Kampf der Emotionen

In weniger als 24 Stunden geht’s auf zum GenderCamp, wo ich viele mir bereits über Twitter »bekannte« oder gar schon zuvor getroffene Menschen treffen und hoffentlich über viele spannende Themen diskutieren werde. Ich freue mich! Ich bin neugierig! Ich bin wissensdurstig! Und ich empfinde zunehmende Panik…

Es gibt einige Dinge, über die habe ich in meinem Blog bisher nicht geschrieben, obwohl ich das eigentlich schon längst mal tun wollte. Eines dieser Dinge ist, wie es sich mit einer sozialen Phobie lebt, die ich zwar im Griff habe (zumindest relativ gesehen), die mir aber dennoch täglich das Leben schwer zu machen versucht, indem sie mich mit Herzrasen, Übelkeit und Schweißausbrüchen überschüttet. Ich hab auch nicht vor, heute großartig darüber zu bloggen, denn ich muss noch packen, arbeiten gehen und ein Projekt für die Uni beenden – ein andermal vielleicht.

Aber eventuell liest die ein oder der andere Gendercamp-Teilnehmer_in meiner Twitter-Liste dies hier ja noch und behält im Hinterkopf, dass distanziertes Verhalten meinerseits in der Regel nichts mit ihr oder ihm zu tun hat, sondern damit, dass bei jeder Begegnung mit neuen (aber auch bekannten) Menschen ein Kampf der Emotionen in mir tobt, der mich dazu bringen kann, Augenkontakt zu vermeiden, nur knappe Antworten zu geben, mich zurückzuziehen oder (als eine Art »Gegenkompensation«) hyperaktiv zu wirken. Ich bin guter Hoffnung, diesen inneren Kampf am kommenden Wochenende eher zu gewinnen als zu verlieren, denn ich freue mich seit Wochen aufs Gendercamp… aber drei Tage Unbekanntes ohne vertrauten Rückzugsort sind eine wahnsinnige Herausforderung an mich selbst, die ich mir in dieser Form schon lange nicht mehr gestellt habe.

Dazu kommt erschwerend, dass sich dort vor allem Menschen aufhalten werden, die sich schon deutlich mehr mit diesen Themen auseinandergesetzt haben als ich, das »Respektlevel« meinerseits also von vorneherein schon unheimlich hoch liegt. Andererseits sind es gerade diese Leute, von denen ich mir viel neuen Input und tolle Diskussionen erhoffe… also muss ich mir einfach stets in Erinnerung rufen, dass nicht ich als Mensch kritisiert werde, sondern meine Unwissenheit in Bezug auf bestimmte Dinge.

Das Positive ist: Wenn ich mich in einem Umfeld wohlfühle (und das Gendercamp klingt ganz nach einem solchen Umfeld), taue ich eher schnell auf – Menschen, die mich näher kennen, würden nicht mal denken, dass ich ’nen kleinen »Sockenschuss« habe…

Dennoch:
Ich entschuldige mich ganz ernsthaft im Voraus, falls ich doch mal leicht unsoziales Verhalten an den Tag legen sollte. Ich meine es gewiss nicht so!! (Und nein, Alkoholkonsum macht es mir in dieser Hinsicht leider auch nicht leichter…)

Und:
Ich freue mich aufs Gendercamp!
Ich freue mich aufs Gendercamp!
Ich freue mich aufs Gendercamp!
Diese Freude hat gefälligst über die Angst zu siegen. :)

6 Antworten zu “Kampf der Emotionen

  1. ihf 12.05.2011 um 12:52

    viel spaß dir am gendercamp. ich bin schon wieder sooo neidisch… und wollte ja auch unbedingt kommen heuer… aber geld, leben, arbeit verhindern gerade, dass ich AT verlasse.
    hab eine gute zeit mit der wunderbaren twitteria feminista!

  2. yetzt 12.05.2011 um 13:05

    also wenn das letzte gendercamp für mich eins war, dann ein ort, an dem ich mich wohl gefühlt habe, wo ich endlich mal nur von menschen der selben wellenlänge umgeben war und sich ein tiefes gefühl von «so müsste die es immer sein, hier fühl ich mich zu hause» eingestellt hat. ich kann mir gut vorstellen und wünsche es dir, dass es dir genau so geht.

    • Leah 12.05.2011 um 18:32

      Ich kann dich sehr gut verstehen und mir geht es sehr oft ganz genauso! Letztes Jahr kannte ich gar niemanden und es war sehr toll, auch wenn mir meine Schüchternheit mir auch des öfteren im Wege stand.
      Morgen fahre ich mit einem etwas gebrochenem Selbstbewusstsein aufgrund eines Empowerment workshops (klingt widersprüchlich – ist es auch) und freue mich darauf dagegen zu arbeiten und wieder neue tolle menschen zu treffen.
      wenn du also gleichgesinnung in der problematik fremde räume betreten suchst, dann kannst du dich gerne auch an mich wenden, ich kenne das sehr gut.
      (ein guter konversationsstart wäre doch zb die neue Glee-Folge :))

      • Puzzle 12.05.2011 um 22:31

        Das mit dem Empowerment workshop klingt in der Tat so, als hätte es das Gegenteil bewirken sollen. :/ Aber ich bin erleichtert, nicht die Einzige zu sein, die eventuell nicht so locker-flockig auf andere zugehen kann… und ja, Glee ist immer ein tolles Konversationsthema!! *freu*

    • Puzzle 12.05.2011 um 22:21

      @yetzt: Das wäre ja wirklich sehr schön. #hach Und wie gesagt, die Freude überwiegt einige Leute (wie dich) wiederzusehen und andere endlich in echt kennenzulernen! :) Der Rest wird schon irgendwie klappen. Muss.

Ich freue mich immer über Kommentare! Ich werde sie innerhalb von 24 Stunden freischalten – wenn nicht, wird das seine Gründe haben.

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