SlutWalk Berlin: 1. Eindruck

So lange, wie ich hier nicht mehr gebloggt habe (musste leider der Uni den Vorzug geben), werde ich mich heute mal ganz langsam herantasten und zunächst nichts schreiben, sondern nur einige Bilder vom gestrigen Berliner SlutWalk zeigen, die ich ab und zu mit dem Handy geschossen habe. Kommentieren möchte ich sie mit dem jeweils ersten Satz aus Online-Artikeln der gängigen Massenmedien, um zu zeigen, dass die Journalist(_inn?)en offenbar auf einer anderen Demo waren als ich.

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung.

»Mit viel nackter Haut haben Hunderte „Schlampen“ am Samstag in deutschen Städten als Teil einer internationalen Protestbewegung gegen Sexismus demonstriert.« (B.Z.)

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung. (2)

»Rund 1.000 leicht bekleidete Mädchen und Frauen sind am Sonnabend durch die deutsche Hauptstadt gezogen.« (Hamburger Abendblatt)

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung. (3)

»In mehreren deutschen Städten haben Frauen beim „Slutwalk“ in freizügiger Kleidung für ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung demonstriert.« (Welt Online)

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung. (4)

»Ein paar Tausend oft halbnackte Frauen haben in Deutschland für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und gegen männliche Gewalt demonstriert.« (Süddeutsche)

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung. (5)

»Etwa 1800 Frauen und Männer sind in meist freizügiger Kleidung am Sonnabend vom Wittenbergplatz bis zum Gendarmenmarkt gezogen.« (Berliner Morgenpost)

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung. (6)

»Die Frauen tragen absichtlich besonders kurze Röcken und tiefe Dekolletés.« (Tagesschau)

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung. (7)

»In mehreren deutschen Großstädten gingen Frauen in betont sexy Outfits auf die Straßen, um gegen Chauvinismus und Sexismus zu demonstrieren.« (RP Online)

Viele Menschen, fast keine nackte Haut zu sehen, sondern alltägliche Kleidung. (8)

»In freizügiger Kleidung haben Hunderte Frauen in deutschen Städten gegen Sexismus demonstriert.« (Zeit Online)

Diese Artikel habe ich ganz willkürlich über GoogleNews geöffnet und mich wahnsinnig geärgert, dass die generelle Berichterstattung durchweg irgendwelche Stereotype produziert, indem sie fast nur Bilder von halbnackten Frauen zeigen, anstatt einfach die weniger spektakuläre Wahrheit (und trotzdem Vielfalt und Vielfältigkeit der Besucher_innen) zeigt. Zum Kotzen!

Ein zweiter, schriftlicher Eindruck über den Berliner SlutWalk folgt morgen, wenn ich meine Gedanken etwas sortieren konnte.

5 Antworten zu “SlutWalk Berlin: 1. Eindruck

  1. semiramis 15.08.2011 um 15:13

    Mich wundert die Medienreaktion leider nicht wirklich.
    Sie liegt daran, dass sexuelle Selbstbestimmung nachwievor meist einfach nur als sexuelle Freizügigkeit im engsten Sinne gedacht wird.
    Ein weiteres Problem liegt in den Märschen selbst begründet – und ich weiß, dass ich mich damit immens unbeliebt mache, und ich werde meine Bauchschmerzen auch noch einmal genauer formulieren – aber ich glaube einfach, dass die Umdeutung eines Wortes wie „Schlampe“ nicht gelingen kann, weil sie sich in patriarchalen Denkmustern bewegt.

    Mir ist bewusst, dass gerade die Organisatorinnen in Deutschland sich nach der Kritik, die nach den ersten Märschen in Nord-Amerika aufkam, mit den Definitionen, mit den möglichen Ausschlussmechanismen auseinandergesetzt haben. So lange aber nicht wirklich nicht thematisiert wird, dass Gewalt gegen Frauen überwiegend eben nicht auf der Straße stattfindet, dass diese Gewalt nicht einmal mit Kleidung zu tun hat, und trotzdem das sogenannte „victim-blaming“ stattfindet, werden die Medien den gleichen sexualisierten Zuschreibungen folgen, die die Märschen durchbrechen wollen.
    Ich fürchte, die Märsche werden diese Sexualisierung solange reproduzieren – nicht indem Frauen und Männer sich freizügig kleiden – sondern solange der Zusammenhang von Körper, Geschlecht und Gewalt (noch) nicht thematisiert worden ist. (Obwohl die Initiative für eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen Mädchen-KZ-Uckermark es auf dem Berliner Marsch bereits begonnen hat.)

  2. Mendola 15.08.2011 um 15:19

    Warum es in den Medien anders dargestellt wird? Weil man verkaufen will… Klicks generieren… Leser haben… Da sind normal gekleidete Damen keine Zugpferde… Halb nackt muss es schon sein und nicht zu vergessen „alles Schlampen“…
    Leider ziehen solche Artikel eher Leser an, die kaum Interesse an dem Hintergrund der Demo haben.

  3. lesbomat 21.08.2011 um 17:27

    Leider reagiert die Journaille nur auf Buzzwords wie „Slut“ und auf die Aussicht auf höhere Verkaufszahlen, was will man erwarten?

  4. Galumpine 22.08.2011 um 0:44

    @ semiramis: Die Umdeutung von schwul hat doch auch funktioniert, obwohl sie sich in ähnlich patriarchalen Denkmustern bewegte. Das Problem ist halt, dass bei einer solchen Aneignung immer Leute übrig bleiben, die von der allgemeinen Öffentlichkeit zwar als schwul oder Schlampe gedisst werden, sich aber auch nicht mit dem angeeigneten Begriff identifizieren können. Trotzdem wäre es ein Fortschritt für die vielen, die es können. Es ist deshalb wichtig, dass eine solche Definition offen für alle Betroffenen bleibt. Im Sinne von: „Jede Frau ist eine Schlampe, unabhängig von Kleidungsstil oder Sexualität.“

  5. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Alles Schlampen!

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