»1000 mal berührt«

Dieses Lied, das letztens im Radio lief und das den meisten von euch sicherlich mal über den Weg bzw. die Ohren gelaufen ist, hat mich ja immer etwas gewundert. Warum es das tat, ist jetzt ein sehr persönlicher Eindruck, geprägt durch meine eigenen Erfahrungen; von daher würde ich mich sehr über andere (positivere) Erfahrungen freuen!

Also, was ich mich bei diesem Lied immer frage, ist, wie es überhaupt zu diesen tausend Berührungen kam? In meinen bisherigen Freund_innenkreisen wurde und wird mit Berührungen nämlich sehr sehr sparsam umgegangen, sodass die tausendundeinste Berührung vermutlich nicht mal im Rentenalter zustande gekommen wäre. (Wir geben uns ja nicht mal die Hände zur Begrüßung, wobei das unter Freund_innen vermutlich eher seltsam gewesen wäre.)

Handschläge und ähnliche Berührungen will ich im Folgenden auch gar nicht mitzählen, sondern ich meine vor allem längere, zärtliche Berührungen, die ich in meinem Leben fast nur von meinen Eltern (vor allem als Kind) oder Liebhaber_innen kenne. Und ich weiß nicht, ob das nur mir so geht, aber ich traue mich auch sehr selten, andere zu berühren… sogar, wenn ich eine_n trösten will. Im letzten Fall mache ich es zwar meist trotzdem, aber ich habe immer Angst, es könnte falsch verstanden werden – nämlich sexuell.

Ich glaube ja, dass alles, was über eine flüchtige Berührung hinausgeht (von medizinischen/therapeutischen mal abgesehen), oft impliziert, dass es »mehr«  wäre als nur eine freundschaftliche Berührung. Und da frage ich mich wiederum, ob ich nur wegen dieser implizierten sexuellen Konnotation schon immer vor solchen Berührungen zurückgeschreckt bin und dies heute noch tue? Unter anderem, da ich ja sowohl auf Frauen* als auch auf Männer* stehe und nicht will, dass sich jene, bei denen ich eine Berührung nicht sexuell meine, diese vielleicht trotzdem so verstehen könnten.

Es gibt Menschen, die mag ich sehr gerne, und wenn ich mich mit ihren freue, möchte ich auch mal ihre Hand drücken und sie festhalten. Wenn ich mit ihnen zusammen in der Bahn nach Hause fahre, würde ich manchmal gerne meinen müden Kopf auf ihre Schulter legen, um mich auszuruhen. Oder ihnen, wenn sie stöhnend über einer Hausarbeit sitzen, die Schultern massieren. Mache ich aber alles eher selten. Wenn es ihnen mal schlecht geht, würde ich sie gerne in den Arm nehmen und ihnen den Nacken kraulen, anstatt nur kurz tröstend die Hand auf die Schulter zu legen. Wenn ich neben ihnen auf der Couch sitze und einen Film gucke, weiß ich nicht, wohin mit meinen Armen, nur, weil ich ungewollte Berührungen vermeiden möchte. Und so weiter.

Obwohl wir sehr gut befreundet sind, halte ich bei den meisten eine unsichtbare Grenze ein. Bei Leuten, die ich sehr mag, aber noch nicht so gut kenne, noch viel mehr. Ich will sie nicht in Verlegenheit bringen und/oder ihnen »falsche Hoffnungen«  machen. Ich meine es nämlich so gut wie nie sexuell, sondern einfach nur zärtlich. Und das ist für mich nicht dasselbe. Hm.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich eigentlich ein Mensch bin, der gerne zärtlichen Körperkontakt hat und glaube, dass es davon in unserem Kulturkreis oft viel zu wenig gibt. Und jetzt wüsste ich gerne, ob nur ich das so empfinde (und dann bei mir was ändern muss) oder ob es anderen auch so geht? Und wie mensch damit umgeht?

46 Antworten zu “»1000 mal berührt«

  1. K.J. 09.11.2011 um 19:12

    Ich glaube, es gibt da sehr unterschiedliche Leute, und um da eine generelle Antwort zu bekommen, müsste man schon Tausende befragen. Ich selbst bin auf der einen Seite der Extreme, ich habe eine Phobie vor Berührungen, und kann höchstens noch ein Händeschütteln oder eine Geldübergabe-beim-Kassieren ertragen, anderes nur mit Übung und Vorbereitung (Es bleibt trotzdem ‚ertragen‘, es ist niemals ’natürlich‘ oder gar angenehm) .

    Ich teile die Menschen ständig in diesbezügliche Schubladen ein, um gegebenenfalls vorgewarnt zu sein. Sexuell werte ich solche Dinge eigentlich eher nicht (bei mir oder wenn ich sie etwa bei anderen sehe). Manche Leute sind eben ‚physischer‘ als andere, und die ganze Bandbreite kommt vor.
    Mir fallen nur drei bis vier Leute ein, bei denen ich da auf irgendwie geartete „sexuelle“ Sachen geschlossen hätte.
    Ich kann mir vorstellen, dass das viele als normal akzeptieren würden, und auch mögen, mit nur eher seltener (temporärer) Verwirrung, ob da nun ein ‚weiterer Zweck‘ hintersteckt. Also, so grob geschätzt, 80% kein Problem.
    Sicher bin ich mir nicht, da mein Ansatz „stell es dir bei dir selbst vor“ da total scheitert. Iiih, Berührungen.

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:19

      Das mit der Phobie tut mir Leid zu hören. Solche Züge hatte es bei mir zwischenzeitlich mal (wobei nicht ganz so stark, wie es bei dir klingt), aber das ist Gott sei Dank vorbei.

  2. Bäumchen 09.11.2011 um 20:35

    Mensch, Berührungen …
    Meistens fällt es mir leicht, wenn die andere Person von Anfang an einen zärtlicheren Umgang mit mir pflegt. Wenn nicht, bleibt die Beziehung eher berührungslos. So hat es sieben Jahre gebraucht, bis meine beste Freundin und ich uns mal umarmt haben, einfach weil wir unsere Freundschaft als so verkopft erlebt haben, dass wir uns gar nicht als Körper wahrnahmen …
    Heute kam mein Mitbewohner in die Küche und kochte neben mir sein Süppchen. Er hatte Rückenschmerzen und sagte das immer mal wieder. Ich wusste, dass ich ihn gerne kurz massiert hätte, und ich wusste sogar, dass er das auch wollte. Ich traute mich trotzdem nicht. Ich hätte es ebenso nicht sexuell gemeint, aber es warf Fragen in mir auf, OB ich es sexuell meine, weil ich versuchte, mich in meiner Wirkung nach außen einzuschätzen … und schon ist die Blockade da.
    Üben, sag ich da. Ich mein, von manchen Menschen mag ich immernoch nicht berührt werden, sowas gibt es auch … Aber üben, Berührungen bei einer neuen Bekanntschaft vielleicht schon normal einsetzen, die Hand auf dem Oberarm oder so … ich glaub, Nähe muss gelernt sein. Hab jetzt einige Kuschelfreundschaften und find das sehr angenehm :-)

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:21

      Die Situation, die du beschreibst, kenne ich so ähnlich sehr gut. Und mit dem Üben, ja, ich habe eine Freundin, die sehr „verknuddelt“ ist und die mich da tatsächlich ein wenig lockerer gemacht hat, zumindest in Bezug auf sie. Aber da war ja ziemlich schnell klar, dass das echt nur freundschaftlich ist.

  3. Khaos.Kind 09.11.2011 um 21:05

    Um noch mal eine andere Perspektive reinzubringen:
    In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass ich eigentlich ein recht körperlicher Mensch bin. Eine, die eben lieber umarmt als Hände zu geben (natürlich nicht allen und je nach Anlass wäre das auch unangemessen), die müde/erschöpft wirkenden Menschen anbietet, ihnen die Schultern zu massieren, die gerne mit FreundInnen kuschelt oder auch mal Händchen haltend durch die Stadt geht. Ich käme wohl recht schnell auf die 1000 Berührungen.

    Allerdings war das nicht immer so und spätestens seit meinem Umzug nach Wien und das komplett neue Umfeld ist es auch zurück gegangen. Weil es nicht nur auf mich, sondern auch auf die Menschen drum herum ankommt.
    Mir hat es geholfen, solche Bedürfnisse nach Berührungen auszusprechen. Wenn ich mal in den Arm genommen werden will oder meinen Kopf auf jemandes Schulter legen möchte. Dann frage ich, ob das in Ordnung für die andere Person ist und je nach Antwort mach ich es dann oder eben nicht. Gerade wenn ich Menschen noch nicht so gut kenne aber eine grundsätzliche Sympathie da ist, die auch intensivere nicht-sexuelle Berührungen Raum bietet, „warne“ dann auch mal vor, dass ich eben hin und wieder körperlich agiere und das aber nicht sexuell gemeint ist. Wenn eineN das stört, soll er/sie/es mir einfach sagen. Ich kann gesetzte Grenzen auch problemlos einhalten. :)

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:25

      In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass ich eigentlich ein recht körperlicher Mensch bin.

      Genau das habe ich in den letzten Jahren auch bei mir gemerkt; vorher habe ich es immer unterdrückt, weil ich das leider auch aus meiner Kindheit nicht kenne und ich auch mit dem Bedürfnis nach Nähe nicht gut umgehen bzw. es nicht gut ausdrücken kann. Es fehlt quasi der „Grund“, für den ich mit Nähe „belohnt“ werden kann – da stecken ganz viele emotionale Altlasten von früher dahinter, das ist mir klar.

      Aber der Rat, nachzufragen bzw. es anzukündigen, taucht in den folgenden Kommentaren öfter auf, und ich werde versuchen, dies umzusetzen. Mal schauen, ob das klappt, weil solche Fragen ja auch komisch sein können… kommt halt stark auf das Umfeld an.

  4. Johannes 10.11.2011 um 9:26

    Ich berühre auch gerne und mag es auch, berührt zu werden. Mit dem Sichtrauen ist es bei mir eine Sache des sozialen Kontextes. Im Kollegenkreis ist es tabu. Im Freundeskreis kommt es drauf an.

    Ich bin Esperantosprecher und in der Esperantoszene tut man sich mit freundschaftlichen Berührungen irgendwie leichter. Keine Ahnung warum. Wenn wir unter Esperantofreunden einen Filmeabend machen, binden wir einen Beamer an einen Stuhl, lassen ihn an die Decke projizieren und schauen vom Matrazenlager auf dem Boden. Kuscheln, Streicheln, Kraulen, Händchenhalten kommt da durchaus vor, muss aber nicht.

    Bei einem Filmeabend außerhalb Esperanto könnte ich mir das nicht vorstellen.

    Auch so sind Berührungen, Umarmungen, spontanes Massieren, Händchenhalten, Aneinanderlehnen, ktp. unter Esperantosprechern — zumindest bei den unter 40jährigen — viel häufiger als sonst.

    Johannes

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:26

      Das kenne ich so von früher in der Anime-Szene. Ich habe mich leider nie getraut, da mitzumachen; aber schön zu hören, dass es das auch woanders in ähnlicher Form gibt. :)

  5. John Dean 10.11.2011 um 12:25

    Ist vielleicht auch immer eine Frage des jeweilige Umfelds, und auch, wie mensch selbst auftritt – und dann wahrgenommen wird. Ich finde es sehr angenehm, wenn freundlich gesinnte Menschen mich nicht-sexuell berühren. Bei „Migranten“ scheint das meiner Erfahrung nach, jedenfalls unter Männern, unproblematischer zu sein – zwischen den Geschlechtern ist das so eine Sache, und kann leicht als sexueller Ausdruck verstanden werden.

    Ich hatte mal eine Phase, wo ich meine emotionale (freundschaftliche) Gesinnung ziemlich viel mit dem Berühren von anderen verbunden habe. Damit habe ich aber eher schlechte Erfahrungen gesammelt, weil mir das allzu oft als Annäherungsversuch oder Belästigung ausgelegt wurde. Dementsprechend habe ich es dann eingestellt, und zwar sogar vollständig, das aber auch unter dem Eindruck von Diskussionen in linken Plenen.

    Aber mir persönlich fehlte damit eine wichtige Ausdrucksform, und einige Jahre später bin ich zu einer Art Kompromiss gelangt, bei dem von mir erstens nur diejenigen berührt werden (und dies auch eher selten, vielleicht ein oder zweimal pro Woche), wo es eine Art wechselseitige freundschaftliche Vertrautheit gibt (z.B. Kollegen, politische Genossen, Freunde auch – aber nur diejenigen, bei denen ich weiß, dass sie es mögen). Ich finde einfach, dass das tröstende, ermutigende usw. gegenseitige Berühren dazu gehört. Ich finde es auch schlicht positiv.

    Dann gibt es aber auch ein Berühren, dass sich in einer Art Grauzone zwischen Annäherung und freundschaftlichem Verhalten befindet. So massiere ich ganz gerne, ja richtig supergerne, anderen Menschen (aber nur denjenigen, die ich ziemlich mag) Schulter, Nacken und Rücken. Ich weiß, dass ich das geradezu sensationell gut kann (z.B. in Hinblick auf die Entspannungs- und Entkrampfungswirkung), und es bereitet mir auch viel Freude, solange es nicht in regelrechte Arbeit ausartet (nach ca. 15 Minunten). Es ist zwar weitgehend nicht-sexuell (sondern: freundschaftlich), oft auch nur ein hochwirksames Bekämpfen von Kopfschmerzen, uber ein gewisses sexuelles Moment kann da auch hinein spielen, teils sogar Männern gegenüber. Aber so lange es für beide Teile angenehm ist, sehe ich da kein Problem. Es kann sogar vorkommen, in bestimmten Gruppen, dass eine Art Privilegienneid ausbricht, darum, wer von mir massiert wird. Auch nicht ganz einfach, finde ich, und auch darum beschränke ich in Gruppen meine „Massagedienste“ dann auf ganz wenige Personen – was aber i.d.R. die sexuelle Komponente wiederum verstärkt. Entscheidend ist natürlich, in jedem Falle, das wechselseitige Einvernehmen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass mir mein typisches Verhalten, das ja durchaus auch eine Annäherungskomponente beinhalten kann, von genderfeministischer Seite als „Belästigung“ ausgelegt werden kann.

    Wie mensch es auch macht: Irgendwas ist halt immer falsch. Was wiederum bedeutet, dass ich meiner Linie treu bleibe – zumal, ein Leben ohne Berührungen ist in meinen Augen ein reduziertes Leben.

    Diejenigen, die nicht berührt werden möchten, spürt mensch ziemlich schnell – i.d.R. noch weit vor der ersten Berührung. Denn vor der Berührung liegt ja – und das ist spürbar – ein jeweils spezifisches Bedürfnis des Anderen nach Distanz (oder auch Nähe). Wo Nähe erkennbar Unwohlsein oder Nervosität auslöst, liegt eine freundschaftlich gemeinte Berührung entsprechend fern.

    Mein Rat ist: Mehr Mut zur Nähe! Mehr Mut zur Berührung!

    (solange das nicht auf Widerwillen stößt)

    Denn das bereichert das Leben.

    Damit, dass mich manche feministische Frauen in Gruppen als „typischen Grabscher“ einstufen (das kommt gelegentlich vor – obwohl ich diesen Frauen ohnehin fern bleibe – Ausnahmen gibt es hier auch, und auch hier stets einvernehmliche), kann ich gut leben.

    Nach meinen Beobachtungen, das finde ich ziemlich interessant, sind „feministische Männer“ bzw. entsprechend beeinflusste Männer tendenziell eher als die übrigen Männer in der Lage, ihre Emotionen bzw. Zuneigung durch Berührungen mitzuteilen.

    Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich denke: gut.

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:46

      ein Leben ohne Berührungen ist in meinen Augen ein reduziertes Leben

      Für mich auch, wobei das tatsächlich nicht jede_r so sieht. Aber ich kenne leider auch Leute, die – wie du beschreibst – eher grabscherhaft wirken, und das wäre mir schon arg zuviel. Ganz schwierig finde ich dies bei Freund_innen, bei denen ich nicht gleich zu Anfang klargestellt habe, dass ich das nicht will, denn hinterher wirkt es wie ein „vor den Kopf stoßen“. Daher habe ich mit ihnen den Umgang gesamtgesehen reduziert… aber das soll ja eigentlich auch keine Lösung sein.

      Dementsprechend habe ich es dann eingestellt, und zwar sogar vollständig, das aber auch unter dem Eindruck von Diskussionen in linken Plenen.

      Das habe ich nicht verstanden.

      • John Dean 11.11.2011 um 13:57

        Naja, das war bei damals eine Zeit, wo ich extrem viel Zeit in linken Plenen verbrachte, die ständig und ausdauernd männlichen Sexismus, Gendertheorie zur Sprache brachten, inklusive Tabuisierung diverser Formen sozialen Umgangs. Es ging in einzelnen Plenen so weit, dass sogar jedes harmlose Flirten, so weit es vom Mann aus geht, als „übergriffig“, „Belästigung“ oder gar „Gewalt“ dargestellt wurde bis hin zum Ausschluss von Männern aus Gruppen, die sich – angeblich – an die Verhaltensvorgaben nicht hielten.

        Damals war ich ziemlich unsicher und von diesen Diskussionen schwer beeindruckt. Ich habe mich teils nicht mehr getraut, Frauen überhaupt länger als eine zehntel Sekunde lang anzuschauen – immer in der Befürchtung, ansonsten Belästigerer zu sein.

        Ulkig, das das bei mir so großen Eindruck machte, denn ich stand ja in diesen Gruppen nie in der Kritik, was auch damit zu tun hatte, dass ich mich dort in Sachen was Nähe oder Flirt stets extrem zurückhaltend verhielt. Außerhalb dieser – auf mich offenbar teils repressiv wirkenden – Plenen/Gruppen war ich in Sachen Nähe und Berührungen normaler. Aber das gab sich dann im Laufe der Zeit und ich traute mich als Mann praktisch garnichts mehr. Für mich stand alles unter Tabu, was aus einer linken, genderemanzipativen Perspektive auch nur entfernt als Berührung oder sexuelle Annäherung verstehbar war.

        Was sicherlich mit meiner damaligen Ich-Schwäche zu tun hatte und auch damit, dass ich damals sehr leicht zu beeindrucken war. Wenn ich mich in Nachhinein frage, ob mein damaliges, eingeschüchtertes Verhalten wenigstens für die Frauen in diesen Gruppen gut war (quasi: „safe place“), denke ich, dass das exakte Gegenteil zutrifft. Meine geradezu maximalisierte Einschüchterung (bzw. das „Nähe-Tabu“) führte dazu, dass ich befreundete Frauen aus diesen Gruppen nicht einmal in den in den Arm nahm, wenn diese sich zu einer längeren Auslandsreise aufmachten und auf meine Arme erkennbar warteten. In dieser Phase wurden Frauen aus diesen linken Gruppierungen, die ich gut kannte, privat gut kannte, sehr mochte und anziehend fand, von mir konsequent zurückgewiesen, sogar, wenn sie sich mir gegenüber eindeutig erklärt haben und meine Nähe wollten.

        War scheiße.

  6. pazmil204 10.11.2011 um 14:37

    Bei mir ist das mit dem Nähe- und Distanzverhalten auch mir selber nicht immer klar: Zum einen habe ich im „allgemeinen“ Setting sehr Probleme damit, wenn mir eine Person ohne meine Zustimmung näher als etwa 20cm kommt. Ist das Setting aber z.Bsp. „Training(Bodenkampf)“, dann habe ich da noch nie Probleme gehabt. Umgekehrt schwankt mein Nähe-Distanz-Bedürfnis auch sehr von Tagesform usw. und ich bin durchaus auch öfter mal in „Kuschelstimmung“ wo ich einfach nur mit bestimmten Menschen kuscheln mag. Ich nehme das auch in keiner Weise sexuell wahr, das ist noch mal etwas ganz anderes, was das Empfinden angeht.
    Wenn ich also in Kuschelstimmung bin, dann frage ich meistens explizit: „Du, [Name], ich bin gerade in Kuschelstimmung. Wäre es für dich ok, wenn ich dich [umarme/drücke/anlehne/…] ?“
    Ich weis aber nicht, wie gut das Konzept im Allgemeinen ist, da ich fast immer sehr klar meine körperlichen Bedürfnisse und Grenzen ausgesprochen bekomme. Wobei gerade letzteres meiner Erfahrung nach einfach eine Übungssache ist

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:47

      Das mit dem Fragen muss ich echt mal probieren, ja. Bei vertrauten Freund_innen kann ich mir das gerade auch sehr gut vorstellen. (Trainingssituationen zähle ich auch zu so was wie Arztsituationen, wo die Berührungen halt eher professionell sein sollten.)

  7. george 10.11.2011 um 18:03

    Ich verstehe die Berührungsverwirrung – gerade wenn man nicht straight hetero ist, könnte ja vieles sexuell gemeint sein, das sonst per definitionem als freundschaftlich gilt. (Freundin umarmt Freundin und so) Andererseits verbinde ich Körperkontakt sowieso mit einem gewissen Vertrautheit, so daß ich davon ausgehe, daß ein evtl. vorhandenes sexuelles Interesse bereits bekundet worden wäre. Das hat natürlich viel mit meiner Herangehensweise zu tun, daß ich ziemlich schnell in ’sexuell aufgeladen‘ und ‚rein freundschaftlich‘ sortiere und es da auch keine späteren Revisionen gibt. (Bei mir wird also beim 1001. Mal berühren nicht plötzlich der erotische Funke überspringen.) Und daß ich unterstelle, daß es andere auch so halten. Was natürlich problematisch ist, irgendwie. Aber auch irgendwie notwendig um meine Handlungsfähigkeit zu erhalten.

    Im Zweifelsfall ist es wie immer das sinnvollste, einfach drüber zu reden, ob eine spezifische Berührung okay bzw wie sie gemeint ist. Ist doch doof, wenn man sich das Schulter anlehnen oder tröstend in den Arm nehmen oder bei unerträglich spannendem Film die Hand halten immer verkneifen muß. ;-)

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:50

      Haha, ja, Handfesthalten in unerträglich spannenden Filmen ist etwas, das ich eigentlich öfter bräuchte. :D

      Zur den Berührungen muss ich dazu sagen, dass es von mir eigentlich grundsätzlich nicht sexuell gemeint ist, weil ich so nicht empfinde. Ich kann aber daher nicht emotional abschätzen, wie das bei anderen ankommt, sondern nur rational. Und da bin ich eher übervorsichtig. Ich will auch nicht wie „ein Tease“ wirken, verstehst du? Das täte mir hinterher so unsagbar Leid.

      • John Dean 11.11.2011 um 14:07

        Wieso denn „so unsagbar Leid“? Im „schlimmsten“ Fall ist es ein Missverständnis, das sich schnell aufklären lässt. Ist doch nicht schlimm, sowas. Ich mein, mensch kann das kontrollieren, indem beim Kuscheleinstieg oder Händchenhalten halt auch gesagt wird, dass das nicht mit Sex zu tun hat. Und falls dann trotzdem ein Missverständnis entsteht, ist es doch nicht schlimm, oder?

        „Nein, das will ich nicht.“ oder „Sei mir nicht böse, ich will das nicht.“ sind doch einfache Sätze – oder stelle ich es mir zu einfach vor?

        • Faserpiratin 12.11.2011 um 0:19

          Ich hätte Angst, dass jemand „nein“ sagt und mich danach für seltsam hält, dass ich überhaupt kuscheln gewollt hätte.
          Ich zumindest beziehe immer alles auf mich persönlich und mache es mir da selbst schwer.
          Dann lasse ich es lieber gleich und bin auch nicht glücklich damit.
          Dilemma.

          • Puzzle 12.11.2011 um 7:21

            Ja, so ähnlich geht es mir leider auch. :(

            Umgekehrt habe ich Angst, dass ein Nein, das ich äußere, vielleicht nicht akzeptiert wird bzw. ich es erst mehrmals nachdrücklich sagen muss. Das hatte ich leider schon mehrmals, und ich mag es nicht, erst wütend werden zu müssen, bevor akzeptiert wird, dass ich wirklich nicht will.

      • george 11.11.2011 um 15:50

        Aber spätestens wenn du dir damit schwer tust, die Reaktionen von anderen zu antizipieren und einzuschätzen, dann ist über Motivationen/Intentionen reden eigentlich unumgänglich. Umgekehrt gesprochen: Ich hab z.B. ganz schön lang gebraucht zu kapieren, daß es Leute gibt, die nicht einfach so ‚verstehen‘, was ich meine, an denen angeblich allgemein verständliche Implikationen und Konventionen so ein bißchen vorbeigehen. Leider verläßt man sich gerade bei erotischen Hintergedanken häufig einfach blind auf die nonverbale Kommunikation und glaubt, daß man schon deutlich macht, was Phase ist. Deswegen kommt es da auch so extrem häufig zu Mißverständnissen. Ist eben ein extrem schwieriges Feld. Da sollte man es sich nicht noch schwerer machen als unbedingt nötig.
        Sonst kann ich mich John Dean nur anschließen: Auch wenn dich mal jemand falsch versteht, muß das nicht heißen, daß es dir furchtbar leid tun muß. Für Fremdinterpretationen ist man nur begrenzt haftbar zu machen. ;-)

  8. matthiasr 10.11.2011 um 22:20

    +1 für den Wunsch nach mehr Berührungen … und besonders für die Unsicherheit, wie sie verstanden werden könnten. In beide Richtungen; ich weiß öfter nicht, wie ich jemand anderes Berührung einordnen soll. Ich kann aber auch gar nicht klar abgrenzen, wie ich selber so eine Berührung (Anlehnen, Massage, wasauchimmer) eigentlich genau „meine“. Ich glaube, für mich gibt es diese Abgrenzung zwischen nicht-/sexuellen Berührungen und nicht-/sexuellem Wunsch nach Nähe eher gar nicht, nur einen unterschiedlich starken Wunsch zu unterschiedlich großer Nähe.

    Vielleicht brauch ich einfach mal einen Satz T-Shirts, auf denen vorne „free hugs“ und hinten „komm kuscheln!“ steht.

    • matthiasr 10.11.2011 um 22:23

      … und beim Abschicken fällt mir natürlich auf, dass ein „komm kuscheln!“-Shirt relativ risikofrei tragen zu können natürlich auch irgendwas mit Privilegien ist :/

    • Puzzle 11.11.2011 um 7:56

      Es ist echt alles so kompliziert! Klar, ein Nähewunsch lässt sich nicht so einfach definieren, für viele sogar mehr als für mich (siehe auch Kommentar über dir), und er kann sich ja auch ändern, vielleicht sogar im Moment der Berührung. Aber vielleicht ist das Vorher-(-und-mittendrin-)Nachfragen trotzdem die beste Lösung?

      Vielleicht brauch ich einfach mal einen Satz T-Shirts, auf denen vorne „free hugs“ und hinten „komm kuscheln!“ steht.

      Hm, ja… ich zumindest würde es definitiv nicht tun, aus Sicherheitsgründen.

  9. acid 11.11.2011 um 0:21

    Hmm, für mich sind Umarmungen schon wichtig, aber eigentlich nur als Begrüßungs- und Verabeschiedungs-Ritual. Normalerweise habe ich nicht viel Körperkontakt aber im engeren Freundeskreis fällt mir jetzt keineR ein, den ich nicht so begrüßen würde.
    Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ich daran trenne, wie nahe mir die Menschen stehen. Es gibt zumindest kaum Menschen, zu denen ich bei einem treffen willentlich Körperkontakt ohne sexuelle Wünsche halten mag. Dafür müssen mir diese schon wirklich wichtig sein.

    Lustigerweise geht der Impuls zur ersten Umarmung oder Berührung eigentlich nie bewusst von mir aus. Naja, das liegt dann wohl wieder daran, dass ich nie so richtig erwarte, willkommen zu sein.

    • Puzzle 11.11.2011 um 8:00

      Och, das Letzte klingt ja jetzt sehr negativ. :/ Aber zum Rest, klar, nicht jede_r legt überhaupt Wert auf solche freundschaftlichen Berührungen – es gibt auch viele Menschen, die zwar meinem Freund_innenkreis angehören, bei denen ich das aber auch nicht will, weil wir dann doch nicht sooo gut befreundet sind und/oder die Sympathie einfach auf einer anderen Wellenlänge liegt.

  10. verdingst 11.11.2011 um 3:17

    Also prinzipiell: Ich teile das Verlangen nach zarten Berührungen, ich hätte sehr gerne, sehr viel öfter welche. ABER: Nicht von jeder_m. Da muss einfach eine gewisse Sympathie und Vertrautheit vorherrschen. Diese kann sich ganz spontan entwickeln durch ein intensives, persönliches Gespräch oder aber auch durch ewiges Kennen und Verstehen vorhanden sein. Und bei meinen besten Freund_innen, die ich wirklich sehr mag, genieß ich es immer, wenn wir uns zur Begrüßung oder Verabschiedung innig umarmen, und da „meine“ ich das auch so: Ich empfinde eine sehr große Nähe zu ihnen und möchte dieser auch Ausdruck verleihen (oder wie das heißt). Und bei manchen Menschen will ich einfach nie berührt werden, nicht einmal nur kurz zur Begrüßung, da reicht mir der Händedruck voll & ganz aus, eine Umarmung ist mir da schon zu viel. Das habe ich hier auch schon einmal hier auf Formspring kundgetan: http://4ms.me/uY5N8a

    Ansonsten bin ich bei sowas mittlerweile inspiriert vom Zustimmungskonzept immer dazu übergegangen, einfach ganz lieb & unaufdringlich zu fragen, ob es okay ist, wenn ich eine Person so & so berühre. Also wenn wir nach der Party früh morgens gemeinsam in der S-Bahn zurück nach Hause fahren, frage ich: „Darf ich meinen Kopf an Deine Schulter anlehnen?“ Und das mache ich halt in allen Situationen, in denen es außerhalb von Begrüßung/Verabschiedung zu Berührungen kommt. (In der Regel, manchmal klappt es auch irgendeinem Grund nicht.) Also auch, wenn eine Person traurig ist und ich sie gerne mit einer Umarmung trösten würde, dann frage ich halt: „Ist das okay für Dich, wenn ich Dich jetzt mal ganz fest drücke?“ Da mache ich es also ganz ähnlich wie @KhaosKobold.

    Was ich aber ähnlich wie @matthiasr selbst nicht einschätzen kann: Meine ich eine Berührung jetzt nur rein freundschaftlich oder doch eher sexuell. Häufig hat mein Körper dazu sowieso noch seine eigene Meinung und reagiert auf zärtliche Berührungen mit ungewollten Blutanstauungen (Entschuldigung, ich kann mich gerade nicht in/direkter ausdrücken…) Und ich kann auch selbst nicht sagen, wo liegt jetzt eigentlich der unterschied zwischen zärtlich-freundschaftlich oder sexuell-freundschaftlich? Und was hat das Ganze mit Liebe zu tun? Ich kann sowieso schon bei mir eher schlecht Trennlinien zwischen Liebe & (guter) Freundschaft ziehen, es ist für mich meist ein sehr intensives Gefühl. Und vielleicht ist Kuscheln & Schmusen ja auch schon eine Art Sexualität, vielleicht gibt es da auch keine so klaren Trennlinien. Die Frage ist doch auch nicht, ab wann es sexuell wird, sondern bis zu welcher Grenze es für den_die Andere_n (raffiniert: mehrzahl eingeschlossen!) okay & angenehm ist. Vielleicht steckt hinter diesem „Ab wann ist eine Berührung sexuell“ auch wieder dieser Monogamie-Gedanke – ich jedenfalls merke, dass es mir deutlich schwerer fällt, eine Person, die in einer Beziehung ist, zu fragen, ob ich mit ihr auf irgendeine Art & Weise schmusen darf, als eine Person, die Single/frei ist.

    Vielleicht ist ein freundschaftliches Rumschmusen ja auch eine Art von Sexualität, nur halt nicht ganz so intensiv wie andere Formen. Ich muss zugeben, ich weiß es nicht. Aber ich habe halt in letzter Zeit gemerkt, dass häufig viele der Kategorien, in den ich dachte, in der Realität egal sind. Also dieses klare Abgrenzen zwischen homo-, hetero- & bi-sexuell beispielsweise, ich fühle mich zu den Menschen angezogen, zu denen ich mich angezogen fühle, da ist mir das Geschlecht egal. Oder auch der Klassiker: männlich* und weiblich* – die Grenzen sind sowohl biologisch als auch gesellschaftlich fließend, und das ist mir bei einem Menschen im Endeffekt auch egal, zu was er_sie sich zuordnet und/oder zugeordnet wird.

    Vielleicht muss der (un)klare Unterschied zwischen freundschlaftlich Kuscheln, Sexualität und Liebe auch dekonstruiert werden? (Ich bin ja sowieso ein großer Fan der Dekonstruktion, fast überall.)

    • verdingst 11.11.2011 um 4:14

      merke jetzt gerade erst, dass @matthiasr ja exakt das gleiche, nur in viel weniger wörtern geschrieben hat. eigentlich ist mein beitrag quasi unnötig, ich sage nichts, was nicht schon vorher mal so oder ähnlich geäußert wurde. naja, zu spät. egal auch.

    • Puzzle 11.11.2011 um 8:08

      Du sagst da ganz viele tolle Sachen (und überhaupt nicht „dasselbe“, was Matthias gesagt hat), danke!

      Ich will nicht, dass jede_r mich umarmt. Aber die kommen dann häufig schon in Umarmungshaltung auf mich zu, dann muss ich mitmachen, oder gar sie umarmen mich, ohne dass ich irgendetwas mache.

      Ja, geht mir auch so, und ich habe über dieses Problem gestern auch mit einer Freundin gesprochen. Am Ende waren wir uns beide einig, dass es ok ist, solchen Berührungen mit eher Fremden auszuweichen, auch in einer Gruppe, wo wir einige vertraut umarmen – wir sind da ja nicht in einer „Bringschuld“. Aber ich weiß auch, dass das nicht immer so einfach ist.

      Das Zustimmungskonzept ist da exht eine tolle Sache, wobei es bei mir noch auf mehreren Ebenen an der Umsetzung hapert:
      – Ich traue mich nicht, das zu fragen, weil ich nicht aufdringlich sein will.
      – Ich weiß oft gar nicht, wie ich das Formulieren soll, bis es dann eh zu spät ist.
      – Ich gehöre zu den Menschen, die nur ganz schwer nein sagen können, weil ich andere nicht vor den Kopf stoßen will – und ich möchte daher mein Gegenüber nicht einer solchen Situation aussetzen.

      Das mit der unerwünschten Körperreaktion ist dann auch noch so ’ne Sache, vor allem bei Männern. Und da geht ja auch jede_r unterschiedlich mit um – ganz schwierig.

      Zum Rest deines Kommentarts (Sexualität, Monogamie etc.): ganz spannend, danke noch mal!! Darüber möchte ich erstmal weiter nachdenken.
      Das mit der Körperreaktion ist dann auch noch so ’ne Sache, vor allem

      • John Dean 11.11.2011 um 14:16

        Ist die eventuelle Körperreaktion von Männern denn wirklich ein Problem? Eine leichte Errektion (Wohlfühlerrektion) können manche Männer schon beim Schmusen mit Haustieren bekommen – und ganz bestimmt ist dieses Schmusen nicht sexuell.

        Ich halte es auch für eher selten, dass eine nicht-sexuelle Nähe bei einem Mann eine starke Errektion auslöst.

        Aber auch, wenn beim Kuscheln bzw. beim Nähekontakt eine eindeutig sexuelle, starke Errektion beim Mann ausgelöst werden sollte: Wo ist da das Problem? Das ist doch seine Sache, und weh tut es ihm ganz sicher nicht. Er wird jedenfalls nicht durch eine Errektion „zum Tier“ oder drängend. Weil: Es ist ja nur eine Errektion. Weiter nichts. Und du kannst in eine solche Situation jederzeit unterbrechen mit „Nein, ich mag nicht mehr“, und anschließend einen Tee kochen gehen, zum Beispiel.

        Eine Errektion ist doch nur eine Errektion. Da passiert nichts Dolles.

        • Faserpiratin 11.11.2011 um 15:31

          Eigentlich ist das völlig richtig.

        • Puzzle 11.11.2011 um 15:36

          Oh, mich stört das persönlich auch nicht (also wenn darauf nicht irgendwelche ungewollten Handlungen folgen), aber ich kenne halt Männer, denen das wahnsinnig peinlich war, z. B. bei Massagen oder so. Dabei ist das eine ziemlich natürliche Reaktion.

  11. Nicolai 11.11.2011 um 10:29

    Mich macht es auch wahnsinnig. Ich werde gerne berührt, aber es passiert nicht so häufig. Vermutlich, weil es eben nicht sexuell wirken soll. Ich berühre auch gern bestimmte Menschen. Aber es ist immer ein bisschen schwierig, denn ich möchte ja nicht grenzverletzen.

  12. Faserpiratin 11.11.2011 um 15:30

    Ich bin da ähnlich was körperliche Zärtlichkeine angeht. Ich mag das – nicht von allen um mich rum, aber bei einigen Freund_innen habe ich gar nichts dagegen. Ich merke an mir selbst, wenn ich eine person gerne habe, dann berühre ich sie. Dann lege ich beim Sprechen die Hand auf ihren_seinen Unterarm oder wir sitzen so eng zusammen, dass sich unsere Knie berühren.
    Berührungen „ausser der Reihe“ (also abgesehen von begrüßung/verabschiedung) gibt es in meinem ganz ganz engen Umfeld also auch. Ich musste die letzte Zeit viel getröstet werden und niemand hatte Probleme damit, mir über den Rücken zu streicheln oder mich zu umarmen. Ich als Person, die Körperkontakt mag, begrüße das natürlich.
    Wir sind eine kleine Gruppe von wirklich engen Freund_innen. Gerade unter uns Mädels gibt es wenig Berührungsangst (sowas wie Kopf auf die Schulter legen oder so), was aber auch damit zu tun haben kann, dass wir alle hetero sind und es deshlab keine „Missverständnisse“ geben kann (wobei ich auch lesbische Freundinnen habe und es da keine Problem gibt, im Gegenteil – aber das ist eine anderer Kreis).
    Ich bin jetzt das erste Mal Single in unserem Freundeskreis – das macht die Sache schon schwieriger, zumindest für mich. Ich will ja nicht, dass eine der anderen Frauen denkt, ich mache ihr ihren Freund streitig oder so (die anderen sind alle verpartnert). Das baut in meinem Kopf eine Grenze auf, die so vielleicht gar nicht da ist. Schließlich war das ja sonst auch immer okay und ich gehe nicht plötzlich auf irgendwen los.

    Mit dem Fragen ist das so eine Sache. Ich finde es nett, wenn ich gefragt werde. Als mein Ex und ich zusammenkamen fragte er mich, ob er sich neben mich setzen und später ob er mich küssen darf. Ich fand das sehr gut, gerade weil ich ziemlich schüchtern bin.
    Ich selbst bin aber eben auch zu schüchtern, um jemand anders zu fragen. Einer meiner Freunde bot das an, ich solle bescheid sagen, wenn ich umarmt werden muss – würd ich mich ja doch nie trauen, glaub ich.

    • Faserpiratin 12.11.2011 um 0:16

      Und ich sollte vielleicht doch noch hinzufügen, dass ich mir wünschen würde, wir würden noch ein bisschen lockerer damit umgehen. Da geht noch was ;-)

  13. Wolf im Fuzzipelz (@verdingst) 11.11.2011 um 17:58

    Ich antworte jetzt mal hier ganz unten, weil es auf viele Beiträge eingeht. Also:

    Khaos.Kind schrieb:

    Wenn eineN das stört, soll er/sie/es mir einfach sagen. Ich kann gesetzte Grenzen auch problemlos einhalten. :)

    Da glaube ich Dir gern, aber nicht immer es ist es einfach zu sagen, dass eine_n etwas stört. Das ist auch das, worauf das Zustimmungskonzept aufbaut: Es ist einfacher, eine Frage, ob eine Handlung okay ist, mit Nein zu beantworten als aus eigener Kraft etwas abzulehnen.

    Ein Beispiel aus meinem persönlichen Umfeld: Eine Freundin wurde stark betrunken auf einer Party mal von einem Typen angemacht, der ist ihr sehr nahe gekommen und hat sie auch (nur „zart“) gestreichelt. Sie hat sich aber nicht getraut, ihm irgendwie „Gegenwehr“ zu leisten – vielleicht aus der Angst daher, dass er eh der Stärkere war und sie sich nicht noch Missgunst einhandeln wollte. Also hat sie einfach „mitgespielt“, obwohl sie es ganz schlimm fand. Ihren Aussagen zu folge hat sie versucht, uns Zeichen geben, damit wir sie aus diser Situation befreien, aber keine_r hat diese verstanden. Und so eine ähnliche Situation gab es auf einer anderen Party noch einmal mit der gleichen Freundin.

    Deswegen habe ich zwei Lehren daraus gezogen: Ich frage meine Freund_innen (zugegeben, v.a. weibliche*), wie das meist so bei ihnen ist, wenn sie „angebaggert“ werden – ob sie dann genug Mut & Kraft haben, der Person Ablehnung zu zeigen, wenn es nicht gewünscht ist. Oder: Ob ich dann im Eventualfall vielleicht helfen soll und dann mache ich mir meist ein Zeichen aus, zu dem ich weiß, jetzt sollte ich helfen. Ich will ja sonst auch nicht bevormundend sein oder Personen/Frauen* als prinzipiell hilfsbedürftig einschätzen. (Nebenbei: Nur weil in diesem Beispiel die Betroffene weiblich* und die Täter männlich* waren, heißt das nicht, dass es immer so sein muss)

    puzzlestücke schrieb:

    Das Zustimmungskonzept ist da exht eine tolle Sache, wobei es bei mir noch auf mehreren Ebenen an der Umsetzung hapert:
    – Ich traue mich nicht, das zu fragen, weil ich nicht aufdringlich sein will.

    Da mit dem nicht aufdringlich sein, das ist so eine Sache, klar. Ich versuche es immer der Situation angemessen zu formulieren und muss mich eben doch auch ein bisschen auf mein Gefühl verlassen, wann es angebracht ist. Und ich mache es natürlich auch nicht, mitten in einem Gespräch, sondern lasse gerne davor eine kleine Atempause.

    – Ich weiß oft gar nicht, wie ich das Formulieren soll, bis es dann eh zu spät ist.

    Hm, ich versuche das dann ganz einfach direkt zu sagen, so dass es auf keinen Fall irgendwie missverstanden werden kann. Und ich mache es in einer leisen, weichen, einfühlsamen Stimmlage.

    – Ich gehöre zu den Menschen, die nur ganz schwer nein sagen können, weil ich andere nicht vor den Kopf stoßen will – und ich möchte daher mein Gegenüber nicht einer solchen Situation aussetzen.

    Klar, leider gibt es auch Menschen, die nicht einmal auf solche Fragen mit Nein antworten können. Aber wenn ich kein klares Ja bekomme, frage ich noch einmal nach und wenn ich keine eindeutige Antworte bekomme, lasse ich es lieber. Sowieso versuche ich immer zu betonen, dass es voll okay ist, auch Nein zu sagen. Bei den ersten Nachfragen quasi immer, bei späteren Malen immer mal wieder ab & zu. Mir ist es immer wichtig, das Gefühl zu geben, dass Nein kein Problem darstellt.

    Was aber bei dem Zustimmungskonzept ganz wichtig ist: Die Kommunikation sollte auf irgendeine Art & Weise verbal ablaufen – also es muss vorher irgendwie klargestellt werden, was welche Zeichen bedeuten. Manchmal trügt die Empathie eben. Eine Zustimmung ist es wirklich nur, wenn es ein eindeutig als Ja definiertes Wort ist, oder vorher ausgemacht wurde, dass Daumen hoch Ja heißt. Ein „Hm“ oder „Mh“ kann je nach Betonung auch mal Nein oder Vielleicht heißen, ähnlich dem Kopfschütteln, das in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen hat, usw… deshalb dann lieber noch einmal vorsichtig nachfragen. Kostet ja nichts, außer ein paar Sekunden, kann aber im Zweifelsfall vor einer Grenzüberschreitung schützen, was für alle Beteiligten von Vorteil sein sollte. Und auch: Es ist besser direkt zu fragen, mit einem Fragezeichen, als nur eine Ankündigung zu machen, denn im Normalfall braucht eine Ankündigung keine Antwort – diese sollte aber immer abgewartet werden.

    So viel zum Ideal: Ja, das klingt bei mir so jetzt relativ einfach und als ob ich das perfekt umsetzen würde, aber natürlich musste ich das auch erst einüben und es brauchte Empowerment (Mut&Kraft). Und nicht immer schaffe ich es, aber ja, immerhin versuche ich es und schaffe es immer besser, und im Gegensatz zu anderen, mache ich mir Gedanken darüber. Manchmal, wenn ich es verpeilt habe, versuche ich es im Nachhinein anzusprechen, ob es okay war und mich dann ggf. zu entschuldigen – und versuche für die Zukunft zu lernen, weil ich dann auch besser bescheid weiß, in welchen Situationen welche Berührungen für diese bestimmte Person meist(!) okay sind.

    // Soweit erst einmal, keine Zeit läuft weg, will mich aber später auch noch zu anderen Kommentaren äußern ; )

    • Wolf im Fuzzipelz (@verdingst) 11.11.2011 um 18:03

      Ich meine natürlich meine Zeit läuft weg ;)

    • Khaos.Kind 12.11.2011 um 13:59

      Die von mit zitierte Stelle liest sich so aus dem Kontext raus nach „ich mach mal und du sagst, wenn es dir zuviel wird“. So ist es natürlich nicht gedacht.
      Vielmehr wollte ich damit deutlich machen, dass _nach_ der Frage auch eine Absage an Körperlichkeiten von mir ernst genommen wird. Auch Unsicherheiten oder Passivität sind für mein kein „ja vielleicht“, sondern erst mal ein „nein vielleicht“. Das Gespräch ist ja nach einer Frage nicht zuende. Ein JA zum Kopf auf die Schulter legen oder in den Arm nehmen ist auch kein Freifahrtschein.

      Ich würde von mir sagen, dass ich es relativ schnell „merke“, wenn eine Person unsicher oder unwillig ist. Aber darauf würde ich mich nie allein verlassen, denn selbst wenn ich es merke, dann bekomme ich höchstens mit, OB eine Person unsicher ist und nie warum. Hier muss dann das Verbale, das Ansprechen einer Thematik einsetzen.

      • Wolf im Fuzzipelz (@verdingst) 12.11.2011 um 14:41

        Oh, ich wollt Dir gar nicht unterstellen, dass Du irgendwie Grenzüberschreitungen begehst oder so. Ich wollt Dir erst Recht keine Vorwürfe machen oder Dich unter einen Rechtfertigungsdruck setzen, ich wollte nur einen Anlass für meine Aussage in dieser Richtung. Ich hätte durchaus auch andere Kommentare hier zitieren können dafür, deiner lief mir beim erneuten Überfliegen nur als erster über den Weg. War wohl auch ’n bisschen blöd formuliert. Außerdem kürze ich Zitate gern auf das absolut wesentliche, das passiert es leider öfter, dass der Kontext flöten geht. Alles in Allem: Entschuldigung.

        • Khaos.Kind 12.11.2011 um 14:57

          Ich habe das nicht als Angriff/Unterstellung aufgefasst. Aber Entschuldigung angenommen :)

          Muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich mich über die Art der Kommentare hier sehr freue. Sehr rücksichstvoller Umgang. (hätte leider auch ganz anders ausfallen können)

  14. Pandialo 11.11.2011 um 18:38

    Ich habe das unheimliche Glück, dass in meinem Kreis von Freund_innen zärtliche Berührungen auch mit nichtsexuellem Hintergrund recht normal sind und alle es ziemlich genießen. Das reicht vom Kopfaufdieschulterlegen über einen liebevollen Kuss auf die Stirn in bestimmten Situationen bis hin zu hippieesquen Massage- und Kuschelhaufen.
    Das ist einerseits dadurch bedingt, dass wir viel feedbacken, wie wir fühlen und auch recht viel verbalisieren, wie wir miteinander umgehen wollen (zum Großteil im Konsensprinzip), andererseits auch durch gemeinsame Erfahrungen, die uns eine gewisse Vertrautheit als Basis geben. Aber allgemein sind wir recht offen vielem gegenüber.
    Ich bin sehr froh darüber und finde, dass diese gesellschaftlich vorgeschriebene Berührungsphobie überwunden werden sollte, wobei natürlich wichtig ist, dass die betreffende Person zustimmen muss, am besten verbal. Denn es gibt sicherlich genug Menschen, denen Berührungen tatsächlich unangenehm sind. Dafür vermute ich da draußen um so mehr, die sich einfach wegen gesellschaftlicher Konventionen nicht trauen, sich zu berühren, obwohl sie es gern täten.

    Ich habe Glück in der Beziehung.

  15. Oli3 20.11.2011 um 13:30

    Hi.. Ja, das geht mir eigentlich ganz genau wie dir!
    Ich bin lesbisch, und hatte erst vor kurzem eigentlich mein Outing bei meiner besten Freundin.. Vorher war es nie ein Problem sie – wie du es nennst – zärtlich zu berühren. Doch seit dem ich bei ihr Out bin, ist da eine „unsichtbare“ Grenze da. Sie sagt es zwar nicht, aber ich kann es sehr deutlich bei ihr spüren!

  16. Luna 26.11.2011 um 12:53

    Als Lesbe tu ich mir bei Heten etwas schwer. Wenn ich nicht geoutet bin, hab ich etwas Furcht, sie könnten etwas merken- zu lange Berührungen, etc. wenn ich allerdings geoutet bin (und vlt noch Single) dann mach ich mir darüber Gedanken ob es sexuell rüberkommt obwohl ich das nicht will.
    Meine Eigenheit ist zudem, dass ich mit fast jedem Mensch was „Eigenes“ brauch, von der Begrüßung/Verabschiedung etc her. In der Jugendgruppe zB gibt es dieses Bussi-bussi-Getue, das kann ich -obwohl ich die echt mag- nicht ab. Mir gehts besser wenn ich manche „bloß“ umarme, manchen zuwinke etc…
    Ich berühre sonst mehr als ich berührt werde. Weiß auch garnicht ob ich das gut oder schlecht finden soll, manchmal wünsch ich mir von einer Person mehr, aber na ja. Vielleicht kommt das noch. Ansonsten genieße ich jede Berührung, die ich so kriegen kann ;)

  17. Michael 17.12.2011 um 23:57

    Ich mache positive Erfahrungen in diese Richtung beim Tanzen beim Unisport. Auf der einen Seite sind die Berührungen hier ein elementarer Teil und eben per default nicht sexuell, auf der anderen Seite ist es aber mehr als eine Trainingssituation. Wenn du also einen passenden Menschen hast und noch Zeit findest, wäre das vllt. eine regelmäßige Möglichkeit an schöne, unverbindliche Berührungen zu kommen. Alternativ bietet der Hochschulsport auch einen Massagekurs an den ich sehr positiv in Erinnerung habe.

    Ich kenne das mit dem Berühren wollen aber sich nicht trauen auch gut. Ich möchte ja auch niemanden dadurch zu Nahe treten… Vielleicht werde ich das auch hier häufiger machen mit dem Fragen…

  18. Daniel 31.08.2012 um 2:15

    „Warum ich das alles schreibe? Weil ich eigentlich ein Mensch bin, der gerne zärtlichen Körperkontakt hat und glaube, dass es davon in unserem Kulturkreis oft viel zu wenig gibt.“
    Genau das ist ein großes Problem in unsere Gesellschaft und trifft fast genau meine Einstellung. Es gibt viel zu wenig Zärtlichkeit unter den Menschen. Alle sind kalt und verbittert, durch den Druck der einfach auf uns lastet. „Ohne Geld kannst du nicht bestehen“. Finde ich sehr treffend, wir werden ja von klein auf darauf trainiert nur aufs Geld zu achten und alles andere zu vernachlässigen. Deswegen klammern wir uns an kleine Ereignisse wie Zärtlichkeiten, vor allem dann wenn diese sehr spärlich ausfallen.
    „Obwohl wir sehr gut befreundet sind, halte ich bei den meisten eine unsichtbare Grenze ein. Bei Leuten, die ich sehr mag, aber noch nicht so gut kenne, noch viel mehr. Ich will sie nicht in Verlegenheit bringen und/oder ihnen »falsche Hoffnungen« machen. Ich meine es nämlich so gut wie nie sexuell, sondern einfach nur zärtlich. Und das ist für mich nicht dasselbe.“
    Das hat mich wiederum total entsetzt. Wie oben schon genannt, jeder brauch Zärtlichkeit, aber wir werden von unseren Mitmenschen darauf trainiert, dass man keine Zärtlichkeiten austauscht, diese seien nur für die Familie und den Beziehungspartner. Kein Wunder das wir dann immer das Gefühl haben das „der andere was von einem will“. Wenn du doch schon selber fühlst das dieses Verhalten falsch ist, dann mach doch einfach was. Genau wie ich. Wenn einer meiner Freunde traurig ist, dann wird er oder sie auch umarmt, um jetzt nur ein Beispiel für Zärtlichkeit aus deinem Beitrag zu nennen. Es ist nämlich ganz einfach: Wenn du immer ins Schema der Gesellschaft passt, dann stecken dich die Leute da auch rein. Meine Freunde kennen mich aber gut genug das sie wissen, das Zärtlichkeiten bei mir nicht sexuell zu verstehen sind. Du (und so ziemlich alle anderen auch) vermitteln dem anderen aber genau das, was sie denken: „Ich will nicht das es falsch rüber kommt, darum lasse ich es“. Wenn diese Leute dann aber doch mal damit anfangen, wird es missverstanden, da es sonst ja nur von Personen kommt, die sexuell interessiert sind.
    Darum versucht doch einfach etwas zu ändern, andere werden es verstehen (bzw nicht falsch verstehen) und es ist vorteilhaft für alle. Ihr müsst euch nichts aufzwingen und ihr hilft auch noch anderen Menschen.

    Das wäre meine Meinung zu dem Thema,
    Gruß

  19. Lena Schimmel 28.10.2012 um 18:54

    Hallo Puzzle,
    Zuerst mal zum eingangs erwähnten Songtext: ich hab das „1000 mal berührt“ eigentlich immer eher metaphorisch verstanden, wie „1000 mal miteinander gesprochen“. Ok, hab grad noch mal den ganzen Songtext gelesen, da steht „hatt‘ ich doch schon tausendmal beim Tanzen berührt.“ was die Sache zwar eindeutig körperlich macht, aber auch deine Frage beantwortet „wie es überhaupt zu diesen tausend Berührungen kam?“.

    Genug Song-Analyse und hin zum Persönlichen: In der Schulzeit hab ich mich nicht getraut, andere zu berühren oder auch nur anzulächeln oder anzuschauen, und während freundschaftliche Zärtlichkeit für die anderen Mädchen selbstverständlich war, habe ich mich gefragt ob ich das auch jemals erleben darf – bzw. kann, denn ich dachte, wenn ich das mit 11 oder 12 nicht verinnerliche, werde ich mich vielleicht nie daran gewöhnen können. Dass ich damals noch in meinem Geburtsgeschlecht als Junge gelebt hatte, hat die Sache auf jeden Fall sehr viel schwieriger gemacht.

    Aber das ging später erstaunlich gut, und zwischen 15 und 23 gab es ein paar Phasen wo ein wenig freundschaftliche Zärtlichkeit zwischen mir und anderen Mädchen/Frauen ganz normal wurde, obwohl ich formal immer noch nicht „zum Club dazu gehörte“. Zuletzt hatte ich eine gute Freundin, mit der ich mich öfter mal zum Filmegucken auf ein Sofa gekuschelt hatte. Das ging solange gut, bis aus unserem gemeinsamen Freundeskreis ein Mann ein Auge auf sie geworfen hat und eine Frau ein Auge auf mich. Beide unterstellten uns sexuelle Absichten und meldeten quasi Besitzansprüche an jeweils einer von uns an (recht erfolgreich, denn daraus wurden jeweils Partnerschaften).

    Damals dachte ich nur „ok, dann dürfen wir das jetzt nicht mehr“. Jetzt wo es vorbei ist und ich Abstand dazu habe, würde ich aber nie wieder eine Partnerschaft mit einer Person eingehen, die meinen Umgang mit Freund_innen regulieren möchte.

    In meinem aktuellen Umfeld sind zwar Umarmungen alltäglich und gegen enges Beieinandersitzen hat auch niemand etwas, aber das war es auch schon. Schade, aber ich werde mich bestimmt nicht darüber beschweren!

    Übrigens habe ich in vielen verschiedenen Umfeldern schon sehr oft erlebt, dass bei Verabschiedungen eine nicht-verbale Aushandlung passiert, wer nun wen umarmen will und wen nicht. Das beinhaltet angedeutete Bewegungen und etwas hin- und her, und sieht mitunter ein wenig wie ein lustiger Roboter-Tanz aus. Aber die Situation erlebe ich in keiner Weise als peinlich, sondern als ein Stück gelebte, niedrigschwellige Konsenskultur zwischen Menschen, die das mit dem verbalen Nachfragen noch nicht so draufhaben (wozu auch ich leider noch gehöre) aber trotzdem das beste draus machen.

Ich freue mich immer über Kommentare! Ich werde sie innerhalb von 24 Stunden freischalten – wenn nicht, wird das seine Gründe haben.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: