu hören.
          Ich war für meine Therapie in Berlin bei dem Ausbildungszentrum der deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (dgvt) und dort ist es für mich eigentlich recht gut gelaufen nachdem sich mein Therapeut auf mich eingestellt hatte. Dass diese Therapeut_innen noch in Ausbildung sind hat ein paar Vorteile. Die sind noch recht jung und somit unserer Lebensrealität wesentlich näher. Du bekommst dort deutlich schneller einen Termin. Die sind noch motivierter und halten regelmäßig mit ihren Ausbilder_innen Rücksprache so, dass es auch dort eine gewisse Sicherheit, dass die Therapie in einigermaßen geordneten Bahnen verläuft. Dort sollte es im Zweifelsfall auch leichter sein zu wechseln, falls das wirklich wieder notwendig werden sollte, da dort eben auch sehr viele Psycholog_innen arbeiten.
          Vielleicht helfen dir meine Erfahrungen ja wenn du dich auf die Suche nach einem neuen Platz machst.

          Und was ryuu schon gesagt hat: Ein Film, ein Buch, ein (PC-)Spiel, ein wenig Musik, etc. ist etwas was dir zusteht ohne wenn und aber. Das ist einfach Krafttanken.

      • Irene 19.12.2011 um 14:00

        Mir ist noch was dazu eingefallen:

        Zur Therapie: ich fand 4x pro Woche von Anfang an Scheiße, aber ich wurde NACH Antritt der Therapie vor die Wahl gestellt „4x oder gar nicht!“

        Ich nehme an, dass sie das nicht durfte, denn sie hatte ja einen Vertrag mit der Krankenkasse. Das kannst Du direkt bei der Kasse erfahren. Was Du jetzt machen könntest, ohne viel zu riskieren: Per Brief (mit oder ohne Anwalt, aber per Einschreiben mit Rückschein) das bezahlte Geld zurückfordern, und wenn nix kommt, einen gerichtlichen Mahnbescheid nachlegen. Der kostet nur eine moderate Verwaltungsgebühr, wenn Du ihn selbst ausfüllst.

  6. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Geld, Aussehen und (fehlende) Inklusion – die Blogschau

  7. Conrad 06.01.2012 um 21:45

    Inspirierender Artikel.Ich habe einige gute Gedankenanstoesse gekriegt. Warte auf weitere Beitraege zum Thema.

Ich freue mich immer über Kommentare! Ich werde sie innerhalb von 24 Stunden freischalten – wenn nicht, wird das seine Gründe haben.

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