Die Vorzüge und Tücken des Internets: Soziale Netzwerke, Internetforen & Co.

Melanies Eintrag »Kein Facebook. Verpasste Chancen?« sowie der dort verlinkte Beitrag »Farewell für meine ›schwachen Freundinnen‹« von Antje Schrupp haben mich noch einmal über meinen jüngst zum Thema Facebook verfassten Eintrag nach- bzw. weiterdenken lassen, genauer gesagt über das Thema soziale Netzwerke, aber auch über diverse Foren oder Online-Communities.

Ich nehme meine Meinung nicht zurück – wer in meinem Alter über kein Facebook-Profil (echt oder fake) verfügt, muss halt die Konsequenzen tragen. Doch das muss ich natürlich auch als jemand, der eines hat bzw. generell viel online unterwegs ist.

Ich hatte das Glück, schon in relativ jungen Jahren Zugang zum Internet gehabt zu haben, als dort noch gar nicht so viel Spannendes drin stand (dazu hat Melanie übrigens auch einen interessanten Beitrag verfasst); das Einzige, was mich wirklich interessierte, war, dass es zu meinem damaligen Hobby Mailinglisten gab und ich darüber schnell gleichgesinnte Menschen kennenlernen konnte, von denen ich noch heute mit einigen in gutem Kontakt stehe. Wir hatten auch ein eigenes kleines Forum mit vielleicht zwanzig Mitgliedern, sehr übersichtlich, nahezu privat – das waren quasi meine sozialen Netzwerke des Web 1.0. ;)

Natürlich lief all dies unter einem Nickname; ich kannte die wenigsten meiner Online-Kontakte persönlich. Ebenso verlief es mit Foren und ähnlichen Online-Communities – wir kannten uns nicht, daher stand es jedem frei, eine »zweite Identität« aufbauen oder durch häufiges Wechseln eines Nicks völlig anonym zu bleiben.

Diese Möglichkeit der Anonymität gibt es heute natürlich ebenso, und sie führt u. A. ab und an dazu, dass ein Troll seine Keule rausholt und bei jeder Blog- oder Foren-Diskussion Öl ins Feuer gießt, kontraproduktive Beiträge liefert oder – im schlimmsten Fall – andere User verbal angreift. Oft stört das, doch manchmal tut es mir auch einfach gut, ein bisschen zu diskutieren/streiten, vehement meinen Standpunkt zu vertreten und zu sehen, welcher User bei kontroversen Themen welcher Ansicht ist. Außerdem finde ich online stattfindende Diskussionen oft gehaltvoller als die im echten Leben, bei denen schnell die Emotionen hochkochen und es (zumindest in meinem Umfeld) schnell passiert, dass jemand bockig wird, aus dem Zimmer geht, laut oder eventuell sogar handgreiflich wird – meist komme ich in solchen Situationen gar nicht dazu, meinen Standpunkt überhaupt zu erläutern, weil ich (um des lieben Frieden Willens) entweder gar nicht erst widerspreche bzw. schnell nachgebe oder nicht rational das ausdrücken kann, was ich sagen will. Das ärgert mich dann immer ungemein.

Unter einem Nickname habe ich dazu noch die »Sicherheit«, dass nicht alles, was ich schreibe, gleich auf mich als Person zurückgeführt wird, denn a) kennt mich niemand und kann somit wenig zwischen den Zeilen lesen, b) kann ich auch über kontroversere Themen diskutieren, aus denen ich mich im tagtäglichen Leben vielleicht eher raushalten würde, z. B. aus Rücksichtnahme gegenüber Freund_innen.

Meine MLs gibt es inzwischen nicht mehr, auch die meisten Foren sind leider weg – dafür ist inzwischen der Großteil meines Freund_innenkreis über Facebook vernetzt, und es hat unser Leben insofern bereichert, als dass wir alle Links, Videos o. Ä. posten und darüber diskutieren können. Wenn wir uns offline treffen, sage ich in der Regel nicht »hier, lies dir das mal durch und sag mir deine Meinung« – online geht das viel einfacher, und die Diskussion kann sich sogar über Tage hinziehen, weil jede_r dann etwas beitragen kann, wenn er_sie gerade Zeit hat. Ich finde das toll. Ebenso höre ich Meinungen von Freund_innen, mit denen ich offline viel zu selten Kontakt habe und mit denen ich bei einem Treffen eher die privaten Geschehnisse der letzten Monate austauschen will.

Der Nachteil ist jedoch, dass längst nicht jeder Facebook so intensiv nutzt wie ich, und ich mich manchmal frage, ob XY mich nicht leiden kann, weil er_sie mich nicht »zum Freund machen« will… dabei war er_sie einfach schon ewig nicht mehr auf Facebook und hat meine Anfrage nicht gesehen. Dasselbe, wenn jemand meinen Beitrag nicht gelesen hat – ich muss mir dann stets bewusst machen, dass meine Freund_innen vielleicht ein paar Tage nicht auf Facebook waren, oder zu viele Beiträge im News Feed haben, um alles zu lesen, oder dass sie das Thema halt nicht interessiert – im schlimmsten Fall kann es sein, dass sie meine Beiträge auf »ignorieren« gesetzt haben, weil ich zu oft poste. Kann ja alles sein, und es hat zwei Jahre gebraucht, bis ich keinen Stich mehr im Magen verspürte, weil ich mich ignoriert fühlte. Dabei ist es völlig normal, und auch offline rede ich nicht bei jedem Thema mit und höre auch nicht oder nur aus Höflichkeit bei allem hin, was meine Freund_innen so von sich geben – dazu sind unsere Interessensbereiche zu verschieden… aber das Ego versteht sich nun mal nicht so gut mit Rationalität. ;)

Für mich persönlich haben soziale Netzwerke also eher positiv statt negative Auswirkungen. Letztere sind in erster Linie, dass mein richtiger Name mehrmals im Internet auftaucht (nicht nur bei Portalen wie Facebook oder Xing) und ich aufpassen muss, dass mein Nickname nicht von Ottonormalverbraucher mit meinem Realnamen in Verbindung gebracht werden kann – denn das Internet vergisst ja nie, und ich bin schon seit fast fünfzehn Jahren online und war ja auch mal ein »unbeholfener Teenager«. ;) Ebenso habe ich mich intensiv mit den Facebook-Sicherheitseinstellungen befasst und diese auch bei jedem geposteten Beitrag im Hinterkopf.

Der Vorteil ist oben genanntes Diskussionspotential und generell, dass sich das Spektrum dessen, über was ich diskutieren kann, durch Facebook, Foren und Blogs vervielfältigt hat. Es fiel mir auch grundsätzlich schon immer leichter, meine Gedanken, Ideen und Gefühle schriftlich zu äußern, da ich im echten Leben nicht sonderlich kommunikativ bin. Briefe habe ich schon seit der Grundschule viele geschrieben, aber die gingen meist nur an eine bestimmte Person – von daher danke ich dem Internet täglich für diese Möglichkeit, Erlebtes und Gedachtes vielen Freunden gleichzeitig zugänglich machen und darüber reden zu können. :)

Interessant zum Weiterlesen über die Vorzüge des Internets: »Social Media: Der Sieg der schwachen Verbindungen«.

Eine Antwort zu “Die Vorzüge und Tücken des Internets: Soziale Netzwerke, Internetforen & Co.

  1. FibrePiratess 09.06.2012 um 23:59

    Das kann ich genau so unterschreiben.
    Ich sehe soziale Netzwerke auch als absoluten Vorteil und bin einfach gerne in Kontakt mit Freund_innen oder neunen Bekannten. Mit Facebook muss man sich eben auseinander setzen. Man sollte die Sicherheitseinstellungen kennen und nutzen und dann ist alles okay, denke ich.

    Schriftlich ist vieles einfacher, das sehe ich auch so. Man kann nochmal nachdenken, ergänzen und halbwegs ruhig kommunizieren. Mir fällt das auch sehr viel leichter, weil ich einfach nochmal korrigieren kann – im Gespräch sagt man schnell was und bereut dann die Formulierung.

    Liebe Grüße,
    FP

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